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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

wie an derselben Stelle die Klosterneuburger Figur, nur verhältnismäßig 
kleiner und mit geringerer Unterarbeitung. Die beiden Fürstinnen haben noch 
mehr solcher Formen; übrigens ist an der Klosterneuburger Figur auch zu 
beachten die schlitzartige Einhöhlung im Auffall rechts hinten. 
Bei Eins ist die Fußzone noch differenzierter. An der linken Seite" gibt 
es überhaupt keinen Aufstoß und diese ruhige Fassade mit den seichten 
Kehlen macht einen breiten Gegensatz zu den anderen Seiten. Vorn über 
ihrem rechten Fuß ist eine Aufstoßformel: eine breite, flache, zungenartige 
Kehle, darunter eine Schlitz- oder Furchenfalte, die seitlich von der Fußspitze 
angehoben wird, und daneben schräg gegen die Kehle hinauf eine etwas 
weiter geöffnete Schlinge. Dasselbe, nur dicker in der Form, hat der Karl IV. 
vom Altstädter Brückenturm in Prag. 
Kehle, Schlitz und Schlinge gehören bei den Gewändern der Wehinger- 
figuren zur Themengliederung der Hauptteile. Bei Eins sind vorn an die 
beiden I-Iaupthänge drei Schlingen eingehöhlt, an der untersten läuft 
tangential eine Kehle vorbei, auch schlingenförmig, aber flach; die Taschen- 
konsole am linken Oberschenkel außen wird links von einer kleineren und 
flacheren Schlinge, rechts von einer langen, schmalen, schneidigen Kehle 
unterlaufen; paar größere und weichere Kehlen sitzen im großen Faltenstrang; 
eine ganz kleine Schlinge im Mantelfutter unter dem linken Arm. _ Zwei 
hat Kehlenbildung (mit dem gleichen tangentialen Anlauf) am Konsolteil der 
großen Schüsselfalte und unter dem linken Arm, die linke Armbeuge macht 
Schlitze. (Damit ist nicht alles genannt.) 
Kehle, Schlinge und Schlitz sind dieselbe Form, nur verschieden ge- 
griffen; die Schlinge wird breitgedrückt eine Kehle, enggezogen ein Schlitz 
oder eine Furche. An diesen Gewändern sieht manches wirklich aus wie 
in Ton modelliert, besonders die Aufstöße; man spürt, daß damals das 
Arbeiten in Ton aufkommen mußte. In den älteren Prager Skulpturen ist die 
Bildungsverwandtschaft dieser plastischen Mittel noch nicht so deutlich. Stix 
bespricht zuerst die mehr breiten und seichten Bildungen: „Eine der Falten 
ist so charakteristisch . . . . . . für die ganze Prager Schule . . . . . . . . . . 
Es ist eine relativ sehr breite, oblonge, muldenförrnige Vertiefung, das eine 
Ende ist durch einen Halbkreis abgeschlossen, das andere verläuft ver- 
schieden." Dann, das ist wichtig: „Die Falte verläuft stets schräg und kon- 
vergierend zu einer anderen." Von den Tumbengräbern im Domchor zeigt 
es sehr deutlich die Seitenansicht Ottokars I. und vor allem der Spitihnev II. i" 
Die langen Mulden unter den großen Hängen laufen in derselben Lage zuein- 
ander wie unter den verschiedenen Hängen der Klostemeuburger Figuren. 
Ebenso ist es bei der Bischofsfigur in der I-Iohenfurter Stiftsbibliothekfpb" Die 
i" Vom Beschauer; bei Nennung eine: Körperteile: mit dem Possessivpronomen umgekehrt, also „über 
ihrem rechten Fuß" ist rechts von der Figur aus. 
'" Stix, Tafel VIII, vielleicht noch besser bei Dehio, Geschichte der deutschen Kunst, H. Abbildungs- 
band, Seite 260. Und Stix, Tafel VII a. 
"t" Ernst, 1 17. Ernst macht durchaus überzeugend auf Verwandtschaft mit den Prager Tumben aufmerk- 
sam; sie sind sicher gleichzeitig, wie Ernst meint.
	        

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