MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

Auch wenn wir vom regsten Künstlerverkehr 
wüßten zwischen Frankreich und Deutschland in 
dieser Zeit, es täte nichts dazu zu dem, was uns die 
Denkmäler sagen: die Bestrebungen hier und dort 
stehen überm gleichen Nenner; aber sie gehen 
voneinander unabhängig, schon weil hier und dort 
die Voraussetzungen verschieden sind. Etwas ganz 
anderes betrifft nun die Frage nach dem Tausch- 
verkehr künstlerischer Kräfte oder Motive - als 
innerdeutsche Frage. Darüber wissen wir über- 
lieferungsmäßig sehr wenig; aber die Denkmäler 
lassen viel erschließen. Auch unsere beiden. 
Die Partie an und unter dem (vom Beschauer 
aus) linken Ärmel von Zwei mutet wie eine feine Er- 
findung an. Es ist aber 
nichts daran eigen außer 
gewissen Feinheiten der 
Durchführung. Dieselben 
Formen in derselben 
Ordnung gibt es auch 
anderwärts; ein absicht- 
lich räumlich entlege- 
nes Beispiel: die Groß- 
madonna in S. Maria- 
Lyskirchen in Kölnfk 
Die Durchführung ist da 
recht anders, anscheinend viel glatter und matter, 
aber es ist ganz dasselbe Gruppenmotiv von He- 
bungen und Senkungen. Und dieses Gruppenmotiv 
kommt verhältnismäßig oft vor. Das ist sozusagen 
Phraseologie zweiten Ranges; bei Stellen, an 
denen nicht soviel lag wie an den großen Motiven, 
konnten auch solche Bildhauer im Geleise gehen, 
die sonst aus allem etwas Besonderes machtenfhk 
i" Kunstdenkmäler der Stadt Köln, ll, i, Seite 306 bis 307. 
H Gewisse Vorformen zu der eben besprochenen Ärmelbildung 
irn Braunschweiger Skizzenbuch. _ Eine andere Ärmelbildung von 
ebenso festem Formbestand entspricht dem Aufstoß bei Eins. bezw. 
mehr der dickeren Formung beim Karl IV.: eine breite Kehle mit einer 
Furche darunter; es fehlt nur die schräg anlaufende Schlinge. So kommt 
das mehrfach vorbei denberührnten schreibenden Aposteln in denDoppel- 
torarchivolten des Ulmer Münsterwestportals (auf Hartmanns Tafel be- 
sonders bei 1 und B). Eine Vorfnrm schon beim Karl V. in St. Denis 
(Trocaderowerk. Tafel I5). 4 Von dem Meister der Ulmer Schreiber 
stammen bekanntlich auch die Turnbenfiguren vom Kölner Saarwerden- 
grabmal. Zwischen denen und dem Prager Karl IV. scheint 7 trotz des 
großen Zeitabstandes -- in der Gewandbehandlung eine etwas größere 
Statue Zwei Verwandtschaft zu bestehen, als der gemeinsame Stil mit sich bringt. 
 
Salzburg, Städtisches Museum 
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