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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 6)

Stadt bildete den wichtigsten Abschnitt seines Lebens. Donner verweilte hier durch zehn 
Jahre und eine Reihe von Arbeiten, die wir heute in Wien dnden, die Büste Carl VI. im 
Belvedere„die Mehrzahl der Basreliefs im österr. Museum und selbst die Mittelgruppe von 
dem Brunnen am neuen Markts rühren aus der Zeit seines Pressburger Aufenthaltes her. 
Pressbur besitzt noch heute drei der grösseren Werke Bnph. Donner's: die in Erz ge- 
gossene ruppe des b. Martin in der Domkirche (nächst den Brunnenligurnu inWien das 
bedeutendste Werk des Künstlers), die Jahreszeiten", vier aus Sandstein guneisselte Figuren 
im Grsssalcowitschhchen Palnste und einen inErz gegossenen „Christin am Kreuze" auf 
dem benachbarten Celvsrienherge. Von den Jahreszeiten zeigen besonders Sommer und 
Herbst einen feinen Fermensinu. Diese verhiiltuissmässig weniger bekannten Werke, ver- 
glichen mit den Bssreliefs im österr. Museum (Bebecca am Brunnen, Urtheil des Paris, 
Thetis bei Vulcan, der sterbende Fechter und Prometheus) zeigen Donner's Bingen nach 
Vollendung, das Abstreifen veralteter Ueberlieferungen, die nsturslistische Auffassung der 
Köpfe, die einfache Verkörperung mythologischer Scenen , dubei aber auch die Mängel in 
der Anordnung des Costumes und die Reminiscenzen an gewisse, dem Bareckstyl eigen- 
thiimliche Bewegungen. Seinen weit verbreiteten Ruf verdankt R. Donner vorzugsweise 
den Brunnenfiguren am neuen Markts und dem Brunnenrelief im Rath- 
hause. 
Der Sprecher gab nähere Andeutungen über das allmiilige Znstnndkomlnen des ersteren 
nicht in Einem Geiste concipirten und gearbeiteten Kunstwerkes. Von den conventionellen 
Formen seiner Zeit, von den Ueberlieferuugen der verkiimmerten italienischen Schule sich 
lossegend, suchte Donner in diesen seinen besten Arbeiten die Schönheit in der Wahrheit 
und führte die menschliche Gestalt auf einfache natürliche Verhältnisse zurück. Er kehrte 
dem hohlen, von falschem Pathos getragenen Idealismus seiner Vorgänger den Rücken und 
verzichtete mit feinem Gefühle auf solche Wirkungen, welche ausserhalb der Aufgaben und 
den Grenzen plastischer Darstellung liegen. Das Studium der Antike, soweit ihrn dasselbe 
zugänglich war und jenes der Natur lehrten ihn, nach Wahrheit des Ausdrucks, nach Au- 
rnnth und Grazie der Bewegung, nach einer leicht verständlichen Wiedergabe seiner Ideen 
zu streben. Sein bleibendes Verdienst ist jenes, einer der ersten und der nnermiidete Vor- 
kiimpfcr für cine bessere und odlerc Richtung der Kunst in Oesterreich gewesen zu sein. 
Zur Geschichte des Zeichenunterrichtes. 
Die Geschichte des Zeichenunterrichtes ist noch ungeschrieben. Das österr. Museum 
sammelt seit seinem Beginne Materials iiir dieselbe, weniger in der Absicht, um Steif 
Fir eine gelehrte Untersuchung zu besitzen, als vielmehr in jener, den Zeichenlehrern Ein- 
sicht in die verschiedenen Lehrmethoden der Vergangenheit und der Gegenwart zu ver- 
schlagen und ihnen das Unterrichtsmuterinle im weitesten Sinne des Wortes zugänglich zu 
mac en. 
Die Lehrmittel-Sammlung, welche das Museum gegenwärtig besitzt, umfasst eine 
Reihe von Vorlagen, wie dieselben in deutschen, englischen und fram 
zösischen Schulen gebraucht werden, Zeicheubiicher älterer Zeit, Werke iiber 
die verschiedenen Zweige des Zeichenunterrichties, der Perspective u. s. f. In diesem Augen- 
blicke ist eine kleine Exposition von Lehrmuterialien hinzugekommen, welche 
sich auf den Unterricht in der Plastik, auf den Gebrauch von Gliedermännem bezieht. 
Auf diese kleine Ausstellung lenken wir die Aufmerksamkeit unserer Leser. - 
Dieselbe besteht aus folgenden Gegenständen: Zuerst aus vier in Lindenholz ge- 
schnitzten Figuren - einen und denselben unbekleideten Heros verstellend -- in vier vere 
schiedanen Stadien der technischen Behandlung des Holzschneidens. Diese vier Figürchen 
S" 8'" hoch und Eigsnthmn des Herrn F. Z. M. Ritters von Hsuslab, sind nach dem 
Principe, das in den guten Zeiten der Kunsttechnik in der Plastik in Uebuug wer, ge- 
arbeitet. Die Figuren sind nach Flächen geschnitten, und diese folgen den Hauptformen 
des Körpers, so dass bei dem letzten Modelle mit consequenter Berechnung des Flächen- 
schnittes in der Richtung der Hauptfornien des Körpers die fest vollendete Kiirperform 
zur Erscheinung kömmt. Diese vier Modelle haben seiner Zeit die Anerkennung des 
verstorbenen Miinzgraveur-Directors J. D. Böhm gefunden, in dessen Besitz dieselben ge- 
kommen. Herr F. Z. M. Ritter von lhsuslßb hat dem Museum gestattet, genaue Cepien 
in Holz abzunehmen; auf diese Weise ist auch das Museum in die Lage versetzt, diese 
Copien verwandten Anstalten und Schulen zugänglich zu machen. 
An diese vier Figuren scbliessen sich zwei schöne in Holz ausgeführte Gliedermänner, 
gleichfalls aus dem Besitze des Herrn F. Z. M. v. Hsuslab en. (Im verliossenen Jahre 
wurden zwei in Holz ausgeführte Gliedennäuner aus dem Besitze des Ferdinsndeums
	        

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