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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

der Unkunde des Künstlers in altem Kostüme etc. beschämende Beweise 
liefert. Vor allem aber betont Schönfeld den besonderen Nutzen seiner 
Sammlungen für die Wohlfahrt des Staates durch die Belehrung, welche 
der mechanische Künstler, der Handwerker und Gewerbsmann aus ihnen 
schöpfen kann. Denn, sagt er, das Museum ist die beste, ja einzige wahre 
„Versinnlichung eines technologischen Unterrichts". Man habe schon längst 
ein vollständiges Buch gewünscht, welches eine ausführliche und richtige 
Beschreibung und Abbildung aller Handwerke und Künste, sowie aller ihrer 
Grundsätze, Handgriffe, Werkzeuge, Maschinen etc. enthielte. Eine Menge 
Schriftsteller habe diesen Wunsch zu befriedigen versucht und wir besitzen 
über diesen Gegenstand eine große Anzahl von zum Teil sehr vortreff- 
lichen Schriften. Allein die genaueste Beschreibung und die umständlichsten 
Kupfertafeln seien nicht immer imstande, von der Beschaffenheit dieses 
oder jenes Kunsterzeugnisses, von seiner Entstehung und Bearbeitung eine 
anschauliche Idee zu erwecken; wohl aber könne dies durch eine Vorzeigtmg 
dieses Produktes (in natura) geschehen. Überdies lassen auch die meisten 
jener Werke noch viel zu wünschen übrig. Es sei auch gar nicht zu erwarten, 
daß der Verfasser eines technologischen Werkes von allen und jeden Künsten 
und Handwerken eigene genaue Kenntnisse, am wenigsten anschauliche 
praktische Begriffe habe. Er halte sich daher entweder an seine Vorgänger 
oder verlasse sich auf die Nachrichten und Angaben anderer und dies müsse 
Mißtrauen gegen sein Werk erregen. Wo aber, wie es in seinem Museum 
der Fall sei, mit der Vorzeigung eines Kunstproduktes zugleich alle ver- 
wandten Exemplare früherer und späterer Perioden dieses Erwerbszweiges 
mit vorgelegt und, wenn es möglich sei, vor den Augen des Beschauers in 
ihre Bestandteile zerlegt werden, wo man zugleich, wie dies wenigstens bei 
einigen Zweigen der Fall ist, die zur Verfertigung des Produktes erforderlichen 
Werkzeuge mit gezeigt werden, da werde zugleich eine richtige und anschau- 
liche Belehrung über die Sache mitgeteilt. Vorzüglich wichtig sei diese an- 
schauliche Belehrung in den neueren Zeiten geworden, wo aus allerlei Ur- 
sachen das Wandern junger Handwerker entweder gänzlich aufgehört hat 
oder doch unterbrochen worden sei. Das Museum biete Ersatz hiefür. Denn 
außer den vollständigen Sammlungen von Kunsterzeugnissen habe er auch 
von Jahr zu Jahr die in die Gewerbekunde einschlagenden Bücher, Zeit- 
schriften, Kupferwerke und andere Hilfsmittel angeschafft, aus welchen der 
Wißbegierige einen reichen Schatz von Belehrungen schöpfen könne." 
Die Betrachtung des Museums lehre aber, so fährt Schönfeld fort, vor 
allem auch, wieviel in jedem einzelnen Industriezweige zu leisten möglich ist. 
" Schönfeld suchte auch aus eigenem die einschlägige Fachliteratur zu bereichern durch die Herausgabe 
kleiner Taschenbücher für jed es Gewerbe, worin in gemeinverständlicher Sprache die Beschreibung des Gewerbes (der 
Materialien etc.), die Geschichte seiner Entstehung und Fortbildung, die Vorteile undVerhesserungen. die sich dabei 
noch anbringen lassen, die Gesundheitsregeln zur Vermeidung der mit dem Gewerbebetriebe verbundenen Ge- 
fahren, eine Beschreibung der einzelnen im Museum vertretenen Produkte der Gewerbe mitgeteilt wurden. Bis 
zum Jahre 18r6 hatte Schönfeld drei solcher Büchlein: Das goldene Buch für Schuhmacher, für Kleidennacher und 
für Tischler herausgebracht und sagt hierüber, er habe das Vergnügen gehabt, sie in die Hände vieler Hunden 
wackerer Handwerker gebracht zu sehen, welche ihm ihre Dankbarkeit auf die herzlichste Weise zu erkennen gaben.
	        

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