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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

dass in d Griin weniger Farben vorhanden sind als in dem Blau oder, Gelb, dass es 
also durch Suhhnction entstanden ist, indem man nicht eine Farbe der andern zugemischt, 
sondern von derFarbe eines Pigmentes durch das zweite Pigment etwas weggenommen hat. 
Was wird nun aus den absorbirten Lichtstrahlen? Da das Gesetz, dass keine KraR, 
kdne Bewegung verloren geht ohne wieder Bewegung zu erzeugen, allgemeine Geltung hat, 
kann auch hier keine Ausnahme stattfinden. Die Schwingungen des Aethers werden näm- 
lich auf die kleinsten Theilchen der Körper selbst übertragen, die mit, je nach der Be- 
scbadenheit dieser Theilchen, verschiedener Geschwindigkeit ebenfalls in schwingende Be- 
wegung gerathen. Meist lind es langsamere Schwingungen, die sich alsWEnne knndgeben. 
Es muss, wenn dies richtig ist, ein Körper sich um so mehr erwärmen, je mehr er Strah- 
len abserbirt, was durch die bekannte Erfahrung, dass unter den dunkelsten Tüchern der 
Schnee am schnellsten schmilzt, wenn man an einem klaren Wintertage verschiedenfarbige 
'I'iicher auf einer Schneediche ausbreitet, bewiesen wird. Körper, deren Elemente leicht 
in raschere Schwingungen gerathen, erregen Aetberwellen, welche in uns noch eine Licht- 
emplindung hervorzurufen im Stande sind. Es sind dies die duoreseirenden Körper: 
schwsfelsaure Chininlösung, Lackmus, Cblorophylltinctur u. a., von denen eine grössere 
Reihe vorgezeigt wurde. 
Ein Vergleich wird die Sache vielleicht anschaulicher machen. Wenn der Wind 
durch das Laub der Binme geht, werden die Blätter in Bewegung versetzt, und zwar 
leichter bei der Zitterpappel als bei der schmalblätterigen Fichte. Hinter dem Baume hat 
der Wind an Kraft verlorui, jedenfalls wird aber die Bewegung des Baumes abermals einen 
und zwar je nach der eigenen Bewegung verschieden gressen Luftstrom zu erzeugen im 
Stande sein. Ashnlich hat man sich die Uebertragung der Aetherbewegung auf die Bewegung 
der kleinsten Körpertheilchen zu denken. Da der Unterschied des Lichtes und der Wärme 
blos in der verschiedenen Schnelligkeit der Aetherbewegungen beruht, so dass die dunkle 
Wärme, objsctiv betrachtet, eben so gut als eine jenseits des Both liegende Farbe be- 
zeichnet werden könnte, so ist es begreiflich, dass wir die Bewegung der kleinsten Körper- 
tbeilchen einmal als Wärme, das andere Mal als Licht wahrnehmen. 
III. 
Die Farbanniischung durch Addition, durch wirkliches Zusetzen einer Farbe zu 
einer andern, geschieht nach denselben Methoden wie des Aufsuchen der Cornplementär- 
farben. Besonders in Bezug auf die Wirkung, welche Farben auf einander ausüben, ist 
die Kenntniss der Complementärfarben wichtig. Nach Lambert genügt zum Auf! 
suchen der Complementärfarben ein farbloses Spiegelglas, das auf schwarzem Grunde ver- 
tical aufgestellt wird. Man mischt das von zwei farbigen Papierstreifen redectirte Licht 
auf die Weise, dass man einen Streifen vor, den andern hinter die Glastafel so legt, dass 
von dem einen die retlectirten, von dem andern die durch das Glas durchgelassenen Strah- 
len auf dieselbe Netzhautstelle in's Auge fallen, mit andern Worten, dass der scheinbare 
Ort des Spisgelbildes des vor der Glastafel liegenden Streifens mit dem Orte des hinter 
der Glastafel liegenden Streifens zusaunnenfiillt. Wenn die Farben complementäir sind, so 
werden sie sieh bei einer gewissen Neigung der Glastafel zu Grau nentralisiren, andern? 
falls geben sie eine von den Theilfarhen verschiedene Mischfarbe, die natürlich viel heller 
ist als jede der Theilfarben. 
So einfach dieser Versuch ist, so hat er doch den Nachtheil, dass er nicht angibt, 
eh die beiden Farben auch von gleicher physiologischer Intensität sind, d. i. ob sie zu 
gleichen Theilen auf der Netzhaut gemischt, sich neutralisiren, was eh von Interesse ist. 
Dies leistet vorzüglich Dove's Methode. Der isländische Doppelspath - ein vollkommen 
durchsichtiger Kalkspath - hat die Eigenschaft, einen gewöhnlichen Lichtstrahl in zwei 
gleich getürbto und gleich starke Lichtstrahlen zu zerlegen. Man nennt dies die Doppel- 
hrechung. Zwei Papierstreifen, durch "so einen Doppelspath betrachtet, geben deshalb vier 
Bilder, von denen man leicht zwei zur Deckung bringen kann. Sie ergänzen sich natür- 
lich nur dann zu Grau, wenn sie von gleicher physiologischer Intensität sind. 
Jede dieser beiden Methoden hat den Nachtheil, dass die gesuchte Complernentän 
farbe unter den zur Auswahl vorliegenden Farben vorhanden sein muss. Dies ist dagegen 
beim MsxwelPschen Fsrbenkreilel nicht nothwendig. Bekanntlich ruft jeder selbst 
blos momentane Reiz eine Empfindung hervor, die mindestens Y, Secunde andauert; wenn 
man nun an dieselbe Netahautstelle einen neuen Reiz bringt, bevor die Empündung des 
vorhergehenden Reizes geschwunden ist, so snmmiren sich diese Empfindungen. Diese 
Aufeinanderfolge von Reizen wird durch eine rasch gedrehte Scheibe bewirkt, auf welcher 
die farbigen aus Papier geschnittenen Kreissectoren festgeklemmt sind. Ein kleiner mitt- 
lerer Kreis der Scheibe kann in beliebigem Verhältnisse mit schwarzem und weissem 
Papier belegt werden. Es entsteht daselbst beim Drehen ein m-utrsl grauer Ring. Die 
Farben des äussern Ringes complettiren sich dann zu Weiss, wenn bei einer gewissen
	        

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