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so gut wie unbekannten Sammlungen gekommen. Reicher und ergiebiger, als selbst der 
Kundige annehmen konnte, erwies sich auch der Privatbesitz. Ausser Herrn Franz Trau, 
der seine berühmte Sammlung uneingeschränkt zur Verfügung stellte, haben die Herren 
Delhaes, Heckscher. Hollitzer in Deutsch-Altenburg, Dr. Jurie von Lavandal, Graf 
Lanckorotiski, v. Lanna in Prag, Fürst Johann von u. zu Liechtenstein, Baron Ludwigstorff 
in Deutsch-Altenburg, Miller zu Aichholz, Dr. Much, Baron Ritter-Zähony in Görz, Sslzer, 
Fürst Adolf Schwarzenberg, Graf Abenaperg-Traun in Petronell und Prinz zu Windisch- 
Grätz werthvolle Objecte beigesteuert. 
Die Ausstellung, welche am Piingstmontage, den 22. Mai, eröffnet wurde, enthielt 
Originalwerke der griechischen, römischen und praehistorischen Kunst. Sie hatte vor 
Allem - es seien hier die Hauptpunkte des Programms kurz recapitulirt - einen 
Ueberblick über das gewährt, was sich namentlich von Erzeugnissen der antiken Klein- 
künste außerhalb des grossen kunsthistorischen Museums des Allerhöchsten Kaiserhauses, 
sei es in öffentlichen Sammlungen, sei es im Privathesitze, vereinigt oder zerstreut vor- 
gefunden hat. Das Unternehmen stellte sich aber auch noch eine zweite specielle Aufgabe, 
indem es, soweit dies ohne die Heranziehung größerer Monumente erreichbar war, durch 
besondere Berücksichtigung der einheimischen Fundorte ein Bild der Cultur, welche die 
österreichischen Länder in römischer und praehistorischer Zeit besaßen, zu geben 
beabsichtigte. 
Diese zweite spezielle Aufgabe gab die bestimmenden Grundzüge für die Anordnung 
des Ganzen. Sie veranlasste zunächst, dass eine Scheidung der einheimischen (österreichisch- 
ungarischen) und der auswärtigen Funde vorgenommen wurde. Ein solcher scharfer 
Schnitt trennte natürlich hin und wieder Zusammengehoriges. Aber dieser Nachtheil 
wurde durch reichlichen Gewinn aufgewogen. Das Material aus praehistorischer und 
römischer Zeit, das von den verschiedenen Fundstitten Oesterreich-Ungarns zusammen- 
strömte, drängte zur Zusammenstellung localer Gruppen. ln der dadurch gegebenen 
Möglichkeit, solche Gruppen miteinander vergleichen zu können lag einer der Vortheile, 
um derentwillen man die Gegenstände zusammentragen durfte. In gewissem Sinne 
bedeutete also die Ausstellung eine höhere Einheit gegenüber den Provincial-Museen, die 
sich auf einzelne Gebiete beschränken müssen. 
In weiterer Durchführung des leitenden Gedankens hielten wir es für das Zweck- 
mäßigste, drei Hauptabtheilungen einzurichten. Die erste, deren Anordnung Herr Dr. 
M. Hoernes zu übernehmen die Güte hatte, umfasste die praehistorischen Funde. Sie zerfiel 
in zwei scharf geschiedene Unterahtheilungen. Die einen bildeten locale Gruppen aus ver- 
schiedenen Fundgebieten OesterreichvUngarns, sowie Bosniens und der Herzegowina, 
die andere Serien von Typen charakteristischer praehistorischer Gebrauchsgegenstände 
(Werkzeuge, Watfen, Fibeln etc.) in chronologischer Aneinanderreihung. ln diese Unter- 
abtheilung wurden auch nichtüsterreichische Funde und als Ergänzung und Fortsetzung 
ieder Serie gleichartige Erzeugnisse der griechischen und römischen Kunst mit einbezogen. 
ln die zweite Hauptgruppe gehörten die einheimischen Funde aus der Röruerzeit. 
Hier bot sich die Möglichkeit, drei locale Gruppen zusammenzustellen, welche in 
lehrreicher und übersichtlicher Weise die Cultur dreier wichtiger Römerstädte - Poetovio's 
(Pettau), Brigetids (O-Szüny) und Carnuntum's - veranschaulichten. Die gesammte Masse 
der übrigen Gegenstände wurde nach dem Materiale, aus welehem sie verfertigt sind, 
in Gruppen vereinigt, jedoch so, dass innerhalb derselben immer wieder die locale 
Zusammengehörigkeit zu Tage trat. 
Die dritte Hauptabtheilung bildeten, nach dem Materiale geordnet, die Antiken 
auswärtiger Provenienz, also jene nicht in OesterreichsUngarn gefundenen Obiecte 
griechischer und römischer Kunst, welche die Sammellust der Gegenwart in den Besitz 
von Museen und Privaten gebracht hat. 
Die Ausstellung war in den Sälen Vl, VII und IX untergebracht. Die praehistorische 
Abtheilung füllte einen großen Theil des Saales VII; daran schlossen sich die römischen 
Funde, die bis in die Mitte des Saales VI reichten; die zweite Hälfte dieses Saales sowie 
der ganze Saal IX gehörten der dritten Abtheilung an. 
Fast gleichzeitig mit der Eröffnung der Ausstellung, die am 2a. Mai stattfand, 
erschien der Katalog. Leider konnte derselbe nicht in allen Partien gleichmißig abge- 
schlossen werderi. Da die Sendungen für die praehistorische Abtheilung ziemlich spät 
eintrafen, musste Dr. Hoernes sich entschließen, ein provisorisches Verzeichniss zu 
gehen. Die Beschreibung der spätantiken Textilfunde aus Aegypten besorgte Dr. Riegl, 
die der Bronzen und cisalpinen Rümerfunde Dr. Eduard Nowotny. Freundliche Unter- 
stützung bei den Katalogisirungsarbeiten leistete auch Dr. Rudolf Münsterberg. 
Es lag in der Natur der Sache, dass eine archaeologische Ausstellung nicht in 
erster Linie den unmittelbaren Zielen und Zwecken eines Kunstgewerbemuaeums dienen 
konnte. Wie die Veranlassung, um derenthalben sie veranstaltet wurde, eine wissenschaft- 
liche war, ist der Gewinn, der aus ihr erwachsen wird, vor Allem ein wissenschaftlicher. 
An ihm participirten, wenn wir schon ein einheitliches Ganzes suftheilen wollen, die
	        

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