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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

sichtbare Dachteil mit dem (grünen) Dacherkerchen muß aber nicht sehr 
weit zurückliegen, da das Dach, wie nach der I-Iofansicht (Abb. 20) klar ist, 
nach Westen ziemlich tief herabreichte und also nicht erst durch eine größere 
Entfernung, im Vergleich zum viereckigen Turm, so niedrig zu erscheinen 
braucht. Bei Merian scheint der eckige Turm dem gerundeten Eckturm 
ziemlich nahe gerückt. Und nach den alten Grundrissen (Abb. g usw.) könnte 
man vermuten, daß der westlich am Nordende der Burg ansetzende ver- 
schoben viereckige Bau dem alten Turme entspräche und der nördlich daran 
vertretende Vorsprung mit dem alten Torbau zu tun habe. Man könnte sich 
hier auch (natürlich vor Umgestaltung der Pfarrkirche) die alte, von der 
heutigen Stiftsgasse herkommende Gasse fortgesetzt denken; doch mag die 
Verbreiterung des „Frauenzimmers" nach Westen den Gassenzug schon 
etwas abgelenkt haben. Noch mehr war dies wohl der Fall, als das „Frauen- 
zimmer", wie wir vermuten, später noch einmal nachWesten erweitert wurde. 
Auf dem alten Grundrisse (Abb. 9) ist es sehr auffällig, daß die, von 
Westen her, erste innere Pfeilerreihe so eigentümlich schräg verläuft. Aus 
dem späteren Bauzustande läßt sich das kaum erklären; die äußere (Ost-) 
Mauer läuft hier ja gerade nach der anderen Seite. Es macht, insbesondere 
bei dem letzten (nördlichen) Rundpfeiler, geradezu den Eindruck, als wollte " 
diese ganze Linie der inneren Pfeiler dem viereckigen Bauteile im Westen 
ausweichen. Wir können uns sehr wohl vorstellen, daß das „FrauenzimmeW 
ursprünglich nur bis zu dieser Linie reichte, und daß in dem heute westlichsten 
Hallenteile ursprünglich die Rumergasse hinlief und neben dem Turme zur" 
Stadt hinausführte. Die alte Westgrenze des „inneren" Hofes kann ganz gut 
(wenigstens ungefähr) in der Fortsetzung der inneren Pfeilerreihe gelegen 
haben. Zu irgendeinem späteren Zeitpunkte könnte dann die Erweiterung 
des „Frauenzimmers" nach Westen hin stattgefunden haben. Und nun hat 
man bei der neuen Westmauer gerade die entgegengesetzte Schräge ein- 
schlagen müssen, um an die Ecke des alten Turmes zu gelangen. Um hier 
dann aber nicht die Wölbungsbogen zu weit spannen zu müssen, mochte 
man die neuen Bogenstützen in so merkwürdiger Weise nach Norden hin 
allmählich immer mehr aus derWand vorgeschoben haben. Die Erhaltung der 
alten Grenzlinie im Innern mag aber mit den alten Fundamenten oder mit 
dem Oberbau zusammenhängen. Später sind zwischen die alten Rundpfeiler 
noch westöstlich laufende Verstärkungsbogen eingezogen worden, die wohl 
mit einem neuerlichen Umbau (der Obergeschosse) zusammenhängen; die 
Verstärkungen sind noch spitzbogig und wohl noch dem XVI. Jahrhundert 
angehörig. Wann die erste hier besprochene Erweiterung ausgeführt worden 
ist, läßt sich kaum mehr genau nachweisen. Wir werden aber hören, daß 
unter Maximilian wiederholt an diesem Burgteile gebaut worden ist, und es 
kann der ganze auf Abbildung g erkennbare Zustand der Halle jünger sein 
als die Dürerschen Aufnahmen; immerhin mögen frühere Zustände darin 
noch nachwirken. Jedenfalls scheint der Turm westlich des Tores, der wohl 
mit dem früher genannten an der Ringmauer beim Rurnertor eins ist,
	        

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