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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 13)

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Dieses durchsichtige Reliefemail ging in das 16. Jahrhundert hinüber, 
aber es gab schon im 15. Jahrhundert den Anstoss zu verschiedenen 
Nebenarten. Die eine derselben war die Ueberziehung von Relief- und 
Hochrelieftiguren mit den natürlichen Farben ihrer Gewandung und ihrer 
Fleischtöne. Die feinere und edlere Goldschmiedekunst erhielt dadurch 
eine malerische Seite, welche für diese Kunst die ganze Renaissance hin- 
durch bis in das 17. Jahrhundert von höchster Wichtigkeit wurde. Es ist 
dabei zu bemerken, dass dieses Email meistens opak ist. Ein ganz aus- 
gezeichnetes Werk dieser Art, ein Kunstwerk ersten Ranges noch vom 
Ende des 15. Jahrhunderts, befand sich im vorigen Jahr im Museum, 
nämlich ein Goldtäfelchen im Hochrelief mit der Anbetung der heiligen 
drei Könige aus dem Schatze des Stiftes Klosterneuburg. Ausserdem konnte 
man diese Art an verschiedenen Werken der Goldsehmiedekunst studiren, 
an mehreren kleineren Arbeiten aus dem Deutschordensschatz, insbesondere 
auch an den verschiedenen kleinen Heiligthürnern aus der k. k. Burg- 
capelle. Der gleiche Emailüberzug findet wie bei den Figuren ebenso auch 
bei den Ornamenten in der Goldschmiedekunst statt und erhöht dadurch 
die Wirkung, indem er dieselbe zur malerischen erhebt. Es tritt dann wohl 
zu gleichem Zweck noch ein transparentes Email hinzu, welches sich in 
die Vertiefungen der edlen Metalle legt. 
Für die ornamentale Verwendung des Emails in der edleren Gold- 
schmiedekunst bietet das Museum zahlreiche Beispiele ersten Ranges. Zu- 
erst sind wieder die Arbeiten aus der Burgcapelle zu erwähnen, weit 
schöner und bedeutender aber sind verschiedene Werke aus der Schatz- 
kammer, die grosse Lapislazuli-Kanne mit ihrem wundervollen Henkel, 
die herrlichen Krystallgefasse und kleineren zierlichen Steinbeeher und 
sonstigen Geräthe von Jaspis, Achat u. s. w. mit ihren reizenden zier- 
lichen Fassungen. ' 
Die folgenreichste und bedeutendste Emailart aber, welche aller 
Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls von dem italienischen transparenten 
Email den Ausgang genommen hat, ist das gemalte oder Maleremail, 
welches vorzugsweise als das Lim osiner und franz ösische bezeichnet 
wird. In der That hatte es ohne Frage zu Limoges seinen Hauptsitz, 
sollte es auch in Italien entstanden sein. Beginnend in der zweiten Hälße 
des 15. Jahrhunderts, hatte es seine Blüthe das ganze 16. hindurch bis 
in den Anfang des 17. Jahrhunderts. Seine Technik besteht darin, dass 
eine opake Emailschichte über beide Seiten eines Kupfergefasses oder 
einer Kupferplatte gegeben wird, auf deren eine oder beide Seiten die 
Zeichnung mit dem Pinsel aufgetragen wird. Im Anfang aber und auch 
später wieder ("bei dem dritten sog. Miniaturstyl) zeigt sich noch eine 
Verbindung des opaken gemalten und des transparenten Emails mit dar- 
unter eingegrabener Zeichnung. Von dieser Art befand sich noch in 
jüngster Zeit. ein ganz vorzügliches Beispiel im Museum, der Ambraser
	        

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