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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 11)

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so würde doch ihrer weiteren Verbreitung in andern Ländern und speciell bei uns in 
Oesterreich eine grosse Schwierigkeit entgegenstehen, wenn nämlich ihre Kosten sehr be- 
deutend wären. 
Wie aber schon im früheren bei einzelnen Fällen angeführt wurde, stehen die Ans- 
lagen gar nicht im Verhältniss zu den dadurch erzielten günstigen Ergebnissen. Für die 
28Werkstiitten Ostdsnderns betrugen von Jahre 1847 bis zum 31. December 1851 die Er- 
richtungskosten in runden Summen: 
Für Localitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . 22.0011 
Für Webstühle und Geräthe . . . . . . . . . . . 36.000 „ 
Für-Mobiliar . . . . . . . . . .  
Vorschüsse an Unternehmer (Ersatz vorbehalten) . . 60.000 „ 
119.000 ü. 
Zu dieser Summe, die sich durch Heimzahlung der Vorschüsse auf 59.030 H. er- 
mässigan würde, haben beigetragen: der Staat 70.000, die Provinz 2400, die Gemeinden 
4000, verschiedene Süßer 3200 d. 
Die Erhaltungskosten beliefen sich in der obgenannten Periode auf 94.000 0., 
nämlich : 
Für Loealmiethe . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.200 H. 
Entschädigung der Unternehmer und Gehalt der Lehrer 60.000 „ 
Lohn der Schüler zum Ersatz für Einbusse bei den 
ersten Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . 16.000 _ 
Ankauf von Materialien . . . . . . . . . . . . . 600 „ 
Verwaltungskosten. . . . . . . . . . . . . . . . 2.21) , 
Heizung, Licht etc . . . . . . . . . . . . . . . 8.200 „ 
92.200 H. 
Dazu haben beigetragen: der Staat 88.000, die Gemeinden 2800, verschiedene Stifter 
1400 H. Der Gesammtbetrag der Auslagen liir Errichtung und Erhaltung von 28 Muster- 
werkstlitten belief sich also in vier Jahren auf 211.200 H. oder besser, nach Abzug der 
Darlehen, auf 151.200 H. Die Unterhaltungskosten vermindern sich mit jedem Jahre und 
betrugen im Jahre 1853 nur noch 18.000 H. Berechnet man, dass in jener Zeit 3779 Ar- 
beiter in diesen Ateliers ihre Ausbildung erhielten. so entfallen auf den Kopf circa 40 H. 
Um diesen Preis hat Belgien einen Stamm von ausgebildeten Arbeitern gewonnen und An- 
stalten geschalien, welche das ganze Erwerbsleben befruchteten! 
Das Eigenthiimliche dieser Anstalten liegt nun aber offenbar darin, 
dass sie dem ganzen Unterricht in Belgien eine Wendung anf das Prak- 
tische gaben. Hierin finden wir das wahrhaft Bahnbrechende derselben, 
das wir ganz besonders in Oesterreich beachtet wiinschtenÜ. Unser Schul- 
wesen ist, nachdem die von Maria Theresia und Joseph II. im Interesse der Arbeit ge- 
schaHenen Anstalten in Staub und Moder verkommen und das ganze Staatswesen in Folge 
bekannter Verhältnisse zurückgeblieben, Preussen aber in den meisten auf Verstandescultur 
gerichteten Bestrebungen den Vorsprung gewonnen hatte, wesentlich norddeutschen Mustern 
nachgebildet werden, wenn auch mit sehr bedeutenden Einschränkungen, die vom coufessionellen 
Standpuncte dictirt sind. Wir stellen nun die deutsche Bildung sehr hoch, wir erkennen 
ihre ideale Richtung als ein hehrcs Gut willig an und geben auch zu, dass die glänzenden 
Erfolge der zollvereinsländischen Industrie zum Theil ein Product der deutschen Schulen 
sind. Aber einen Uebelstand hat diese Bildung dennoch: sie ist zu theoretisch für 
die Massen. Sie gewährt nicht die raschen Erfolge, deren wir in Oesterreich jetzt bs- 
dürfen. Sie möchte überall Gelehrte erziehen. Die ersten Schulen in Deutschland waren 
der Pdege der „clsssischen" Bildung gewidmet, und classisch gebildete Männer entscheiden 
noch heute susschliesslich über die ganze Einrichtung des Schulwesens. Da. nun diese 
leitenden Kreise selbst eine geistige, literarische, ja schriRliche Arbeit ausüben, so erhielten 
auch ihre Schulen ein rein wissenschaftliches Gepräge, und diese mehr auf das Wissen 
als auf das Können gestellte Richtung wurde mehr oder weniger auf alle Unterrichts- 
anstalten übertragen. 
Das deutsche Volk, das seinen modernen Zuschnitt durch Professoren, Geistliche 
und Schriftsteller empfing, hat eine so warme Verehrung für geistige Ausbildung jeder 
Art, und es hat durch letztere ohne Frage so bedeutende ideale Güter erworben, dass viel- 
leicht die Verbindungen, die Brücken nicht genug beachtet werden, welche aus dem Wissen 
-) Wir erlauben uns hier. dem 5,1mm.- psm den nun-q „Ueber an elementaren Grundlagen 
du Kunlrunterrichtßs" in Nr. l (Jinnerhe ) der „Mltthellungaü ln Ennueruug zu bringen. Genau dasselbe. 
was - dem Inhalte jenes Anfums zufolge - Herr Arehuekt Fnrstel für den Kunstuntsrriehr verlangt, m 
du Postulat de! Herrn DLPeel für den gewerblichen Unterricht: dle Pflege des praktischen Könnens 
haben dem theoretischen Wissen. Diese Ucberelustlmnxurlg hervorragender Gelsllr ln ihrem Urtheilß 
über die Bedürfnisse des Unterrichts ist in hohem Grade beldltunglwllrdlgl
	        

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