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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

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österr. Museum eine grosse Anzahl von Zeichnungen ornamentaler und figuraler Art für 
Porcellandecoration und eine Reihe von Formen für Gruppenfigürchen aller Art erhalten, 
die, in seine Sammlungen eingereibt, der Industrie sowohl als dem kunstliebendeu Publicnm 
zugänglich gemacht werden mussten. Es kann nicht Aufgabe des Museums sein, solche 
nstände blos zu bewahren, um sie der Vergessenheit zu überliefern; es muss seine 
Schätze praktisch verwerthen. Das Museum hat sich daher bereits vor längerer Zeit an 
jene Handelskammern, welche mit Thon- und Porcellanfabrikanten in Verbindung stehen, 
gewendet, und denselben mitgetheilt, dass die Werkzeichnungen der Porcellanfabrik, welche, 
meist für den Deeor im Stile des Alt-Wiener Geschmacks gearbeitet, auch für die gegen- 
wärtige Industrie ein ganz vorzügliches Interesse haben, Porcellau- und Thonfabrikanten 
sowie auch den Glasfahrikanten zur Verfügung gestellt werden. Bereits haben mehrere 
Industrielle von diesem Anerbieten Gebrauch gemacht, ihre Zeichner haben im Museum 
Copien von diesen Zeichnungen angefertigt. 
Noch wichtiger aber scheint uns die Verwerthung der Gypsformeu für kleinere Fi- 
guren und für Gruppen. Es ist bekannt, dass in der Bliithezeit der Porcellanfabrik unter 
Grassi sich eine Anzahl von sehr tüchtigen Modelleurs herangebildet, welche, selbstver- 
ständlich im Stile und in der Richtung ihrer Zeit, die reizendsten Gruppen componirt 
haben. Viele von diesen Figiirchen und Gruppen haben aber auch noch gegenwärtig 
ihren Werth behalten, sie werden von Kunsttireunden gesucht, sie können von Industriellen 
leicht verwerthet werden. 
Der erste unter den österreichischen Industriellen, welche zuerst diese im Museum 
deponirten Formen verwerthet haben, ist Herr De Ceute aus WienerVNeustadt Es sind 
gegenwärtig zwei Gruppen nach Grassi im Museum ausgestellt, welche nach den Formen 
der Porcellanfabrik von Herrn De Cente gearbeitet wurden und die an Priicision und 
Eleganz der Ausführung nichts zu wünschen übrig lassen. 
Damit aber auch das grössere Publicum in die Lage versetzt wird, Abgüsse in 
Terracotta von diesen Formen zu erhalten, und auch deswegen, um den Industriellen, 
welche dieselben benützen wollen, Gelegenheit zu geben, die Gruppen zu erwerben und 
dieselben in ihrer Weise zu benützen, so wurde die Anstalt getroffen, dass von allen im 
Museum befindlichen Formen ein Abguss in Terracotta gemacht und diese Abgüsse ver- 
kauft werden können. Gegenwärtig sind an 50 Figürchen und Gruppen vollendet. 
(Weltansstellungs-Literatur.) Prof. Dr. W. Liibke hat seinen auf Veran- 
lassung des k. wiirtemhergischen Cultusministeriums verfassten Bericht „über die künst- 
lerische Ahtheilung der allgemeinen Ausstellung zu Paris" in Stuttgart bei Ebner ä Seubert 
veröffentlicht. Derselbe hat in diesem Berichte auch auf die Histoire du travail und auf 
einige Zweige der modernen Kunstindustrie Rücksicht genommen. Letzteres ist in noch 
höherem Masse und besonders Oesterreich ehrender Weise in dem Buche geschehen, das 
Herr Friedrich Pecht so eben iu Leipzig bei Brockhaus unter dem 'l'it.el: „Kunst und 
Kunstindustrie auf der Weltausstellung von 1867" hat erscheinen lassen. Auch Engländer, 
besonders in der Londoner illustrirten Zeitung, nehmen auf Oestcrreich ausführlich Rück- 
sicht. Wir werden auf einige dieser Urtheile zurückzukommen noch mehrfach Gelegen- 
heit haben. 
Mehrere Ausstellungskataloge enthalten einen ganz besonders werthvollen Schatz 
von statistischen Mittheilungen über die Culturbeweguugen der betreffenden Länder. Zu 
den bereits früher erwähnten Arbeiten ähnlicher Art sind in jüngster Zeit noch die Be- 
richte über Egypten, Russland, Italien, Japan, Brasilien hinzugekommen. - 
„ 'Egypte h Pexposition universelle de 1867" ist der Titel eines ausüihrlichpn Werkes, das 
Herr Charles Edmond, Commissaire generafde Vexposition vice-royale d'Egypte, in Paris 
bei Dentu verößentlicht hat. Die Einleitung umfasst 328 Gressoctav-Beiten, von denen 
uns insbesondere jene wichtig scheinen, die das moderne Egypten (S. 203-328) betreßen. 
-'Im Auftrage der russischen Regierung ist ein Buch unter dem Titel: „Apercu statistique 
des forces producüves de la Russie" (Paris, Lahure, 265 S. 8'.) durch Herrn M. de 
Buschen, Mitglied des statistischen Centralcomitäs, als „annexe au catalogue special de 
la sectiou russe de Pexposition universelle de Paris en 1867" herausgegeben worden. - 
„Ultalie äconomique en 1867, avec un apercu des industries italicnnes ä Pexposition, 
publiä par ordre de la commissian royale" (Florence, Barbera, 2:55 S. 8'.) ist der Titel 
des Italien betreffenden Werkes. - Der brasilianische Ausstellungskatalog ist mit 
einer Einleitung (135 S. 8'.) versehen, die werthvolle statistische Daten enthält. - Der 
bekannte Geograph Graf de Montblanc hat aus Anlass der Ausstellung eine Brochure 
"Le Japon tel qu'il est" (Paris, A. Bertrand, 62 S. 8".) vsrötfentlicht. 
Der österreichische Ausstellungsbericht, redigirt von Prof. Dr. Franz Neu- 
mann, wird noch im Laufe dieses Monats bei W. Braumüller, und zwar lieferungsweise, 
erscheinen; jede Lieferung ist selbständig zu haben. Der ganze Bericht wird drei Octav.
	        

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