MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 12)

zu machen, wie die Fabrik ihre Aufgabe in Bezug auf die Malerei auf- 
gefasst und zu lösen gesucht hat. 
Wir wollen hier nicht ein kleines Museum von Fabricaten anderer 
Porcellanmanufacturen , z. B. von Sevres, Berlin, Meissen anführen, 
welches erst der jüngsten Direction ihre Entstehung verdankt und somit 
nicht mehr von praktischer Bedeutung sein konnte. Dieses Museum ist 
schon zum grössten Theil vor zwei Jahren an das österreichische Museum 
übergegangen. Wir wollen vielmehr von den Sammlungen und Zeichnungen 
reden, welche zu jener Zeit gemacht wurden, als die Porcellanfabrik, wie 
oben gesagt, in ihrer Blüthe stand. 
Dahin gehört zunächst eine Sammlung von Kupferstichen, welche 
als Vorlagen für die {igürlichen Malereien auf Tellern und Schalen gedient 
haben. Diese Kupferstiche sind die beliebtesten und bekanntesten Blätter 
aus den letzten Jahrzehnten oder überhaupt aus der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts. Es sind demnach durchweg Werke, die den Stempel 
der Manierirtheit tragen, den Stempel des manierirten Zeitgeschmacks, 
dem am Ende auch eine populäre Anstalt wie die Porcellanfabrik mit 
Naturnothwendigkeit unterliegt, aber man muss ebenso sagen, es sind 
durchweg wirklich Meisterarbeiten, Werke, die man eben damals fir die 
besten hielt. Was später zu dieser Sammlung hinzugekommen ist, von 
dem kann man dies keineswegs behaupten, ja es lässt sich stufenweise der 
künstlerische Verfall der Anstalt daran nachweisen. 
Eine zweite ausserordentlich reichhaltige Sammlung bilden die Blumen- 
zeichnungen, Studien nach der Natur, Meister- und approhiite Schüler- 
arbeiten, Compositionen theilweise von höchst vorzüglicher, wahrhaB; 
künstlerischer Ausführung. Auch hier lässt sich eine auffallende Bemer- 
kung nicht unterdrücken. Was der älteren Zeit angehört (einige Zeich- 
nungen reichen bis 1790 zurück), weiset alles, selbst in den Studien, mehr 
auf künstlerische Compositionen in der Art der holländischen Blumen- 
maler hin, während mehr und mehr mit dem werdenden Naturalismus im 
allgemeinen Geschmack das blosse, vereinzelte Copiren nach der Natur 
uud das vereinzelte naturalistische wiederverwenden Oberhand gewinnt. 
Damit sinkt auch zugleich die Vollendung der künstlerischen Arbeit daran. 
Man möchte an sagen, je jünger diese Malereien sind, um so ungenügender 
ist ihre Austühnmg. 
Einige wenige vorzügliche Oelmalereien und Aquarelle, theilweise 
in grösserem Massstabe ausgeführte Copien nach bedeutenden Gemälden 
der ersten Meister, unter ihnen die Jo von Co rreggio, der Darius- 
cyclus von Rubens, sämmtlieh von Künstlern der Porcellanfabrik ge- 
macht, und gewiss nur noch Ueberreste einer grösseren Anzahl solcher 
Copien, beweisen, wie ernst man es mit den Malereien {igürlicher Gegen- 
stände auf den Prunktellern nahm. Man wollte offenbar die vorzüglichsten 
Gegenstände und wollte sie in vorzüglichster Ausführung. Wie weit das 
12'
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.