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reichischen Museums auch an der Gründung der durch die Gnade Seiner Majestät 
des Kaisers geschaffenen Kunstgewerbeschule theilnehmen und im steten Verkehre 
mit dieser Anstalt ihre Entwicklung) ihren wachsenden Einfluss und die großen 
Erfolge beobachten konnte, auf welche wir heute mit patriotischem Stolze zurück- 
blicken dürfen. 
Dank dem Wohlwollen Seiner Majestät des Kaisers und der unausgesetzten 
Fürsorge, welche die Unterrichtsverwaltung diesem Institute einsichtsvoll angedeihen 
ließ, und thatkräftig gefördert durch das Curatorium, die Direction des Oester- 
reiehischen Museums, sowie durch den Aufsichtsrath, ist es der Kunstgewerbeschule 
gelungen, im Vereine mit dem Oesterreichischen Museum die Kunstindustrie Oester- 
reichs neu zu beleben und derselben eine in der ganzen Welt anerkannte Stellung 
zu erringen. 
ln zielbevrusster, energischer Thatigkeit und in richtiger Erfassung der ihnen 
gestellten Aufgaben haben die Lehrer dieser Anstalt an den classischen Werken ver- 
gangener Kunstepochen Schüler und industrielle geschult und für neue Aufgaben 
_ neue Kunstformen glücklich zum Ausdrucke gebracht. 
So mancher um diese Schopfung hochverdiente Mann weilt nicht mehr in 
unserer Mitte. lndem ich mit Ihnen diesen Mitarbeitern ein pietatvolles Andenken 
weihe, spreche ich Ihnen Allen, die Sie lhre Kraft unermüdlich in den Dienst der 
unserer Schule auferlegten Mission stellten, Ihnen Herr Director, wie allen Profes- 
soren und Lehrern für lhre hingehungsvolle, erfolgreiche Wirksamkeit besten Dank 
und volle Anerkennung aus. Die aus Anlass des Jubiläums geschaEene Publieatiün 
der aus der Initiative des Museums unter Mitwirkung der Kunstgewerbeschule her- 
vorgegangenen Musterwerke moderner Kunstindustrie ist als eine pragmatische "Ge- 
schichte der Leistungskraft der Schule mit Genugthuung zu begrulren. 
lch danke weiter allen anderen Factoren, welche zum Aufschwunge der Kunst- 
gewerbeschule beigetragen haben, vor allem dem liochverdlenten Sprecher des Cura- 
totiums, der Direction des Museums und dem Aufsichtsrathe. ich danke ebenso jenen 
Körperschaften und Persönlichkeiten, durch deren Opferwilligkeit zahlreichen talen- 
tirten Schülern das Studium erleichtert oder überhaupt errnüglicht, anderen nach 
Vollendung des Unterrichtes durch Zuweisung von Kunstauftragen der EinIritt in 
die Praxis erschlossen wird. So wünschenswerth es ist, das! die allseitig gebrachten 
Opfer in erster Linie dem Vaterlande zu Gute kommen, so neidlos freuen wir uns 
auch der großen Zahl von Jüngern dieser Anstalt, welche, in der ganzen Welt zer- 
streut, als Lehrer oder in Kunstwerkstätten den Ruhm der österreichischen Schule 
verbreiten helfen. Die Theilnahme der ehemaligen Schüler an dem heutigen Feste 
und der Ausdruck ihrer dankbaren Erinnerung hat mich besonders erfreut. 
Ohne das verstlndnissvolle Eingehen der Kunstgewerbetreibenden auf die 
gelauterten Kunstahsichten der Schule und des Museums, wnre es diesen Instituten 
unmöglich gewesen, den groifen heilsamen Einfluss zu gewinnen, welchen sie seit 
Jahr und Tag ausüben. 
Der warme Ausdruck aufrichtiger Dankbarkeit und Anerkennung für die all- 
seitig fördernde und befruchtende Wirksamkeit der Kunstgeiverbeschule, welchen ich 
seitens der führenden Vereinigung der Kunstindustriellen Oesterreichs mit großer 
Befriedigung soeben vernommen habe, verbürgt ein weiteres gedeihliches Zusammen- 
wirken von Lehre und Praxis zur steten Verbesserung des Geschmackes, zur Far- 
deruag der wirthsehaftlichen Hilfsquellen des Vaterlandes und zum dauernden 
Ruhme desselben. 
Empfangen Sie alle, meine Herren, die Sie mitgewirkt haben an diesem 
Werke, welches wir das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens so blühend und 
kraftvoll heute erreichen sehen, nochmals meinen Dank und meine Anerkennung für 
Ihre einträchtige Thatigkeit. Möge die Kunstgewerbeschule des Oesterreichisehen 
Museums auch fernerhin als Bildungsstätte, als Rathgeberin und Führerin in allen 
Dingen des guten Geschmackes ihren ernsten hohen Aufgaben gewachsen bleiben! 
Nach dieser Ansprache, welche von der ganzen Versammlung mit begeisterten 
Hochrufen aufgenommen wurde, unternahm Se. k. u. k. Hoheit, geführt von dem Di- 
rector des Museums Hofrath v. Falke und dem Director der Kunstgewerbeschule Hof- 
rath Storc k, einen längeren Rundgang zur Besichtigung der ausgestellten Arbeiten. ln 
der Begleitung befanden sich Minister Freiherr von Gautsch, Statthalter Graf Kiel- 
inannsegg und Landmarsehall Freiherr von Gudenus. - Sodann kehrte Se. k. u. k. 
Hoheit in den Saulenhof zurück und nahm die Vertheilung der von der Gesellschaft zur 
Forderung der Kunstgewerbeschule gestifteten Preise von loo, beziehungsweise 50 Kronen, 
sowie der Diplome an 3a der besten, eingangs benannten Schüler der Anstalt vor, an 
jeden der Aufgerufenen zugleich einige huldvolle Worte richtend. 
Unter Hochrufen der versammelten Festtheilnehmer verließ hierauf Se. k. u. k. 
Hoheit das Oesterr Museum. 
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