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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 10)

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der, wie der kenntnissreiche Verfasser der "Geschichte liturgischer Ge- 
wänder", Kanonikus B o ck, sagt, alle Kirchen des Abendlandes weit hinter 
sich zurückgelassen haben muss, sind leider nur noch geringe Reste vor- 
handen, 4 Perlenstiekereien, Stücke von einem ehemaligen Altarornate. 
Sie stellen je drei Halbfiguren von Heiligen vor. Die Gewandpartien 
dieser Gestalten sind in eng aneinander gereihten Perlen gestickt, so dass 
sie ein beinahe reliefartiges Aussehen haben, die Falten sind durch ein- 
genähte Geldfaden angedeutet. Die Gesichter und Hände in Plattstich ge- 
arbeitet, gegenwärtig aber mit den auf Pergament gemalten Abbildungen 
eben dieser Theile bedeckt. Der Grund ist Goldfond s. or battu. Diese 
als kleine Kunstwerke zu bezeichnenden zierlichen Arbeiten mögen ohne 
Zweifel aus der Zeit Carl IV. herrühren. 
Mit Uebergehung der folgenden Nummern, die vom künstlerischen 
Standpuncte weniger Interesse bieten, gelangen wir zu den Nr. 15 und 16, 
zwei Elfenbeinhörnern, sogenannte Rolandshörner, herrliche Repräsentanten 
ihrer Gattung, von denen namentlich das eine reicher gezierte Exemplar 
kaum seines Gleichen hat. Das Schatzverzeichniss von 1378 nennt cornwa 
triu sive sufflatiles ebumece; heute sind nur ncch zwei vorhanden, viel- 
leicht glücklicherweise die schöneren. Das eine, reicher gearbeitete der 
Hörner ist in seiner ganzen Länge mit Iteliefdarstellungen von Wagen- 
rennen nach beinahe antik römischer Weise geziert, das andere zeigt einen 
glatten Schaft und nur am breiten Ende die Darstellung einer Jagd mit 
primitiver Andeutung der Landschaft. Der Knnstcharakter der Reliefs 
deutet auf Entstehung im Orientc und etwa auf das 9. oder I0. Jahrhundert. 
Byzantinische Eintiüsse vermittelten dabei vielleicht die antiken Reminis- 
cenzen. (Mehrfach abgebildet, auch in den „Mittelalterlichen Kunstdenk- 
malen des österreichischen Kaiserstaates" mit begleitendem Aufsatze von 
Dr. Fr. Bock.) 
Die Onyxschale (Nr. I9) und Ampulle (Krug) von Bergkrystall 
(Nr. 20) sind Geschenke Kaiser Carl IV. an den Dom, wie bei Ersterer 
die darauf angebrachte InschriR, bei Letzterer das schon wiederholt ge- 
nannte Schatzinventar zeigt. Einfache geschmackvolle Form charakterisirt 
diese Gefässe, die auch durch die Reinheit und Schönheit des verwendeten 
Materiales bemerkenswerth erscheinen. 
Eine reiche Auswahl interessanter Arbeiten bilden eine Anzahl ver- 
schiedenartig gestalteter Reliquienbehälter, zum grossen Theile ebenfalls 
unter und durch Kaiser Carl IV. an den Dom gelangt. Viele der ehemals 
vorhandenen sind verloren gegangen, manche im Laufe der Zeiten umge- 
staltet nach wechselndem Geschmack. Die bedeutendsten sind etwa folgende: 
Nr. 32 ein Reliquiarium in Gestalt eines Küstchens (Tumba) vom 
Ende des I2. oder vom beginnenden I3. Jahrhundert mit Email champleve, 
das in zierlichen Blattornamenten sich zwischen den in Relief aufgesetzten 
Heiligengestalten und Engeln durchwindet, etwas abweichend von der Weise
	        

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