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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

nur noch, daß die Südmauer, die auf Abbildung 1 1 so sonderbar in den Halb- 
turm hineinläuft, wohl sicherlich einer früheren Bauperiode entstammt, und 
daß man bei der Anlage des Halbturms eben nicht auf sie, sondern nur 
auf die Kapelle unten Rücksicht genommen hat. Und hier stimmten die 
Geschosse eben nicht miteinander überein. 
Nun haben wir in dem Regierungsschreiben des Jahres 1534 aber auch 
von einem alten Tanzsaal gehört; dieser befand sich im Stockwerk der Kapelle 
und in unmittelbarer Nähe derselben." Wir werden dadurch nun in einen 
ganz andern Zustand der Burg zurückversetzt. Wir müssen nämlich bedenken, 
daß der im Jahre 1534 abgebrannte Saal durchaus nicht der einzige, oder 
nur der erste ist, von dem uns die alten Urkunden in diesem Burgteile 
berichten. Bei genauer Durchforschung der Quellen lernen wir mindestens 
drei verschiedene Zustände des Saalbaus hier kennen. Schreiten wir vom 
Späteren zeitlich zurück, so sind es: 1. der Saal nach dem Brande des 
Jahres 1534, 2. der Saal bis zu diesem Brande und 3. der Saal, der dort vor 
demJahre 1510 bestand. Denn der (zweite) Saal, der im Jahre 1534 abbrannte, 
kann, wie wir sehen werden, im Jahre 1510 noch nicht bestanden haben. 
Und doch hören wir schon vor diesem Jahre 1510 hier von einem Saale; 
allerdings lag er (Nr. 1), wie sich noch zeigen wird, um ein Stockwerk tiefer 
als der damals neu errichtete (zweite). Wir erfahren nämlich aus verschiedenen 
Schriftstücken des Jahres 1510, daß Kaiser Maximilian damals bei einem 
Aufenthalte in Innsbruck mündlich den Befehl erteilt habe, zwischen dem 
paradeis und Neuen Bau auf dem lanngen sal etwas (zu) patzen." Es bestand 
also bereits ein langer Saal. Der in der Urkunde genannte Neue Bau, in den 
Quellen auch als Neuer vorderer oder erster neuer Bau bezeichnet,""" muß 
aber nach allem südlich vom Saalbau gelegen habend- 
Der im Jahre 1510 vorhandene Saal wird als gewölbter vertäfelter 
(gewelbter vertäfelter sal) bezeichnet. Und die Umbauarbeiten werden damit 
begonnen, daß man das I-Iolzgewölbe abträgt. Man muß also von vornherein 
darüber klar gewesen sein, daß die Decke bei der vom Kaiser beabsichtigten 
Umgestaltung des Saalbaus nicht bleiben könne. Auch erfahren wir; daß 
die „alte" Mauer gegen den Graben, auf der weiter gebaut werden sollte, 
schon seit langem Sprünge gezeigt habe (verkleben gewesen sei), weshalb 
der Kaiser auch schon wiederholt nachgefragt habe. Erst beim Abtragen 
der hölzernen Saalwölbung erkannten aber Werkmeister Telhas und Hof- 
maurer Niclas, deren Berichte dem Schreiben des Kaisers vom 8. März 1510 
noch beiliegen, die wahre Ursache: es hatte sich nämlich die Mauer am 
Graben gesenkt, dadurch das hintertail tachwerk um neun Zoll gesetzt, das 
"' Vielleicht wird der im Jahre 1534 abgebrannte Saal auch gerade im Gegensatz zu diesem „alten" als 
„neuer" bezeichnet, so in dem ersten Berichte nach dem Brande in Causa domini 1532 bis 35 f. 186. 
"w Schreiben des Kaisers an die Innsbrucker Kammer, Ausgsburg 1510, März 8. (Gesch. von Hof 1510 
f. 19. 5.; siehe auch Miss. 1510 f. 5 -8). 
"l" Bericht des Hofmaurers und Kostenvoranschlag in Gesch. von Hof 1510 f. zu, 21'. 
1- Es mag derselbe neue Bau bei dem Wappenhaus sein, zu dem Kölderer nach seinem eigenen Berichte 
in den Jahren 1505 oder 1507 zwei Visierungen auf schüchtern Papier gemacht hat: auf einem Zettel, der einem 
Schreiben Maximilians aus Straßburg vom 30. März 1507 beiliegt, Reg. 831.
	        

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