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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

Wer heute die Innsbrucker Hofburg betrachtet, wird allerdings kaum 
von den Schauern geschichtlichen Werdens oder dem Zauber geheimnis- 
voller Romanük ergriffen. Man erinnert sich kaum, einmal gehört zu haben, 
daß in dem südlichen Eckrunde noch der alte „Wappenturm" verborgen 
oder im Innern des Nordteils noch alte gotische Gewölbe vorhanden seien. 
Und die ergreifende Erzählung, wonach Maximilian beim Bau seiner Burg, 
durch Irrtümer der Bauleiter enttäuscht, die Nichtigkeit alles Irdischen ein- 
gesehen und leise zu seinem Begleiter gesagt habe, er werde sich nun ein 
Haus bauen, wie es ihm gefalle --- und es war dies ein Sarg, den er von nun 
an durch fünf Jahre bis zu seinem Tode überall hin verdeckt mit sich führte, 
so daß seine Umgebung allerlei Schätze unter der Hülle vermutete - dies 
ist uns wohl in der Schule erzählt worden, wird aber wohl kaum jemand ge- 
rade durch den Anblick der heutigen Innsbrucker Burg wieder in Erinnerung 
gebracht werden} Der Bau scheint, als einheitliches Werk der Zeit Maria 
Theresiens, aus einer nüchternen Vergangenheit in eine nüchterne Gegen- 
wart hineinzuragen. Aber doch, wer genau zusieht, wird bemerken, daß selbst 
die zwei Schauseiten des heutigen Baus, die am Rennweg und die an der 
Hofgasse, obgleich sie beide das Gepräge des vorgeschritteneren XVIII. Jahr- 
hunderts tragen, stark voneinander abweichen; ja im Hofe stoßen die ver- 
schiedengearteten Teile sogar hart aneinander (Abb. r). Tatsächlich ent- 
stammt der Bau in seiner heutigen Form, was bisher eigentlich nie beachtet 
worden ist, zwei verschiedenen Abschnitten der Maria-Theresianischen Zeit. 
Dazwischen liegt äußerlich der Siebenjährige Krieg, innerlich ein durch- 
greifender Wandel der Kunst und ganzen Lebensweise." 
In der Burg, die einst mächtigen Kaisern und prunkliebenden Landes- 
fürsten zum Sitz gedient hatte, war es nach dem Aussterben der tirolischen 
Linie des Hauses Habsburg (1665) immer stiller und stiller geworden; nur 
vorübergehend gab es unter zwei fürstlichen Gouverneuren, Karl von 
Lothringen, dem Schwager Kaiser Leopolds I., und Karl Philipp von Pfalz- 
Neuburg, wieder eine Art Hofleben. Aber schon wiederholt hatten sich 
landesfürstliche Ämter und Hof beamte in der Burg eingenistet und sie zuletzt 
in eine Art Amtsgebäude umgewandelt. Als dann um die Mitte des 
XVIII. Jahrhunderts der „Neuhof" oder das ,,Goldene-Dachl-Gebäude", bis 
Kustos KIBPBX Schwarz (vom Ferdinandeurn), Inspektor Franz Tötsch (Gebäudeverwalter der Innsbrucker früheren 
Hofburg und des Schlosses Ambras), Kustos Alois Trost (vom städtischen Museum in Wien). 
Wir bemerken hier, daß die von uns ohne Nennung des Verwahrungsortes angegebenen Urkunden Besitz 
des Landes- (früher Statthalterei-) Archivs in Innsbruck sind. Die von Dr. v. Schünherr und Michael Mayr in den 
oben angeführten jahrbilchem registrierten Urkunden sind fast durchaus im Originale nachgesehen worden; doch 
schien es nicht immer nötig oder durchführbar, sowohl die Regestennummer als auch die Urkundenbezeichnung 
selbst anzuführen. (Im allgemeinen sind die Urkundenbezeichnungen dann an erster Stelle oder allein angeführt, 
wenn die Regeaten zu wenig oder Irrtümer enthalten.) Die Regesten sind der Raurnersparnis wegen nur mit der 
fortlaufenden Nummer angegeben. Als häufigere Abkürzungen der Urkundenbezeichnung seien folgende angeführt: 
Entb. z Entbieten und Befehl; Gesch. von Hof : Geschäft von Hof; Gesch. an Hof : Geschäft an Hof; 
Raitb. : Raitbuch (Rechnungsbllcher); (Gern) Miss. _-_ (Gemeine) Missiven ; Res. z Resolutionen; KS. : „Kunst- 
sachen". Für die von uns beniltzten Urkunden nach dem jahre 16,25 liegen keine Regesten mehr vor. 
"i Zuerst bei: Johannes Faber Oralio funzbris in depnsitiorxe . . . lmp. Caes. Maximiliani . . .. Augs- 
burg 15 ig. 
i" Über die stilistischen Unterschiede der beiden Bauteile wollen wir in einem späteren Aufsatze sprechen.
	        

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