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als ein Bild der Zeit möglichst allseitig aufgefasst, dürften den Lebenden von heute doch 
hochwillkommen sein. 
Sehen wir uns gegenständlich um, was den lnhalt der Ausstellung bieten soll, 
so stehen wohl die Portraits aller derjenigen Personen, welche mitwirkend oder theil- 
nehmend jene grossen Tage miterlebt haben, in erster Linie. Hier finden wir die Namen 
der Herrscher und l-"Cirstlichkeiten nebst ihren Angehörigen, welche in Wien während der 
Monate des Cungresses mit ihnen anwesend waren, obenan unser üsterreichisches Kaiser- 
haus, Kaiser Franz, Kaiserin Ludovika, die Erzherzoge und Erzherzoginnen, dann der 
Kaiser von Rußland, die Konige von Preußen, Dänemark, Bayern, Württemberg u. s. w. 
Mit den Herrschern oder für dieselben waren ihre Staatsmänner gekommen, die Friedens- 
verhandlungen zu führen, unter dem Vorsitz des Fürsten Metternich, die preußischen 
Minister Fürst Hardenberg und Wilhelm von Humboldt, die russischen Graf Stackelberg, 
Graf Rssumofsky, Capodistrias und Pozzo di Borgo, die Vertreter Englands Lord 
Castleretigh und Sir Sidney Stnith, Fürst Talleyrnnd für Frankreich u. s. w. Nicht minder 
wichtig sind uns deren Damen, und andere, die selbstständig gekommen waren, wie die 
Herzogin von Kurland mit ihren Töchtern. Leichter wird es sein, die Bilder vom 
österreichischen Adel zu bekommen, welche Feste gaben oder an ihnen tlieilnahmcn, 
oder der Hofbeamten, welche die Last dieser Tage trugen, an ihrer Spitze der Oberst- 
liofmeister Fürst Trauttmansdorif. Dann andere Berühmtheiten, welche am Congresse 
mitspielten oder von ihm berichteten, politische wie litterarische und künstlerische Per- 
sönlichkeiten, wie Varnhagen von Ense, Gentz, Friedrich Schlegel, Castelli, Beethoven, 
Sophie Schroder und andere hervorragende Namen der Kunst und der Bühne, nicht zu 
vergessen die Herren und Damen jener Salons aus der Welt der Finanzen. 
Schon das ergibt eine ausgedehnte Portraitgalerie, da man sich selbstverständlich 
nicht auf das Oelgemälde beschränken kann, sondern jede Art der Wiedergabe, Stich, 
Radirung, Lithographie, Miniature, Plastik willkommen ist. 
Die Zahl vermehrt sich aber noch. Da unsere Absicht sich nicht auf den Wiener 
Congress und diejenigen, welche an ihm theilgenommen oder ihn in nächster Nähe mit- 
erlebt haben, beschrankt, sondern vielmehr ein Bild der Zeit geben will, so werden 
auch andere vorragende Persönlichkeiten jener thaten- und ereignissvollen Zeit nicht 
ausgeschlossen. 
Betrachten wir die Portraits als die e_rste Gruppe der Abbildungen, so bilden eine 
zweite diejenigen von Abbildungen der Ereignisse, welche während der Congresszeit in 
Wien stattgefunden haben. Hierher gehören alle Feste und Vergnügungen, Theater- 
vnrstellungen, Volksscenen, Volksfeste, öffentliche Aufzüge, Paraden u. s. w. Zu ihnen 
gesellen sich die Abbildungen aller der Stätten, an welchen heitere wie ernste Ereignisse 
des Congresses stattgefunden haben; Wien selbst, mit Ansichten aus damaliger Zeit, die 
kaiserliche Burg von aussen wie in ihren Gemächern, die Redoutensäle, die Reitschule; 
sodann die Staatskanzlei, Schönbrunn, Laxenliurg, der Prater, die Paläste und Schlosser 
des Adels u. s. w. 
Ergänzend zur Portraitgslerie gehört eine Sammlung von Autographen der genannten 
und betheiligten Personlichkeiten. 
Eine weitere Gruppe von Abbildungen bilden die Costüme, sowohl die Moden 
dieser Epoche, wobei man sich nicht genau auf die Moden des Jahres von 1814 bis t8t5 
beschränken kann, sondern auf einige Jahre vorher zurückgreifen muss, als auch insbe- 
sondere die speciellen Costüme, welche bei dieser oder jener Festlichkeit getragen worden 
sind, z. B. bei Maskeraden, Hoffesten und Holjagden. Ebenfalls gehoren hierher die 
Uniformen der Zeit, die militärischen wie die civilen und die Hoftrachten. Sind solche 
Costüme und Trachten noch in Wirklichkeit vorhanden, so fallen sie in die zweite Haupt- 
abtbeilung, in die der Gegenstände. 
Diese zweite Hauptabtheilung soll die wirklichen Gegenstände enthalten, mit und 
unter welchen die Menschen der damaligen Zeit gelebt haben, die Gegenstände in natura, 
deren sie sich in Wirklichkeit zum Gebrauche bedient haben. Selbstverständlich, da hierin 
die Moden von heute auf morgen nicht wechseln, so ist ein grösserer Zeitraum ins Auge 
zu fassen, namlich die Epoche des mit dem Namen Empire gewöhnlich bezeichneten 
Geschmacks. Hierher gehort das Mobiliar, die gesamrnte Ausstattung der Wohnung, die 
Sitzmobel, die Tische, die Kasten und Schränke aller Art, soweit sie damals üblich 
waren; das Metallgeräth für Tisch und Beleuchtung und Beheizung; Gegenstände in Glas 
und Porzellan, von letzterem insbesondere eine Collection der Wiener Fabrik aus dieser 
Epoche von etwa iSoo bis ißtg. Es gehören ferner hierher Uhren und Vasen, Gegen- 
stände zur Bekleidung der Wande, textile Stoße und Stickereien, Leinenwasche, Tisch- 
tücher, die gesammte Herren- und Damentoilette mit allen Utensilien des Gebrauchs 
und der Herstellung, mit Kaminen, Bürsten, Fächern, Handschuhen, Schuhen, Nahetuis, 
Handspiegeln u. s. w. Endlich Nippes, Zier- und Luxusgeräth und Schmuckgegenstande 
aller Art, soweit sie erkennbar den Charakter der Zeit tragen.
	        

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