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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 11 und 12)

und anschaulichen historischen Darstellung, mit ein Hauptwert dieses Buches, daß der Ver- 
fasser den Mut gehabt hat, wieder einmal allgemein gültige Lehren yorzutragen, die auf 
die „Vorbildlichkeit" des von ihm behandelten Materials hinauszielen, - l 
Für jede ' der behandelten Fabriken bringt der Verfasser zahlreiches neues und 
wichtiges Material. Seine ungeheure Belesenheit, die nie versagende Fülle seiner Exzerpte 
kommen ihm bei der Behandlung, dieser spröden, so ungleichmäßigbearbeiteten Materie 
sehr zugute. 'Besonders wertvoll für die Museen und Sammler aus den Ländern der 
ehemaligen Doppelmonarchie ist das Kapitel über „Steingut im früheren Österreich und 
Ungarn", wobei in erster Linie die Fabriken zu Holitsch, Wien und in Böhmen vielfach 
in schärferer Beleuchtung erscheinen. Sehr wichtig und verdienstvoll ist das Markenver- 
zeichnls in alphabetischer Reihenfolge, das die Feststellung der Provenienz mühelos und 
rasch ermöglicht. _ 
An die Spitze seiner Textillustrationen setzt Pazaurek eine der sympathischen und 
lieben Wiener Neujahrskarten aus der Empirezeit, die im Hintergrund auf einem Tisch 
eine reiche Kollektion von Vasen, Terrinen, Deckeldosen, durchbrochenen Körben etc. in 
den etwas steifen klassizistischen Formen jener Epoche zeigt. Es sind nach seinerAnschauung 
Steingutgeschirre, doch erscheint mir gerade dieses Beispiel nicht ganz glücklich, vor allen 
Dingen nicht recht charakteristisch gewählt, denn gerade diese Typen. lassen sich Stück 
für Stück im gleichzeitigen Wiener Porzellan nachweisen; übrigens empfiehlt es sich schon 
aus lokalen Gründen, in den abgebildeten Keramiken Porzellanobjekte zu sehen. 
Die figurale Plastik des Steingutes ist in der Pazaurekschen Darstellung wohl etwas 
zu sehr en bagatelle behandelt worden. Groß ist allerdings die Zahl bemerkenswerter Stein- 
gutplasciken nicht gerade, aber immerhin gibt es manche hübsche, lebendige deutsche 
Einzelfigur; eine Reihe von gut komponierten Figuren und Gruppen entstand gegen Ende 
des XVIII. und zu Beginn des XIX. Jahrhunderts in den Manufakturen zu Venedig und 
Umgebung und keinesfalls hätte eine Darstellung der l-Iolitscher Steingutproduküon jene 
interessanten und merkwürdigen Figuren von ungarisch-jüdischen Hausierern und von 
Rabbinern unerwähnt lassen sollen, die der Großherzog von Toskana im Jahre 1799 in der 
Fabrik persönlich bestellte; sie sind noch in der Porzellan- und Silberkammer des Palazzo 
Pitti erhalten und im IX. Jahrgang dieser Zeitschrift auf Seite 333 abgebildet. 
E. W. Braun 
EÜTSCHEIFAYENCENF Die deutschen Fayencen des XVll. und XVIILJahr- 
hunderts sind besonders in den letzten Jahren zu den gesuchtesten Sammelobjekten 
geworden; man rufe sich nur die hohen Preise ins Gedächtnis zurück, die, man kann wohl 
sagen, alle Fayencen aus dem Besitze des 1' Erzherzogs Ludwig Viktor bei der Dorotheum- 
auküon im Oktober 1921 erzielt haben. Hand in Hand mit diesem Wachsen an Popularität 
in Sammlerkreisen wuchs eine üppige, weitverzweigte, oft in den entlegensten Provinz- und 
Lokalzeitschriften niedergelegte monographische Literatur, deren einziger Fehler oft die 
im umgekehrten Verhältnis zur Bedeutung des betreffenden Betriebes stehende Weit- 
schweifigkeit war; außerdem hat man in solchen Fällen meist über jede einzelne Fabrik 
ganz und ohne Zusammenhang mit der historischen Gesamtentwicklung berichtet. Seit 
J. Brinckmanns meisterhafter Zusammenfassung der deutschen Fayencen im Hamburger 
Museumsführer sind rund dreißig Jahre verflossen und eine neuerliche Gesamtdarstellung 
unter Berücksichtigung des gewonnenen Neulandes erschien dringend gebotenÄKein anderer 
war mehr dazu geeignet als gerade August Stöhr, der sich seit langen Jahren mit seltener 
Passion und großem Sammlerglück um die Aufhellung der geschichtlichen Entwicklung 
der mittel- und süddeutschen Fayencen bemüht hat. Sein Werk ist die höchst inhalts- und 
" August Stöhr. Deutsche Fayencen und deutsches Steingut. Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensarnmler. 
Berlin, Richard Carl Schmidt ä Co.
	        

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