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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

Landesregierung durch Erzherzog Ferdinand II., hinzog, nur in den Haupt- 
zügen kennen zu lernen gesucht. Erzherzog Ferdinand baute dann südlich 
vom großen Hofe in der Nähe des Wappenturmes weiter; später kam noch 
die Nordseite des großen Hofes hinzu. Der Höhepunkt der Bauentwicklung 
war aber eigentlich mit dem Saalbau des Jahres 1536 bereits erreicht. Schon 
unter Erzherzog Ferdinand treten die Gärten mit den darin errichteten Bauten 
immer mehr und mehr hervor, so die (hauptsächlich aus Holz erbaute) 
„Ruhelust" (nordöstlich der Burg), die als erdbebensicherer Aufenthalt unter 
dem Gubernator Erzherzog Maximilian, dem Deutschmeister, noch bedeutend 
erweitert wurde. 
Daneben finden sich in den Gärten dann Ballhäuser, Reithäuser und 
zahlreiche andere fürstliche Gebäude und vielerlei Kunstwerke. Die alte, im 
einzelnen so oft umgebaute und erneute Burg war aber auch irn Innern mit 
Kostbarkeiten fast überfüllt, wovon uns die Inventare der Zeit Ferdinands 
und Hainhofers Reisebericht ein Bild geben können; im ganzen erschien 
der alte und oft umgewandelte Bau den Zeitgenossen aber doch sonders 
schwermüfig, wie es imJahre 161g heißt." Und wir begreifen, wenn Hainhofer 
berichtet, daß die Burg weitläufig, aber gar melancholisch und altfränkisch 
erbaut sei, und daß Erzherzog Leopold (V.) sich mit der Absicht trage, die 
ganze Burg abzutragen und alla moderna fürstlich zu erbauen." Nun, zu 
dem Neubau kam es nicht; denn der Krieg, der damals bereits I0 Jahre 
gewährt hatte, wütete noch durch 20 Jahre weiter. Und die Nachfolger 
des Erzherzogs, besonders der prachtliebende Ferdinand Karl dachte, als 
wieder bessere Zeiten eingetreten waren, vor allem an die Errichtung von 
Opern-, Reit- und Saalgebäuden in der Umgebung der Burg.""""' Vollends 
nach dem Aussterben der tirolischen Linie des Hauses Habsburg traten, wie 
gesagt, Innsbruck und die Burg für das Fürstenhaus stark an Bedeutung 
zurück; gleich die ersten Verordnungen Kaiser Leopolds I., als neuen Landes- 
herrn, betreffen die „Restringierung" sämtlicher Ausgaben in Innsbruck und 
die Aufhebung des Baumeisteramtes, da keine neuen Gebäude mehr zu 
schaffen, sondern nur die bestehenden in esse zu erhalten wären. So kam 
es denn, daß nicht nur die große Zeit der österreichischen Barockkunst, 
die sonst gerade im Palastbau so glänzendes geschaffen hat, an der Inns- 
brucker Hofburg beinahe spurlos vorübergegangen ist, sondern auch, daß 
sich so viel des Alten noch bis in die Zeit Maria Theresias fast unverändert 
erhalten hat. 
Wenn das XVIII. Jahrhundert dann mit ausgleichender Hand über das 
Ganze dahingegangen ist, so hat es uns zwar kein Werk von überwältigender 
Kraft und Schönheit, aber immerhin von vornehmer Wirkung hinterlassen, 
x Schreiben des Zechrneisters Konrad von Kemelberg vom 23. Dezember 161g an den Erzherzog 
Leopold KS. 994. 
H A. a. 0., Seite 39, vgl. Seite 51. 
M" Nach den erneuten Erdbeben im späteren 17. Jahrhundert wurde an Stelle der „RuhelusW, die 1636 bei 
einer Pulverexplosion den Flammen zum Opfer gefallen war, ein neues erdbebensicheres Haus, die sogenannte 
„Neue Residenz" errichtet.
	        

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