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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 28)

sprach, mit der höchsten Feinheit und Zierlichkeit zu verbinden. Sie halten die Ornamente 
von Tellern und anderem Geschirr so delicat wie möglich und überlassen die in Farben 
und Massen schwerere Omamention den Fayencen. Es ist wenigstens Vernunft in diesem 
Verfahren. 
Auch die Möbel auf der Ausstellung haben keineswegs mit vollkommener Entschie- 
denheit die neue Bahn betreten, denn es finden sich unter ihnen sogar Imitationen der 
französischen Phantasiemöbel, so wie andere in dem eleganten modernen Salon und Polstcrstyl 
mit geschweiften Linien, so wie auch einige schwergebante Credenzen, die ebenfalls nach 
französischer Imitation aussehen. Die Mehrzahl schlägt aber doch den neuen Weg ein und 
darunter eine g-rössere Anzahl Sitzmöbel verschiedener Fabrikanten mit ausserordentlichem 
Glück, einfach gebaute. wiirdevoll und angemessen verzierte Sessel, so irn Einklang mit 
Zweckmäßigkeit und Material, als ob sie gar nicht anders sein könnten wie sie sind. Das 
sind genau die Muster, wie sie ein mit echtem und edel-einfachem Geschmack ausgestattetes 
Wohnzimmer unserer woblbabeuderen Classen bedarf und wie sie sich auch billiger für 
das bürgerliche Haus herstellen liessen. Neben ihnen zieht in der englischen Möbelabthei- 
lung eine Anzahl Prachtstücke die Augen der Kenner auf sich, Kästen, Etageres u. s. w. 
von Ebenholz oder von braunem, gelblichem und lichtem Holz, mit eingelegten farbigen 
Hölzern, Elfenbein und anderen Materialien, einfach construirt, mit bescheiden vor- 
tretenden Gesimsen und Gliederungen und doch durch die schöne Zeichnung, durch die 
vollendete Arbeit von abeu so nobler wie prachtvoller Wirkung; es sind in ihrer Art voll- 
kommen gelungene Kunstwerke, die ihren Meistern Jackson und Graham, W. und J. Hunter, 
Boward und Sohn die höchste Ehre machen. 7 
Auch die Ausstellung der Teppiche und sonstiger gewebter Stoffe zur Ausstattung 
der Wohnung ist noch hie und da durch Muster von alter abgeachmackter Art entstellt; 
weit überwiegend aber sind diejenigen Fussteppiche, welche sich direct an die orientalische 
Weise der Indier und Perser anschliessen oder welche mehr ein nach mittelalterlicher Art 
stylisirtes einfaches, flach gehaltenes Muster über die Fläche vertheilen, mit Hinzufigung 
der entsprechenden Bordure; doch sind uns keine so autfallend schönen Beispiele vorge- 
kommen, wie wir sie auf der Dubliner Ausstellung gesehen haben. Ueberschlägt man aber 
das Ganze und vergleicht man eine besondere Ausstellung, z. B. die von Kiddenninster 
mit dem, was man vor zehn und zwanzig Jahren unter diesem Namen sah, so ist der 
Umschwung des Geschmackes und des Fortschrittes, der gemacht worden, ein ausseror- 
deutlich g-rosser. 
Weit glänzender noch erscheint im gleichen Sinne das Resultat, soweit wenigstens 
die Ausstellung erkennen liest, bei den Tapeten und ähnlicher Wandverzierung. Bei den 
Franzosen sieht man in diesem Industriezweige, wenn grössere Ansprüche gemacht werden 
und ein höherer Geschmack in Frage kommen soll, seine Zuflucht genommen zu Land- 
schaften, zu figürlichen Scenen aller Art, selbst zu den gedruckten, sich also wiederholen- 
den, selbst scheinbar eingerahmten Gemälden, dem Verkehrtesten, was es unter den Tapeten 
geben kann, und der allgemeine Ton, namentlich der gewöhnlicheren gemusterten Tapeten 
ist farblos und durchweg nach verschiedenen Tinten aus dem Grauen gehalten. Die Eng- 
länder üben nicht diese Farbenresignation und ihre Wanddecorationen sind darum, ohne 
ihrer Bestimmung untreu zu werden, viel farbiger als die fran "sischen; andererseits aber 
überlassen sie der hohen Kunst, was ihr eigen ist, und würdigen sie nicht zur blosseu 
Schablonendecoration herab, sondern beschränken sich auf dessinirte, oder wie sie sagen, 
dinprirte Muster. In diesen aber, die durchaus stylvoll und den vorhandenen Bedingungen 
angemessen gehalten sind, entwickeln sie bereits einen hoch ausgebildeten Schönheitssinn 
und wissen zugleich in wahrhaft decorativem Sinne, je nach Bedarf, einerseits Pracht und 
Glanz, andererseits einfache und doch warme, wohlthnende, künstlerisch anmuthende Wir- 
kung zu erzielen. 
Eine grosse Tapete mit blauem Grunde. von Owen Jones gezeichnet, ist das Schönste 
was man sehen kann, ganz sachgemäss, voll Phantasie und Sehönheitsgefihl componirt 
und so original, dass man in keiner Weise die Nachahmung eines bestimmten Styles darin 
erkennen kann. Ihr hängen gepresste Tapeten würdig zur Seite) die Alles hinter sich 
lassen, was die französische und die belgische Abtheilung von gepressten und vergoldeten 
Ledertapeten und ihren Imitationen so zahlreich und anspruchsvoll aufweisen. Am wenig- 
sten entschieden tritt wohl die Reform in den Goldschmiedarbeiten der Engländer auf. 
Hier sehen wir allerdings manche neue Wege versucht, wir sehen das Email verschiedent- 
lidl und nicht ohne Glück aufgenommen, wir sehen, dass die reizenden Goldschmiedarbei- 
ten der lndier, ihre Emails und Goldtauschirungen nicht ohne Einfluss geblieben sind, wir 
sehen ferner, dass ein bedeutenderes Gewicht auf die elegante Durchbildung der Gefess- 
formen und angemesenere Verzierung gelegt ist und dass antike und Renaiasancegeiüsse 
zum Muster dienen, aber es erscheint das alles noch mehr wie ein Versuchen und Hemm- 
schwauken denn wie ein bewusstes Beschreiten einer neuen Bahn. Es finden sich auch
	        

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