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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

Margarethe. Aber sogar ein Rubens, der doch gewiß malerisch sah und zum 
Beispiel bei der Kopie der berühmten Grablegung Caravaggios das Original 
mit größter malerischer Freiheit in seine Sprache umsetzte, hat von den 
genuesischen Palästen die genauesten Aufnahmen gemacht. Und hat Dürer 
selbst nicht auch von Trient zwei ganz verschiedene Darstellungen gegeben: 
eine malerische Gesamtansicht und eine ganz ins einzelne gehende des 
Schlosses allein?" Ist das nicht ein ganz verwandter Fall wie bei den Inns- 
brucker Zeichnungen? - Trotz der Aufmerksamkeit und sachlichen Genauig- 
keit, die Dürer auch bei mehr malerischen Aufnahmen bis zu einem gewissen 
Grade beibehielt, wäre es aber natürlich unberechtigt, ihm „perspektivische 
Fehler" nachrechnen zu wollen. Gerade bei Aufnahmen nach der Natur 
konnte er wohl in jedem Zeitpunkt seines Lebens in Einzelheiten hinter 
seinen eigenen theoretischen Kenntnissen zurückbleiben. jedenfalls hat Dürer 
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Abb. rz. Klappe zu dem Plane auf Abbildung u (Plan 4) 
aber um das Jahr 1495 mehr nach allgemeinem Gefühl für Verkürzung, als 
nach klaren Grundsätzen gearbeitet. Auch dürfen wir, wie gesagt, wohl an- 
nehmen, daß er bei größeren Naturaufnahmen seinen Standpunkt nicht immer 
ängstlich eingehalten, manchmal auch die Größenverhältnisse etwas ver- 
schoben hat, und daß manches, was ihn zu eingehenderer Behandlung und 
Wiedergabe von mehr Einzelheiten anlockte, so über die verhältnismäßige 
Größe hinauswuchs. Dabei mochte bisweilen auch für Anliegendes etwas zu 
wenig Platz bleiben und eine unbeabsichtigte Verschiebung eintreten. 
Dies gilt zum Beispiel wohl von dem fünfseitigen Türmchen am „Para- 
deis" und in anderem Sinne von der Wiedergabe des „Wappenturmes" auf der 
Stadtansichtf" Auf dieser sehen wir nämlich im Hintergrund einen besonders 
' Bei Rapke a. a. O. Tafel z, wieder mit perspektivischen Linien. Über die Trienter Ansicht siehe Meder, 
a. a. 0. (jahrb. XXX), Seite 198. 
M Für die Bestimmung von Dürers Standpunkt bei der Aufnahme ist besonders die Ansicht des Fachwerk- 
baues rechts unten am Kräuterturm wichtig; man vergleiche dazu Abbildung 24. Auffällig ist bei Dürers Zeichnung 
auch, daß die Bauwerke auf der rechten Hälfte des Blattes so stark verschoben erscheinen und beide Hälften in 
der Mitte, auch farbig, etwas unvermittelt aneinanderstoßen. - Die Berge im Hintergrunde sind, beiläufig 
bemerkt, der Patscherkofel und der (schneebedeckte) Glungetzer. 
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