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Freunden des Museums eine Anzahl vorragender Werke in Arbeit, welche der Aus- 
stellung zur Zierde dienen und zugleich zeigen sollten, was die österreichische Kunstindustrie 
in dem Zeitraume dieser fünfundzwanzig Jahre gelernt hatte. Es waren auf Veranlassung 
und unter Leitung des hohen Ministeriums für Cultus und Unterricht die kunstgewerb- 
lichen Fachschulen Oesterreichs in Thätigkeit, um, jede nach ihrer Art, Gegenstände zu 
schaffen, welche nach gemeinsamem Plane vereinigt, auf unserer Jubiläums-Ausstellung 
ein Bild ihres Thuns und Wirkens darstellen sollten. Es hatte sich drittens der Wiener 
Kunstgewerbe-Verein gerichtet und vorbereitet zur Feier des Jahres seine diesjährige 
Sommerausstellung in glänzendster Weise zu gestalten. Neues war zu dem Zwecke ge- 
schaffen worden oder stand in Arbeit. All' das war soweit vorgeschritten und konnte 
nicht mehr rückgängig gemacht werden. So fand denn die Jubiläums-Ausstellung statt, 
aber der Zeit Rechnung tragend, musste die Eröffnung ohne jegliche Feierlichkeit 
escbehen. 
g Die einzige Feier, welche den Tag der Gründung bezeichnete, fand am Nach- 
mittag des 30. März in einer außerordentlichen Sitzung des Curatoriums, zu welcher der 
Minister für Cultus und Unterricht, die Referenten des Ministeriums und sämmtliche 
Herren des Museums und der Kunstgewerbeschule eingeladen waren. Ueber den Her- 
gang dieser stillen Feier, an welcher auch die neu ernannten Curatoren theilnahmen, 
haben die xMittheilungen des Museums: ausführlich berichtet. _ 
Die Jubiläums-Ausstellung, welche am 3. April erößnet und mit Ende Juni ge- 
schlossen wurde, nahm die ganzen oberen Räume des Museums mit Einschluss der 
Arcaden ein. Sie bestand, Obigem zufolge, aus drei Abtheilungenr t. aus einer auser- 
wählten Collection älterer und neuester Arbeiten der österreichischen Kunstindustrie, 
insbesondere solcher, welche direct auf Anregung des Museums oder durch seine Künstler 
geschaffen waren; 2. aus der Ausstellung der kunstgewerblichen Fachschulen, deren 
Arbeiten zu bestimmten Gemächern geordnet waren, und 3. aus der Ausstellung des Wiener 
Kunstgewerbe-Vereins in den demselben permanent zugewiesenen Räumlichkeiten des 
ersten Stockes. Wir müssen aber noch einer vierten Abtheilung gedenken, welche den 
Saal Vll erfüllte. Sie enthielt die gesammten litterarischen und litterarisch-artistischen 
Publicationen, welche in diesen fünfundzwanzig Jahren direct oder indirect aus dem 
Oesterr. Museum hervorgegangen sind und im Anschlusse daran den artistischen Verlag 
der mit dem Museum mannigfach befreundeten Firma von Rudolf v. Waldheim. 
Eine weitere Ursache, welche störend und mindernd auf den Besuch des Museums 
im verflossenen Jahre einwirkte, war die Eröffnung des Naturhistorischen Hofmuseums, 
das mit seiner glänzenden Ausstattung und seinem populären Inhalte vorzugsweise die- 
ienigen Besucher dem Museum entziehen musste, welche, nicht von specieller Kunstliebe 
oder von fachlichem Studium geleitet, nur die Schaulust befriedigen und freie Stunden 
angenehm zu verbringen suchen. Vielleicht mehr noch zeigte sich der Ausfall der 
Weihnachts-Ausstellung von Einfluss auf die Zahl der Besucher. Die drückende Lage der 
Kunstindustrie, von welcher bereits die Rede gewesen, ließ eine Weihnachts-Ausstellung, 
welche sich auf der Höhe ihrer Vorgänger hielt, aussichtslos erscheinen. Die Gegen- 
stände, welche die Jubiläums-Ausstellung des Gewerbevereins im Jahre 1888 in der 
Praterrotunde hervorgerufen hatte, Gegenstände, die, wie schön auch immer, schon wenig 
geschäftlichen Erfolg gehabt hatten, waren dort und zum Theile auf der Weihnachts- 
Ausstellung des gleichen Jahres dem Publicum allzu bekannt geworden, um sie noch einmal 
vorführen zu dürfen. Die Anstrengungen aber für jene große Ausstellung hatten neue 
Schöpfungen im Jahre 188g zurückgehalten, und was noch Neues entstanden war, enthielt 
die Somtnerausstellung des Kunstgewerbe-Vereins. Es war darum wenig oder keine 
Aussicht vorhanden auf ein hinlängliches und angemessenes Material. Das Curatorium 
des Museums, das eingehend diese Frage besprach, beschloss daher mit Zustimmung des 
hohen Protectors auf Antrag der Direction für dieses Jahr die Weihnachts-Ausstellung 
fallen zu lassen, obwohl ein bedeutend verringerter Besuch fraglos eintreten musste. 
Das Curatorium gestattete zugleich dem Kunstgewerbe-Verein erweiterte Räumlichkeiten, 
um in seine Winterausstellung mehrere seiner Mitglieder aufnehmen zu können, welche 
sonst in der Weihnachts-Ausstellung ihren Platz gehabt hatten. 
Aus allen diesen Gründen vereint hat denn das Oesterr. Museum in seinem 
Jubiläumsiahre eine bedeutende Veringerung des Besuches zu verzeichnen. lm Uebrigen 
kann das Jahr keineswegs als ein verlorenes oder minder bedeutsames bezeichnet werden. 
Im Innern gingen in der Restauration der Säle, in der Neuaufstellung der Gegenstände, 
die begonnenen Arbeiten fort und führten fast zum Schlusse. Desgleichen wurde ein 
großer Theil der neuen lnventare vollendet. Vier größere litterarisch-artistische Publi- 
cationen rief das Jubiläum hervor, von denen an anderer Stelle berichtet wird. Die 
neue, im Jahre t888 beschlossene, vielfach einschneidende Umgestaltung der Kunst- 
gewerbeschule begann sich einzuleben und zu bewähren. Vom Besuche der Pariser 
Weltausstellung, welcher durch Muniücenz des hohen Ministeriums verschiedenen Pro- 
fessoren ermöglicht wurde, lässt sich für die kommenden Jahre noch manche Anregung
	        

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