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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 13)

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aber immer noch Zweifel übrig lassen, treten etwa seit dem 6. oder 7. 
Jahrhundert auf ; die eigentliche, durch die Gegenstände selbst datirte 
Bliithezeit beginnt aber erst im 10. und umfasst noch das ll. und 12. 
Jahrhundert. 
Die byzantinische Weise, davon die Beispiele gegenwärtig höchst 
selten geworden sind, kennen zu lernen, dazu sind die erwähnten Buchein- 
bände, welche die Manns-Bibliothek dem österreichischen Museum zur Aus- 
stellung geliehen hat, höchst geeignet. Es sind ihrer iiinf, sämmtlich mit 
Emailplatten verziert, die nicht aus einer Zeit stammen und Restaurationen 
erlitten haben, so dass sie sogar noch Varianten der Schmelztechnik bieten. 
Das eine Stück derselben, entschieden das älteste und wohl dem 10. Jahr- 
hundert angehörend (Katalog Nr. 195), hat sogar noch eine Umfassung 
mit eingefassten Glasstücken, gerade wie die Goldschmiedarbeiten den: 
WestrGmthen aus dem 6. und 7. Jahrhundert. 
Die Eigenthümlichkeit des byzantinischen Emails besteht zunächst 
darin, dass das Metall, welches den Fond bildet, Gold ist und nicht Bronze 
oder Kupfer, wie bei dem älteren oeeidentalen und dem barbarischen 
Email. Zur Aufnahme des Sehmelzllusses sind nicht Vertiefungen ein- 
gegraben, sondern es sind ganz dünne, haarfeine geplattete Golddrähtchen 
genommen und diese sind so auf den Goldgrund aufgelöthet, dass sie die 
äusseren und inneren Contouren der Zeichnung ergeben. Durch diese 
Drähte, die trennende Wände oder Verschläge (cloismzs) bilden, sind Vers 
tiefungen entstanden, welche, wie Theophilus in seiner nschedula" lehrt, 
mit der Schmelzmasse in pulverisirtem, aber angefeuehtetem Zustande 
ausgefüllt wurden. So kam die Platte in den Ofen und die Masse gericth 
in Fluss. Dies Verfahren wurde wiederholt, indem bei dem Zusammen- 
sehwinden des Emailstodes im Feuer immer neue Masse zugesetzt werden 
musste, bis die Vertiefungen .oder „Zellen" ganz mit dem verhärteten 
Email ausgefüllt waren. Dann wurde die Platte polirt und die Emailtafel 
war fertig. v 
Die Franzosen haben diese Schmelzart Email claisonnä genannt und 
deutsche Archäologen gleich treffend dafür den Namen „Zellenschmelü 
aufgebracht. Ihre Weise kann man, wie gesagt, an den Buchdeckeln der 
Marcianischen Bibliothek (Kat. Nr. 195 bis 198), die durchaus byzantini- 
schen Ursprungs sind und in der Hauptsache der Zeit vom 10. bis zum 
12. Jahrhundert, also gerade der Blüthezeit, angehören, ganz vorzüglich 
studiren, um so mehr, als einige Stellen ausgesprungen sind. Der Grund 
ist golden gelassen und nur die Figuren sind emaillirt. Man bemerkt 
dabei, dass die zellenbildenden Goldstreifen von äusserster Feinheit sind 
und dass das Email eine gewisse Durehsiehtigkeit hat, wodurch die 
blauen Farben vermöge des danmterliegerxden Goldes ausserordentliches 
Feuer und die Fleischtönc ein höchst angemessenes Lustre gewinnen. 
Ueberhsupt sind diese Emails Meisterstlicke ihrer Art.
	        

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