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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 9)

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einfach (zylindrischer oder schraubig gedrehter Glasstengel, Bruchstücke 
aneinander geschmolzener Glasplatten und Stengel (Kasten l und 2). Die 
Farbenscala der einfarbigen opaken wie durchsichtigen Pasten ist ziemlich 
reich besetzt. Die chemische Untersuchung wird zu bestätigen haben, ob 
alle diese Farben nur so wenigen färbenden Zusätzen (bes. Eisern, Kupfer, 
Kobalt, Mangan-Oxyde) zu verdanken sind, wie wir nach den bis jetzt 
gemachten Analysen annehmen müssen. Die Proben von Ueberfangglas er- 
innern uns an die Technik der Portlandvase; sie waren bestimmt, durch 
Cälirung der einen Schicht, helle Figuren und Ornamente auf der anderen 
dunkleren oder andersfarbigen als Unterlage darzubieten; Nachbildungen 
der zu Gemmen geschnittenen, regelmässig mehrschichtigen Agatgesteine. 
Einige der Glasstengel werden wir verarbeitet unter den Milletioribildun- 
gen wiederfinden. Wie die Masse einiger blauen, im Innern mit schimmern- 
den Reilexen versehenen, anscheinend craquelirten Glasfragmente bereitet 
wurde, bleibt noch zu erklären. 
Dann folgen Millefioribildungen von den einfachsten an bis zu den 
couiplicirten (Kasten 3-5), die den Schlüssel bieten zu den ebenso an- 
muthigen, wie unserer heutigen Technik völlig fremden musivischen Glä- 
sern. Die drei Grundelemente aller Milletioribildungen sind der Stengel, 
die Röhre, das aufgerollte Blatt. Jenachdem diese durchsichtig oder opak 
in durchsichtiger, durchscheinender oder opaker Grundmasse vertheilt sind, 
bieten sich schon mancherlei Abwechslungen. Die Zahl letzterer wird aber 
ins Unglaubliche vermehrt durch die Grruppirung der Elemente erst unter 
sich, dann mit einander. Wir sehen die Röhre oder den Röhrenkranz den 
Stengel oder das Stengelbündel umschliessen; das Blatt (gibt im Durchschnitt 
die Schneckenwindung) rollt sich um Stengel oder Röhre; doppelt und mehr- 
fach gereihte Röhrenkränze umgeben ineinandergeschachtelte, mehrfarbige 
Röhren n. s. w. Die complicirten der Milleiiorbildungen gleichen im Durch- 
schnitt über das Gefass hingestreuten, Bach ausgebreiteten Blumen; da- 
her auch der Name. Platte, mehr halmartige Stengel, radial um andere 
Elemente gestellt, geben im Durchschnitt Sternblumen u. s. f. Bei den 
meisten der Bruchstücke sind keine Spuren der Zusammensetzung aus 
einzelnen Glasstäben, welche ihrerseits wieder ebenso aus ihren Elementen 
zusammengesetzt waren, erkennbar; eine Anzahl jedoch sehen wir, bei 
denen letzteres Verfahren keinem Zweifel unterworfen ist. Wir sehen auf 
den Flächen der Fragmente ein Netz polygonaler Maschen ausgebreitet, 
deren jede eine der Millefioiibildungen urnschliesst, somit einem Glasstabe 
entspricht. Dies tiihrt auf runde Glasstäbe, durch Erwärmung unter seit- 
lichem Druck aneinandergeschweisst. Die Maschen verdanken ihre Ent- 
stehung theils einer dünnen Schicht anders als die Gmndmasse des Stabes 
gefärbten und diesen umhullenden Glases, theils der Verwitterung, welche 
in die sonst unmerklichen Fugen tiefer eingriff als an der übrigen Fläche. 
Ob die Gefasse direct aus den, aus Stäben zusammengeschweissten
	        

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