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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

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meisterhafte Silberfälschung seiff Nicht bei der Hervorbringung, wohl aber bei 
der Verwertung dieser glänzend gelungenen Arbeit spielte ein bekannter 
ausländischer Händler eine entscheidende Rolle; es lag daher nahe, andere 
auffällige Silberarbeiten, welche von dort aus angeboten wurden, sehr genau 
unter die Lupe zu nehmen. Da fügte es sich, daß kurz darauf der Nachlaß 
dieses inzwischen verstorbenen Händlers zur Versteigerung gelangte und sich 
hierin ein sehr kurioses Silber- 
werk, genannt „Krönungs- 
halle Karls VI.", befand, das 
ich zunächst für eine Fäl- 
schung hielt, wie übrigens 
auch alle anderen Interes- 
senten, denn das relativ hoch 
bewertete Stück erzielte bei 
der Auktion nur einen ganz 
geringen Preis. Das hier" 
abgebildete Objekt zeigt einen 
Prunkaufbau (Höhe 52 Zen- 
timeter, Breite 50 Zentimeter) 
aus Bronze mit reicher Ju- 
welierarbeit, einen tempel- 
artigen Mittelbau mit Bal- 
dachin und Thron, daneben 
die stehende Figur des Kaisers 
in Prunkrüstung mit Lorbeer 
und Schwert (aus einer 
Barockperle mit Silber und 
Steinen geformt), vor dem 
Throne ein sitzender Türke, 
auf dem silbernen Tisch drei 
Kronen und Zepter, eine - 
Weitere Krone von einem Abb. 2. Augsburger Goldemailuhr von Schör, 
. Totenkopf in Goldemail 
Indianer herangetragen; auf 
dem Mittelbau Viktoria, die Architektur mit Trophäen, Vasen, Engelfiguren 
geschmückt, an den Säulen die Porträts der sechs Kurfürsten. Die Frage, 
wann und wie dieses Objekt in den Besitz der Firma gekommen sei, wurde 
dahin beantwortet, daß es in den sechziger-Jahren auf einer Auktion in London 
erworben worden sein dürfte. Wenn dies richtig war, so konnte zunächst nur 
an Christie gedacht werden; eine vor Kriegsausbruch dahin gerichtete Frage 
nach den Auktionen jener Jahre blieb jedoch unbeantwortet und die Suche 
nach dem Kataloge vorläufig erfolglos. Da kam mir durch Vermittlung von 
i Abgebildet im XXVI. Bande des Jahrbuches der Kunstsammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses. 
Das gesamte Material dieser Untersuchung wurde dem im Jahre x91: in Wien abgehaltenen Kongresse des inter- 
nationalen Museenverbandes vorgelegt. 
41' Auf Seite 73. 

	        

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