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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

in der Mitte mehr vortrat, was sich auch nach oben hin zeigen mußte; es ist 
das keine allgemein übliche, sondern schon eine besondere Form und darum 
Dürer wohl aufgefallen. Die Zinnen des Giebels erscheinen übrigens wie 
eine Steigerung der an dem Bauteil rechts im Hofe auf Abbildung zo er- 
kennbaren." 
Nach allem dürfen wir somit als sicher annehmen, daß die beiden Blätter 
Dürers wirklich die Innsbrucker Hofburg darstellen. Und man wird es jetzt 
wohl auch gerechtfertigt finden, daß wir früher scheinbare Kleinigkeiten 
nicht übergangen haben, da sich nur dadurch wirkliche Beweise gewinnen 
ließen. Sollte aber noch irgendein Zweifel bestehen, daß wir in den Dürer.- 
schen Blättern wirklich die Ansichten des Innsbrucker Burghofes vor uns 
haben, so wird wohl ein Vergleich mit Dürers bekannter Stadtansicht Inns- 
brucks die letzten Bedenken zerstreuen. Daß es sich bei der Stadtansicht 
(Abb. 21)" trotz des erst nachträglich hinzugesetzten Monogramms um eine 
echte Zeichnung Dürers handelt, ist wohl niemals bezweifelt worden und 
kann auch kaum bezweifelt werden; ja man hat das Blatt immer als eine der 
reizvollsten landschaftlichen Studien aus Dürers Frühzeit erkannt. Und daß 
wir eine Ansicht Innsbrucks vor uns haben, ist gleichfalls zweifellos und 
nicht bloß durch die Aufschrift lnsprug, die übrigens sicherlich von Dürers 
Hand stammt, erwiesen. "i": Schon hervorgehoben haben wir, daß das Dach 
des Eckturms ganz links rückwärts auf der Gesamtansicht mit dem des 
rückwärtigen Turmes auf dem Schloßhofblatte (Abb. 19) übereinstimmt, 
auch in der grünen Farbe. Wenn wir nun auf der Stadtansicht von diesem 
grünen Eckturme aus den Blick nach rechts und zugleich nach vorne hin- 
gleiten lassen, finden wir zunächst vor dem Turm einen zweiten mit rotem 
walmartigen Dache, davor dann einen aus der Stadtmauer gerundet heraus- 
tretenden niedrigeren Bau, gleichfalls mit rotem Dache. Dieser Bau könnte 
mit dem heute noch vertretenden Rundbau (vergleiche Abb. z), der eine 
Zeitlang die Kapelle des „Benefiziatenhauses" enthielt, im Zusammenhang 
stehen. Weiter gegen den Beschauer finden wir dann bei Dürer einen in der 
Mauerflucht emporragenden Bau mit rotem Satteldach und endlich ganz 
vorne den nordwestlichen Eckturm der Stadt, den Kräutertunn. Zwischen 
dem rechts vom „Schatzturm" emporragenden (rotgedeckten) Turme und 
dem (roten) Satteldache sehen wir nun rückwärts ein querlaufendes (rötliches) 
" Sonst hätte man zum Beispiel die Zinnen der Pfarrkirche auf Abbildung z: zu vergleichen und die 
Haller Pfarrkirche. 7 Zur künstlerischen Ausgestaltung des Riesenhauses mag besonders der Bück von der Burg 
aus beigenagen haben, so wie später unter Maximilian etwa das „Haus am Platze" zu einer künstlerischen Aus- 
gestaltung aufzufordern schien. Man vergleiche hier noch die Bemerkung vom Jahre r 557 (Reg. 7261), daß die 
behausung zu Neuhof ein fürstlich haus und gleich am platz menniglichen am gesicht gelegen sei. Die künst- 
lerische Bedeutung des Riesenhauses mag Dürer auch bewogen haben. hier über den engsten Burghereich hinaus- 
zublicken; im übrigen handelte es sich hier ja auch um ein fürstliches Bauwerk. 
w" Lippmann (Farbentafel) Nr. 45x; Schönbrunner und Meder Nr. 542. 
"' Siehe u. a. Berthold Haendke, „Die Chronologie der Landschaften Albrecht Dürers", Seite 22. Hier 
wird das Blatt in die Zeit der Rückreise der ersten ltalienfahrt Dürers r495 96 verlegt. Meder dagegen nimmt 
die Hinreise als Entstehungszeit an (Text zu Lippmann und „Neue Beiträge zur Dürer-Forschung" jahrbuch der 
Kunstsammlungen des Kaiserhauses, Wien XXIII (1902) Seite 53 B1). ä Schönherr, Ges. Schr. I, Seite 125 R1, 
kennt, dem damaligen Stande der Forschung entsprechend, nur eine italienische Reise, die heutige „zweite", 
Dilrers nach Italien (r5o5-x5o7) und versetzt die Zeichnung daher in diese Zeit.
	        

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