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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 5)

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man sie auf echten Goldpapieren findet, denn von der Rückseite sieht man 
die blanke Metalliiäche unter dem durchsichtigen Häutcben liegen. Die 
Auswahl für Bindemittel war übrigens ziemlich ii-ei, da die Stoffe nicht 
bestimmt waren, der Nässe zu trotzen. Es zeigt sich dies an dem Ver- 
halten der Fäden gegen Wasser. Wenn man sie untertaucht, so quillt das 
Häutchen rasch an, der Streifen lockert sich vom freien Ende und trennt 
sich mehr und mehr von der gesponnenen Unterlage. 
Der älteste Faden dieser Art gehört nach dem von competenter Seite 
verfassten Kataloge einem orientalischen Gewebe des 11. Jahrhunderts an, 
die neuesten finden sich, wie oben erwähnt, bei den niederrheinischen Bild- 
stickern und Brocatwebern des 16. Jahrhunderts. Dazwischen liegen zahl- 
reiche Stücke, welche als byzantinisch, maurisch-spanisch, lucchesischms. w. 
bezeichnet werden, so dass die Fabrication dieser Fäden sich durch tiinf 
Jahrhunderte und über den grössten Theil der damaligen industriellen Welt 
erstreckt zu haben scheint. 
Unter den von mir untersuchten Proben befanden sich drei, welche 
von den übrigen wesentlich abwichen. Die organische Grundlage war 
hier dicker, braun von Farbe und vollkommen undurchsichtig. Alle drei 
waren echt, das soll heissen mit ganzem Golda, nicht mit Zwischgold ver- 
goldet. Der eine der Stoffe war als byzantinisch (12. Jahrhundert) die beiden 
anderen waren als orientalisch (ll. Jahrhundert) im Kataloge bezeichnet. 
In den beiden letzteren war die Axe des Fadens Seide, was, wie bereits 
Dr. Bock bemerkt hat, bei der vorher beschriebenen Art von Goldfaden 
nicht vorkommt. Der braune umspinnende Streifen, der in diesen drei 
Stücken die Vergoldung trug, war - Leder. So überraschend dieses Re- 
sultat der mikroskopischen Untersuchung im ersten Augenblicke erscheint, 
so muss man sich doch sagen, dass bei dem hohen Stande der Leder- 
industrie dem Orientalen der Gedanke nicht fern liegen konnte, ein Ma- 
terial, welches er so vortrefflich zu färben und zu vergolden verstand, zu 
neuen Zwecken anzuwenden. Die Provenienz und Zubereitung des äusserst 
dünnen vergoldeten Leders, aus dem diese mehr als liliputanischen Riemen 
geschnitten wurden, habe ich nicht mehr ermitteln können. 
Bekanntlich findet sich neben den erwähnten Goldfäden durch das 
ganze Mittelalter hindurch auch der mit ganz metallischem Lahn umwickelte 
Faden. An den ältesten Stoffen, die ich untersuchte und die dem 10. und 
ll. Jahrhundert angehörten, war der Lahn ganz von Gold, doch schon an 
einem Stoffe, der dem Kataloge nach dem 13. Jahrhundert angehörte, fand 
ich vergoldeten Silberlahn. Er war auf einer Seite Gold, auf der anderen 
Silber und die schmale Seiteniläche war silbern, so dass er also aus brei- 
teren, auf einer Seite vergoldeten Silberstreifen geschnitten war. Erst später 
erscheint der vergoldete Kupferlahn, der dann bei seiner Wohlfeilheit den 
Lahn mit organischer Grundlage verdrängen konnte. Darf man dem letz- 
teren noch wiederum eine Zukunß versprechen? Bei dem steigenden Preise 
_ der Handarbeit und dem sinkenden Preise der Maschinenarbeit wird er
	        

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