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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

sunder (besondere) begird und andacht getragen und hätten ihm in der 
Kapelle zu Neuenhof eine ewige Messe stiften wollen, seien daran aber 
durch andere Geschäfte verhindert worden. Man sollte doch meinen, wenn 
der „Neuhof" wirklich schon ständige Residenz der Fürsten gewesen wäre, 
hätte man eine solche Absicht wohl auch ausgeführt." Immerhin läßt diese 
Nachricht und die (vermutete) Übertragung der Reliquien des heiligen Moritz 
aus der alten Burgkapelle in die Kapelle des „Neuhofs" diesen Bau für einige 
Zeit gewissermaßen als Nachfolger (wenn vielleicht auch nicht als einzigen) 
der alten Burg am Inn erscheinen; auch werden wir hiefür noch andere 
Gründe anzuführen haben." 
Für die Zeit vor Gründung der Burg an der heutigen Stelle hat man 
noch einen dritten fürstlichen Sitz angenommen: die sogenannte Mitterburg, 
die vonTinkhauseriwi und andern zwischen „Ottoburg" und „Neuhof" versetzt 
wird. Die einzigen Nachrichten, worauf man sich hiebei stützt, sind zwei 
Meldungen über Messestiftungen der Jahre 1473 und 1502 oder vielmehr 
wohl nur die erste; denn die zweite allein hätte man, wäre nur sie vorhanden, . 
vermutlich immer auf die gesicherte Burg Maximilians bezogen. Diese, das 
heißt die Burg an der heutigen Stelle, wäre nach obiger Annahme also erst 
der vierte Fürstensitz zu Innsbruck. 
Wir werden der ganzen Frage aber vielleicht anders gegenübertreten, 
wenn wir uns erst klar gemacht haben, seit wann und in welchem Sinne 
Innsbruck in alter Zeit überhaupt fürstliche Residenz war. Wir wollen uns 
hier auf die Zeit der Habsburger beschränken. Bekanntlich hatte Herzog 
Leopold III. (i'- 1386) wiederholt Teilungen des habsburgischen Besitzes 
erzwungen und war dadurch Gründer der tirolischen Linie des Hauses 
geworden. Die zahlreichen kriegerischen Unternehmungen, die diesen Fürsten 
aber bald da-, bald dorthin führten und besonders lange in Italien festhielten, 
ließen den Gedanken an einen ständigen Fürstensitz bei ihm wohl kaum 
aufkommen. Ein solcher lag einem mittelalterlichen Fürsten, der ein weiteres 
Gebiet beherrschte, aber wohl überhaupt ferne. Auch Leopold IV. hatte 
Innsbruck noch nicht zu seinem dauernden Aufenthaltsorte erkoren und 
behalf sich, wenn er dort länger verweilte, wohl nur notdürftig. Wenigstens 
hören wir in einer Urkunde des Jahres 1396, daß ein Haus, das einmal von 
des Herzogs Vorfahren eingezogen, dann erbschaftsweise an Siegmund von 
Starkenberg übergegangen war, diesem nun vom Herzog überlassen wird, 
jedoch unter der Bedingung, daß ihm in diesem Hause stets eine Herberge 
zur Verfügung stündexl" Nach einer Urkunde des ]ahres 1401 wurde übrigens 
auch ein dem Kloster Stams gehöriges Haus am Friedhofe vom Herzoge 
benutzt. Und dieser gelobt, das Haus nach seinem Wegzuge wieder zurück- 
" Natürlich kann die Kapelle selbst aber früher schon dem heiligen Georg geweiht gewesen sein. - Die 
Georgsmesse des Neuhofs können wir dann in den Urkunden durch Jahrhunderte verfolgen. 
3' jedenfalls dürfen wir aber nicht jede Erwähnung von meins Iterrn haus auf das „Goldene Dachl"- 
Gebäude beziehen; es geht dies schon daraus hervor, daß sich dieser Ausdruck schon in einer Urkunde des 
jahres 1407 vorfinden und die Erwerbung am Platze erst im jahre 142a stattfand. 
"t „Beschreibung der Diöcese Brixen" II, Seite 114, Anmerkung 22. 
1' Schatzarchiv N1. 3867 (1396 juli 11 m).
	        

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