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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

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persönliche Eindruck konnte hier wohl viel gewirkt haben, auch mochten die 
Erinnerungen, die den Bau mit der Geschichte sowohl des Habsburgischen 
als auch des Lothringischen Hauses verbanden, den Entschluß mitbestimmt 
haben. Hier in Innsbruck hatte, abgesehen von zahlreichen Habsburgischen 
Ahnen und Mitgliedern des Hauses, des Kaisers Großvater Karl von Lothrin- 
gen als Gubernator gelebt, hier war auch des Kaisers Vater Leopold geboren. 
Aber gerade Karl von Lothringen war durch seine Türkensiege ein Haupt- 
begründer der neuen Macht des österreichischen Hauses gewesen. Und es 
ist sicherlich kein Zufall, daß Maria Theresia gerade die herrlichen Wand- 
behänge der lothringischen Manufactur zu Malbranche, die in der Wiener 
Hofburg von des Herzogs Siegen über die Türken berichten, im „Rittersaal" 
der Innsbrucker Burg (in Ölgemälden) wiederholen und an der Decke des 
dortigen „Riesensaals" die „glückliche Vereinigung der Häuser Habsburg 
und Lothringen" durch Maulbertsch' Meisterhand verherrlichen ließ (Abb. 3 
und 4). Das große, siebenjährige Ringen war ja vorübergegangen, ohne die 
Grundlagen der Hausmacht zu erschüttern; Maria Theresiens Trachten ging 
nun aber mehr denn je dahin, die Teile ihres Besitzes enger miteinander 
zu verknüpfen und den Glanz der Krone überall hin leuchten zu lassen. 
Die erneute Burg sollte wohl auch ein Denkmal der erneuten Hausmacht 
werden. 
Gerade der Umstand aber, daß wir von den eigentlichen Entscheidungen 
keine Nachricht erhalten haben, läßt uns vermuten, daß die Befehle in der 
Hauptsache während des Aufenthaltes der Fürstlichkeiten mündlich erfolgt 
sind. Ein ähnliches Verhältnis werden wir noch bei dem Maximilianischen 
Umbau des Jahres 1510 kennen lernen. Begonnen wurde mit dem Neubau 
begreiflicherweise aber erst, als der Hof (am 1. September 1765) Innsbruck 
wieder verlassen hatte. Doch wurden die wirklichen Bauarbeiten gleich im 
Frühjahr des nächsten Jahres in Angriff genommen; etwas später schritt 
man an den Bau des südlich an die Burg ansetzenden „Damenstiftes". Im 
Herbste des Jahres 1770 war die Burg" äußerlich vollendet, das Damenstift 
im Jahre 1773. Länger zog sich die Inneneinrichtung und Ausschmückung 
der Räume hin; so ist das erwähnte gewaltige Deckenfresko des „Riesen- 
saals" erst in den Jahren 1775 und 76 ausgeführt werden." Nach dieser Zeit 
ist dann kaum mehr etwas Wichtiges an der Burg ausgeführt worden, so 
daß wir den Bau, so wie er sich heute darstellt, tatsächlich als ein Werk 
des letzten Mitgliedes des wirklichen Hauses Habsburg ansehen können; 
unter dem Hause Lothringen-Habsburg ist am meisten noch die Umgebung 
der Burg umgestaltet worden. 
Übrigens ist die nunmehrige Hauptseite am Rennplatze, wie wir noch 
sehen werden, nicht vollständig im Sinne der damaligen Pläne zu Ende 
geführt worden und, obwohl es sich scheinbar um Kleinigkeiten handelt, 
nämlich um den Figurenschmuck der Fassade, ist diese dadurch um einen 
" Bis auf zwei nachträglich beschlossene Marmorutiegen. 
"f Auch hiezu haben sich wichtige Nachrichten gefunden.
	        

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