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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 10)

lich wichtigsten Werke des genannten Meisters ist"), wie denn auch die 
ursprüngliche Bestimmung fiir die Capelle der Malergilde in der Kirche 
St. Ramboux zu Mccheln die ganz besondere Sorgfalt der Ausführung er- 
klärlich macht. Vorwiegend noch in seiner ersten Weise, der der Van 
E yk'schen Schüler, gemalt, stellt dieses räumlich umfangreiche Werk den 
h. Lucas dar, die Madonna. zeichnend. Eine reiche Architektur, ein phan- 
tastische Durcheinander einer üppigen Rcnaissance und einer wuchernden 
Gotbik, bildet eine vielfach gegliederte Halle, die einen Durchblick auf 
einen offenen Raum und auf domartige gothische Gebäude im Hintcrgrunde 
lässt. Links vorne sitzt die Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse, 
das sich gegen ihren rechten Arm lehnt; ihr gegenüber auf der rechten 
Seite der h. Lucas, eine edle Gestalt in weitem rothen Gewande, auf ein 
in der Hand gehaltenes Blatt die Gestalt der Madonna entwerfend. 
Dieselbe Darstellung wiederholt sich im Hintergrunde in kleinen Fi- 
guren und anderer Weise; der h. Lucas sitzt vor einer Art Pult, während 
die Madonna mit dem Christkinde seitwärts gleichsam Modell steht. Was 
das Bild besonders anziehend macht, ist die unendlich liebevolle Durch- 
führung bis in die letzten Details der reichen Ornamentik. Die grossc 
Meisterschaft in der Behandlung der Linearperspective zeigt, dass auch 
deren feinste Kunstgriife dem Mabuse wohl bekannt waren. Die Bezeich- 
nung Gossaert findet sich auf dem Gürtel des h. Lueas. Die Erhaltung 
des Bildes ist bis auf einige wenig bedeutende Beschädigungen eine sehr 
gute. An den Dom gelangte es aus der Gallerie Kaiser Rudolf H. hach 
deren Auflösung. Die heute daran befindlichen Seitenflügel sind im 17. Jahre 
hundert wahrscheinlich an die Stelle der alten verloren gegangenen gemalt 
und haben nur geringen Knnstwerth. Links die Marter des Evangelisten 
Johannes, rechts derselbe auf Pathmos. 
Von den übrigen ausgestellten Bildern war nur noch ein Sassofer- 
rato, wie es scheint eine alte gute Sehulcopie, bemerkenswerth. 
Unter der Nummer 7 finden wir den berühmten Bronzeleuchter, dessen 
Fuss, der Sage nach, von einem Leuchter aus Salomon's Tempel hcr- 
riihrt, in Wirklichkeit aber ein kunstgeschichtlich hochinteressantes Werk 
des 12. Jahrhunderts ist und von König Wladislaw aus Italien (Mailand) 
nach Böhmen gebracht wurde. Vielfach beschrieben und abgebildet ist er 
dem Publicum auch in weitem Kreisen wohlbekannt, so dass ich es hier 
bei dessen einfacher Erwähnung genügen lassen kann "Ü. 
Von dem enormen Reichthume an kunstreichen Stickereien, die sich, 
wie die beiden vorhandenen Inventare aus den Jahren 1357 und 1378 zeigen, 
einst in dem Schatze des Prager Domes befunden haben, einem Reichthume, 
1') Jan Gossßcrt, nach seinem Geburtsorte Manbeuge im Hennegan häufig Ma- 
buse genannt, war um 1470 geboren und starb 1532 zu Antwerpen. 
W) Ein Gypsabguss von diesem Leuchtßrfusse, (ieschenk des Herrn Handelskammer- 
Priisidenten L. Dormitzer in Prag, befindet sich im ölterr. Museum.
	        

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