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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 5)

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den Dualismus des Kunstgewerbes; Maler und zugleich Bildhauer, hat er, 
selbst ein ausserordentliches Lehrertalent, die richtigen Kräfte um sich zu 
versammeln gewusst, welche ihn in dem pädagogischen Theil seiner Auf- 
gabe trefflich unterstützen. Eine Sammlung von Studien der Nürnberger 
Anstalt machte vor zwei Jahren in München, später in Wien und Karls- 
ruhe gerechtes Aufsehen; sie bestand aus Schülerarbeiten der Anstalt, 
welche so zu sagen die Mustervorlagen eines grossen Examens ausmachten; 
es waren die plastischen Modelle und Reliefs von Friesen, Gesimsen und 
Ornamenten hoher und höchster Gattung, von den Urtypen der Natur in den 
Blattfonnen durch die Ordnungen des griechischen und mittelalterlichen 
Styls hinaufsteigend bis zu dem architektonischen Aufbau eines Schrankl. 
einer Kanzel, eines Altars, mit Beigabe der zeichnerischen Bearbeitung des 
Plastischen, um die Unterrichtsmethode des wechselnden Stotfs zu zeigen; es 
waren endlich die Uehungen der akademischen Kunst, die Ccpien der Antike, 
die Studien nach dem menschlichen Körper, vom einfachen Actmodell an 
bis zur plastischen Schönheit der Gewandmctive, der lebensgrossen Gestalt 
und des Chnrakterkopfs." 
Ferner verlangt F. Dietz , dass an allen Kunstschulen Architektonik 
und Ornamentik gelehrt werde; denn die Mutter aller Ornamentik ist 
die Architektur. Der letztere Satz ist, so berechtigt das Petitum selbst 
erscheint, wieder nur halbwahr, denn es ist nicht richtig, dass „die Leh- 
rerin aller Ornamentik die Architektur ist"; die Kunstgeschichte lehrt im 
Gegentheil, dass die Entwickelung des Ornamentes zu einem grossen Theile 
ganz unabhängig von der Architektur ist. 
Dietz täuscht sich auch in dem Puncte, wenn er meint, dass 
ein allgemein giltiges Bild-, Form- und Mustergesetz „die Fabrikanten 
zwingen  würde, wirkliche Künstlerkräfte in die betreffenden Industrie- 
zweige einzuiiihren"; denn der Fabrikant braucht nicht solche Männer, 
wie man sie in der Regel unter dem Ausdrucke nwirkliche Künstlerkrätte" 
versteht, sondern er braucht tüchtige und gut geschulte Kiinstlerkräfte, die 
es vermögen, auf die Kunstanforderungen eines speciellen Industrie- 
zweiges einzugehen. 
Recht aber hat Dietz, wenn er von einer intelligenten Ptlege der 
Kunstgewerbe und der Förderung der architektonischen Studien an Kunst- 
schulen hofFt, "dass der thatsächlicb überfüllte deutsche Küntlerstand einen 
wohlthätigen Abtiuss seiner Kräfte nach der realen Seite des Lebens ge- 
wänne, während die erworbene grössere wissenschaüliche Bildung dem 
Träger der idealen Kunst nur zum Heile gereichen würde". 
Gegenwärtig regen sich auch in Oesteneich immer mehr Stimmen, 
welche eine Reorganisation der Gewerbeschulen und speciell die Gründung 
einer mit dem österr. Museum in Verbindung tretenden Kunstgewerbeschule 
verlangen. Unter den in jüngster Zeit ausgesprochenen Voten nimmt den 
ersten Rang das Urtheil ein, welches in dem trefflich redigirten „Jahr-
	        

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