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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

Es befanden sich im Jahre 1534 an der Westseite der Paradeisstube, 
also vom Norden her gerechnet: ein viereckiger Erker (gegen das Frauen- 
zimmer), dann weiter nach Süden ein Türmchen, das fünf Fenster hatte, 
also wohl fünfseitig vorsprang, dann ein halbausgeschossenes Fenster. Statt 
des Türmchens soll nun auf Kragsteinen eine größere Erweiterung errichtet 
werden, die mit ihren drei Fenstern im halben Achteck wohl ein Gegenstück 
zu dem ebenso geformten Halbturm an der Ostseite der Stube geworden 
wäre. Schwieriger zu erklären ist das halbausgeschossene Fenster, an dessen 
Stelle ein gerades Kreuzfenster kommen soll. Unter einem „ausgeschossenen" 
Fenster haben wir jedenfalls ein erkerartig vortretendes zu verstehen; was 
aber ein „halbausgeschossenes" sein soll, erscheint zunächst unklar. 
Es ist nun aber merkwürdig, daß wir die hier genannten drei Licht- 
öffnungen der Westwand des Paradeises noch auf dem späteren Grundrisse 
des zweiten Obergeschosses (Abb. 11) verfolgen können. Am sichersten ist 
wohl die viereckige Ausladung gegen das Frauenzimmer, die wir dort über 
Eck gestellt finden. Auffälligerweise ist jedoch auch das Schneckentürmchen, 
das oben erweitert werden sollte, erhalten und zwar offenbar noch in seiner 
alten fünfseitig vorspringenden Form; es ist hier also der Bauvertrag des 
Jahres 1536 nicht zur Ausführung gelangt." Südlich von dem fünfseitigen Vor- 
sprunge finden wir auf dem Plan eine Tür; hier war aber zu einer Zeit, als 
der anstoßende, hohe Nordilügel des großen Hofes noch nicht errichtet war, 
Raum für ein gerades Kreuzfenster und vorher an der Ecke selbst für ein aus- 
geschossenes Fenster. Zu einer Zeit, als das Paradeis neben dem ursprünglich 
niedrigeren Saalbaue noch frei emporragte, kann ein solches, ähnlich wie an 
der Südwestecke, noch frei übereck herausgetreten sein. Als die anstoßende 
Saalmauer durch den Bau des Jahres 1510 aber emporrückte, mußte ein Teil 
verschwinden und so ein „halbausgeschossenes" Fenster entstehen. 
IF 
Wir haben nun Darstellungen einer alten Burg erhalten, die dem bisher 
von uns gewonnenen Bilde der Innsbrucker Burg in geradezu überraschender 
Weise entsprechen; insbesondere gilt dies auch von dem „Paradeis" und 
dem anliegenden Bauüügel im Zustand vor dem Jahre 1510. Wir meinen die 
bekannten Ansichten eines Schloßhofes von Albrecht Dürer in der „Albertina" 
zu Wien (Abb. 19 und 20). Den ersichtlich tirolischen Charakter des dar- 
gestellten Bauwerkes hat man schon lange erkannt?" Der Umstand, daß 
Dürers gesicherte Innsbrucker Ansicht (Abb. 21) bei der sogenannten 
„Ottoburg" (links der Innbrücke) ein Dach mit ähnlichen Türmchen, wie 
eines der genannten Blätter (Abb. Ig), bietet, und daß man für die ältere 
Zeit Innsbrucks immer nur an diese „Ott0burg" dachte, mochte dazu geführt 
haben, in den beiden Dürerschen Blättern eben eine Darstellung dieser Burg 
4' Dzß die unteren Teile (Abb. 8 und xo) abgetragen sind, kann mit späteren Umbauten zusammenhängen. 
"Q Siehe Berth. Haendcke „Die Chronologie der Landschaften Albrecht Dürers" Straßburg, xägg Seite 28: 
„Die Architektur weist nach Tirol."
	        

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