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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

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und sich begnügen, hier Gewölbe und Gemäuer im Innern so auszugestalten, 
daß sich das Neue ohne Gefahr dem Alten anschlösse. Architekt und Regierung 
waren in ihrem Eifer für die Sache offenbar über die eigentlichen Absichten 
der Wiener Regierung hinausgegangen; vor allem setzte aber der beginnende 
große Krieg, den wir heute den Siebenjährigen nennen, dem Unternehmen 
eine Schranke. 
Als im Jahre 1763 dann endlich der Friede wiedergekehrt war, wurde 
unter anderen freigewordenen Offizieren auch der Ingenieur-Major und 
Obrist-Wachtmeister Constantin Johann Walter nach Innsbruck versetztf" 
Walter war es, der später der Hauptemeuerer der Burg wurde. Er sowohl 
als Gump waren Militärbaumeister; doch war man ja seit langem schon 
gewöhnt, solche auch zu verschiedenen, selbst höheren künstlerischen Bau- 
aufgaben heranzuziehen. Der erste Auftrag, den Walter für die Burg erhielt, 
betraf übrigens bei weitem noch keinen wirklichen Neubau; es handelte 
sich zunächst nur darum, die im Bau unterbrochene und im Innern unfertige 
Burg für einen bevorstehenden Besuch der kaiserlichen Familie wohnbar 
zu machen." Maria Theresia hatte ja den Beschluß gefaßt, die Vermählung 
ihres zweiten Sohnes (späteren Kaisers Leopold II.) mit der spanischen 
Infantin Maria Ludovica hier zu feiern. Schon im Dezember 1763 war deshalb 
auch von Wien aus der Befehl nach Innsbruck ergangen, über die Räume, 
Mobilien und anderes der dortigen Hofburg Auskunft zu erteilen."""" Ferner 
heißt es, falls auf dem Riß des Ingenieur Major Gump (der am 25. Jänner 
nach Wien gesendet, am 15. Februar aber von dort wieder zurückgegangen 
wäre) nicht alles zu ersehen sei, man dann einen anderen, obschon idealen, 
jedoch verständlichen Riß verfassen und einsenden solle. Besonders mußte 
auch der von Gump notdürftig zu Ende geführte Flügel längs der I-Iofgasse 
im lnnem erst in Ordnung gebracht werden. 
Bekanntlich bereitete der plötzliche Tod Kaiser Franz I. den Festlich- 
keiten beim Besuch selbst dann ein jähes Ende. Das Zimmer, in dem der 
Kaiser verschieden war, wurde in eine Kapelle, die heutige Hofkapelle, 
umgewandelt und diese zugleich für das neue Damenstift bestimmt, das 
Maria Theresia zum Gedächtnis ihres Gatten errichtetesf 
In welchem Augenblicke aber der Entschluß gefaßt wurde, die Burg 
als Gesamtheit einer Erneuerung zu unterziehen oder vielmehr die von Gump 
begonnene Erneuerung zeitgemäß zu _vollenden, ist nicht recht klar. Der 
' Verzeichnis deren in Tyrol angestelt werdenden lngenieures lndividuarum f Maria Theresia, Wien, 
8. April 1763, siehe Res. 1763 f. 1392 - Als Walter im Jahre 176g in den Adelsstand ("Edler von Pfeilsberg") 
erhoben wurde, war er bereits 30 Jahre in Diensten: Res. x76g s. 1x32 
""' Für den späteren Zeitraum wollen wir im allgemeinen auf genauere Quellennachweise verzichten, da 
wir diesen Zeitabschnitt der Burggeschichte später noch eingehender zu behandeln gedenken. 
Einmal war Maria Theresia mit ihrem Gemahl übrigens schon in Innsbruck gewesen: im Jahre 173g; 
damals lebte noch ihr Vater, Karl VL, und ihr Gatte war Großherzog von Toskana. Dieser Besuch lag also vor 
dem Gumpischen Umbau. 
v" Res. 1763 f. 4262 
1- Dieser Raum liegt im zweiten Stock des nicht lange vorher von Gump erneuten Burgteiles längs der 
Hofgasse, ganz nach Osten hin; vgl. De Luca (Menghin in Mayrs Forschungen, Innsbruck xgxg, X. Band, Seite 17): 
"Die Kapelle, welche das Zimmer war, in welchem Kaiser Franz I. im Jahre 1765 seinen Geist aufgab."
	        

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