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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

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fenheit als es die des ursprünglichen Fortpdanzungsmediums war, so erleiden sie gewisse 
Veränderungen, die je nach den Eigenschaßen des Körpers verschieden sind. Werden die 
Wellen blos mit Ahändemng der Fortpdanzungsgeschwindigkeit durchgelassen, so heissen 
solche Körper vollkommen durchsichtig. An der Oherdäche vieler Körper werden die 
Lichtstrahlen zurückgeworfen; - gelangen diese redectirten Strahlen in unser Auge, 
so sagen wir wohl, wir sehen die Gegenstände; natürlich empfinden wir blos den 
Reiz des an ihrer Oberfläche reilectirten Lichtes. Dass in der That alle sichtbaren wenn 
auch nicht selbst leuchtenden Gegenstände Licht und zwar von der Farbe, welche wir 
ihnen zuschreiben, aussenden, wurde mittelst einer gewöhnlichen Camera ohscura, bei der 
das Linsensystem durch einen einfachen in der Mitte durehbohrten Schinn ersetzt war, 
bewiesen. Jeder Punkt der matten Glastafel, auf welcher das Bild in der Camera ob- 
scnru entworfen wird, empfängt blos Licht aus der Richtung, in welcher sich die kleine 
Oetfnung im Schirme beiindet. Es gelangt zu jedem Punkte der Glastafel blos Licht von 
einem Objectpunkte, der durch Verlängerung dieser geraden Linie getroßen wird; deshalb 
sehen wir auf derselben im dunklen Raume ein, wenn auch lichtschwaches, umgekehrtes 
Bild der Aussenohjecte. Ersetzt man den durchhohrten Schirm durch eine Convexlinse, so 
ist man dadurch in Stand gesetzt, ein griisseres, von einem Objectpuncte ausstrahlendes 
Lichtbiindel in einem Bildpunkte zu vereinigen, man erhält deshalb ein viel lichtstärkeres 
Bild. Der Photograph legt an die Stelle der matten Glastafel eine durch Licht leicht zer- 
setzbare Jod- und Bmmsilberplatts und tixirt so die abgebildeten Objecte, indem die lichten 
Partien stark, die Schattsnpartien des Bildes schwach oder gar nicht zersetzend auf die 
chemischen Präparate einwirken. Auch das Auge ist so ein photographischer Apparat, 
bestehend aus einer Camera ohscura und einer das Bild iixirenden Fläche der vollkom- 
mensten Art - der Netzhaut. An einer grossen Durchschnittszeichnung des menschlichen 
Auges wurde die Anatomie desselben erläutert; dann wurde an einem albinotischen Kanin- 
cbenauge das umgekehrte Netzhautbild der Aussenohjecte gezeigt. 
ln der Netzhaut, welche zur mikroskopischen Besichtigung vorlag, sind die End' 
spparate des Sebnervens in Form von Stäbchen mosaikartig neben einander gestellt. Jeder 
Bildpunkt triiit sein Stäbchen und bringt in demselben eine je nach der Schwingungs- 
intensität (Helligkeit) und Scbwingungszabl (Farbe) verschiedene Veränderung hervor. Ob 
diese chemischer ob blos thermischer Natur, ist noch unbekannt. Wir stellen uns vor, dass 
diese Veränderung durch die zugehörige Sehnervenfaser iihnlich wie durch einen Telegra- 
phendrsht dem Empiindungscentrum im Gehirn rnitgetheilt und von diesem als [lichtempfin- 
dung wahrgenommen wird. Wie diese Umsetzung der materiellen Veränderung der Nervenw 
endappnrste in eine Empfindung zu Stands kömmt, ja. selbst ob diese Umsetzung nicht 
schon in dsr Netzhaut selbst stattfindet, ist auch noch ein Räthsel. Vermöge des durch 
reichlichen Blutumlauf raschen Stoifwechsels im Auge wird die in den Stäbchen gesetzte 
Veränderung bald wieder ausgeglichen und diese zarten Organe wieder in Stand gesetzt, 
von neuem ihren Functionen vorzustehen. 
Dafür, dass wirklich materielle Veränderungen in den Nervensnden das Sehen ver- 
mitteln, spricht sinmal die Thatsachc, dass jede Lichtempiindung, selbst wenn der Reiz 
blos momentan wirkt, längere Zeit, hindurch andauert und zwar nach Plateau um so 
länger, je stärker der Reiz war. Nach dem Betrachten der rothgliihenden untergehenden 
Sonne schwebt noch minutenlang ein feuriges Sonnenbild dem geschlossenen, und ein 
dunkler Fleck dem gegen den hellen Himmel gawendsten Blick -- ein sogenanntes Nach- 
bild - vor. 
Schaut man die klare Sonne am Zenith durch einige Zeit au, so entsteht dadurch 
eins mit Augenspiegel und Mikroskop nachweisbaräVerinderung in der Netzhaut des ge- 
blendeten Auges. Die vcranlsssende Ursache war ein das Normale iiberschreitcnder Licht- 
reiz. Die Wirkung wird daher auch blos graduell verschieden sein von der Wirkung des 
Lichtreizes beim gewöhnlichen Sehen, d. h. die Stübchen werden beim gewöhnlichen Scheu 
wohl auch materielle Veränderungen erleiden. Endlich wären zu Gunsten dieser An- 
schauung noch Versuchs, die in der letzten Zeit von Voit und Pettenkofsr gemacht 
wurden, aufzuführen, indem diese nachwiesen, dass bei blosser Geistesthiitigkeit oder Auf- 
nahme von Sinneseindriicksn ohne jegliche körperliche Thätigkeit der Stodwechsel ein 
reger". de? veibißununßsilrocess ein lebhafte-rar ist, als ohne diese Geistesthiitigkciten 
im Schlafe. n 
Wenn man durch das Fenster ein horlzontales Sonnenstrahlenbiindel auf ein Flint- 
glasprisma mit dem brechenden Winkel nach abwärts, fallen lässt, so wird dasselbe von 
seiner Richtung gegen die Decke des Zimmers abgelenkt; ausserdcm sieht man daselbst 
kein einfaches weisses Sonnenbild, sondern ein Farhenband - ein Spcctrum - in welchem 
die violetten Strahlen am meisten, dann immer weniger die blauen, grünen, gelben, orangsn, 
endlich am wenigsten die rothen Strahlen von ihrer ursprünglichen Richtung abgelenkt
	        

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