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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

und des Talmiglanzes doppelt freudig gedankt. Aber auch die Verlagsbuchhandlungen haben 
durch die treffliche Ausstattung der Bücher ihren redlichen Anteil an dem Verdienst, das 
hier errungen wurde. 
So sehen wir denn nicht nur die Zahl der deutlich unterschiedenen Künstlerpersön- 
lichkeiten, die in dem bis dahin tonangebenden Werk von Derniani über „Frangzois Briot, 
Caspar Enderlein und das Edelzinn" (1897) fir Nürnberg noch eine recht beschränkte war, 
auf Grund des Studiums der Marken, gewissermaßen über Nacht, ganz gewaltig gesteigert, 
sondern können uns auch alsbald an der Hand des Tafelbandes von dem kunstgewerblichen 
Schaffen sämtlicher Hauptmeister ein völlig klares Bild machen. In der zweiten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts tritt dem Nikolaus Horchaimer mit seiner Holzstockmanier, die aber 
nicht auf einer Ätzung des Zinns selbst, sondern der Gußform beruht, vor allem Albrecht 
Preisensin, den man schon in dem Monogrammisten A. P. vermutet hatte, sehr eindrucks- 
voll zur Seite, wie in der folgenden Generation dem aus der Schweiz zugezogenen Caspar 
Enderlein der etwas ältere Jakob Koch 11., der einer alten Nürnberger Zinng-ießerfamilie ent- 
stammt und für den jener 1608 dessen Lotschale kopierte, wie wir auch sonst diese beiden 
Meister sich gelegentlich zu gemeinsamer Arbeit verbinden sehen. Unter ihren Zeitgenossen 
ragen namentlich noch Veit Zipfel, Melchior Horchaimer, Hans Zatzer (mit 22 bekannten 
Arbeiten), Michel Rößler d. Ä. und Stefan Christan H von anderen zu geschweigen - 
bedeutsam hervor. Die Zeit der Nachblüte des Nürnberger Edelzinns, die etwa mit dem 
Jahre 1630 beginnt und um 1680, von wo an die Vorherrschaft der Nürnberger Zinngießer 
in Süddeutschland endgültig an Augsburg übergeht, ihren Abschluß findet, wird dann 
bezeichnet durch die Namen der beiden Hauptmeister Hans Spatz II. und Paulus Öham 
d. ]üng., neben denen auch weiterhin noch eine ganze Reihe anderer Meister mit künst- 
lerisch feinen Modellen und Güssen hervortreten. 
Da bei den Nürnberger Zinn- und Kandelgießern keine eigentlichen, besonderen Meister- 
marken üblich waren, deutlichere Bezeichnungen nur mit Bezug auf einzelne Modelle, in 
die sie mit eingeschnitten wurden, um dann im Guß erhaben zu erscheinen, zutage treten, 
der Meister des Gusses sich durchweg lediglich durch ein winziges Beizeichen auf dem 
der fertigen Arbeit aufzuschlagenden Nürnberger Halbadlerwappen kenntlich zu machen 
pflegte, so war die sichere Beziehung zwischen diesen Marken und bestimmten Meistern 
keineswegs immer leicht herzustellen, ja erforderte vielfach ein fein ausgebildetes Stilgefühl 
und eine ausgeprägte Kombinationsgabe. So hat denn auch trotz höchster Kennerschaft 
noch manche Frage, die sichaus der Gruppierung der Denkmäler und der Betrachtung der 
eingeschlagenen Zeichen ergab, unbeantwortet, manches Rätsel ungelöst bleiben müssen, 
konnte beispielsweise eine ganze Anzahl tüchtiger Verfertiger kunstvollen Zinngeräts noch 
nicht mit einem der aus den Akten bekannten Meister identifiziert, sondern zunächst ledig- 
lich nach ihrem Beizeichen benannt werden, wie „Meister mit dem Ring" (XVILJahr- 
hundert, zehn Arbeiten), „Meister mit dem Stern", „Meister mit der Lilie", „Meister mit 
dem Dolch", „Meister mit dem Ast", „Meister R. S.", „Meister L", „Meister A. L." usf., 
was zum Teil bereits darauf schließen läßt, daß in den Meisterverzeichnissen, die dem 
Verfasser zugänglich waren, noch keineswegs alle etwa in Betracht kommenden Namen 
enthalten waren. Ähnliches gilt für die verschiedenen, dem Handwerk der Zinn- und Kandel- 
gießer nicht inkorporierten Stecher (zum Beispiel „W. R") und Eisenschneider (zum 
Beispiel „G. H."), die sich die Herstellung der Modelle und Formen - die Schilderung des 
ganzen Verfahrens ist in den Büchern Hintzes etwas gar zu kurz gekommen - angelegen 
sein ließen. 
Wegen solcher Lücken in unserer bisherigen Kenntnis zumal dessen, was die archi- 
valischen Quellen zu bieten vermögen, füge ich dieser meiner Besprechung hier einige 
Ergänzungen der Hintzeschen Verzeichnisse vor allem nach den Bürger- (BB) und den 
Totenbüchern (TB) im bayrischen Staatsarchiv Nürnberg in alphabetischer Ordnung an, 
wobei auch einige Kunststechen, Formschneiden, Hohlgießer, Eisenschneider- und der- 
gleichen Namen mit aufgenommen worden sind, doch von einer Aufzählung der Meimer
	        

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