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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 3)

- Am 23. Januar hielt Ministerialrath Prof. Dr. Em. Herrmann einen Vortrag 
über -Die Anforderungen der praktischen Wirthschaft an kunstgewerb- 
liche Erzeugnissen. In demselben- besprach er nach einigen einleitenden Bemer- 
kungen Dber das Vorhandensein einer allgemeinen Schönheitipßicht nach dem Vorbilde 
Altgriechenlands, die Fragen der Anschaffung ltunstgewerblicher Erzeugnisse, welche 
dauerhaft, billig und schon zugleich sein sollen, wobei insbesondere die modernen 
Material - lmitationsversuche beleuchtet wurden. Hinsichtlich der B e r ei t h a l t_u n g 
wurden die Veränderungen in der Raumbkonomie seit der Renaissance und all' die prak- 
tischen Mßngel unserer Gebäude, Mobilien, Utensilien etc. besprochen. Auch im Stadium 
der Verwendung unseres Hausraths, der Kleider, Costüme etc. kommen viele Uebel- 
stande zum Vorschein, welche von der lndustrie vermieden werden konnten. Der mo- 
dernen Fabrikstechnik wurde die primitive Technik der Urvolker entgegengehalten, die 
stets auf Ausschmückung der Producte bedacht ist und insbesondere der Orient dem 
Abendlande gegenübergestellt. Ja selbst in gewissen als ungebildet verschrieenen Kreisen 
der einheimischen Bevölkerung, hat sich ein merkwürdig reger Sinn für Schönheit der 
Ausschmückung bei einfachster Technik und wohlfeilster Arbeit erhalten, was durch 
vorgeführte Proben von Spielwaaren, Lebzelter- und Bäcker: sowie Zuckerhacker-Erzeug- 
nissen u. dgl. m. erhärtet wurde. Hiebei wurde die Nothwendigkeit der Cultivirung der 
Phantasie achon während der Erziehung der Kinder hervorgehoben und darauf hinge- 
wiesen, wie sehr die classische Antike auch durch öäentliche Bauten, Statuen, inneren 
Schmuck der Tempel etc. den Geschmack des geaammten Volkes zu bilden beßissen war. 
Litteratur - Bericht. 
Espaüa artistica y monumental. En reproducciones fototipicas por J. Lau- 
rent y C0. Con lllustraciones por D. Pedro de Madrazo. Madrid, 
Viuda de Rodriguez, 1889. Fol. u. 8". 6 Liefgn. ä M. 7. 
Dieses in großem Stil angelegte Werk soll die Kunstschatze Spaniens sowohl pro- 
faner als kirchlicher Art von der Antike angefangen bis in unsere Zeit umfassen. Den 
nach photographischen Aufnahmen von Laurent hergestellten Lichtdrucken in Folio ist 
ein Text in Octav von Pedro de Madrazo beigegeben. Bisher sind drei Serien zu ie zwei 
Lieferungen erschienen, und zwar Serie ll bis lV. Die erste Serie wird die moderne 
Kunst Spaniens, besonders die Malerei und dann auch mit gewissen Beschränkungen die 
Sculptur und Architektur umfassen. Für die zweite Serie sind in Aussicht genommen: 
Die Museen Spaniens mit Ausnahme der darin befindlichen Sculpturen, aber einschließlich 
der Kunstindustrie; für die dritte Serie die Sculptur und für die vierte die Gobelins und 
die Waifenaamn-ilung des königlichen Hauses, letztere bekanntlich eine der bedeutendsten 
von Europa. Die Lieferungen der einzelnen Serien erscheinen gleichzeitig und zwar drei 
in jedem Monate. Der Umfang des Werkes lasst sich gegenwärtig noch nicht genau be- 
stimmen, die größte Blndezahl dürfte aber jedenfalls die zweite Serie -Museos de 
Espaiiac umfassen. Fs. 
i 
Gamle norslte Taepper (altnorwegische Teppichmuster), herausg. von der 
Directipn des Kunstindustrie-Museums zu Christiania. Text (4. S.) 
von H. Grosch, Conservator. Berlin, A. Asher 81 Co., t88g. Fol. 
g Taf. in Farbendruck. M. 24. 
Von den in diesem Werke veröffentlichten Teppichen sind die meisten durch 
Wirlterei (Gobelintechnilt) hergestellt, und zwar sind es neben einigen wenigen figuralen 
Wandbehlngen (Gobelins) von geringem künstlerischen Werthe hauptsächlich rein orna- 
mental ausgestattete Stücke zu alltaglichem Gebrauche, die wahrscheinlich zu Decken 
und Mobelüberzügen, nicht zum Bodenbelag gedient haben werden. Die gleiche Verwen- 
dung zur Herstellung gewöhnlicher Gebrauchsgegenstände durch den bäuerlichen Hausßeid 
hat die Wirkerei in neuerer Zeit - abgesehen vom Orient - nur noch in Südost- 
Europa gefunden. Da die Wirlterei als primitivste Art der Weberei aufgefasst werden 
darf, müssen wir die Beibehaltung derselben - historisch betrachtet - als ein Zurück- 
blciben hinter der gewerblichen Entwickelung ansehen, und es werden wohl ganz analoge 
isolirende Verhaltnisse geographischer und wirthschaftlicher Natur gewesen sein, die 
sowohl in Norwegen als in Südost-Europa jenes andauernde Verweilen bei nntiquirten
	        

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