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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 28)

glaube, durch nichts was anderwarts in ständigen Sammlungen unver- 
treten wäre, sich auszeichneten. Selbst schon von den Zeiten der Mero- 
vinger, mehr noch aber von Carl dem Grossen an wird die Masse des 
zur Schau Gebrachten so gross, dass ich den Raum dieser Blätter weit 
überschreiten würde, wollte ich hier auch nur des Allerbedeutendsteu 
Erwähnung thun. Hier, so wie in den ganzen übrigen französischen 
Histnire du travail musste man ädas Fehlen eines aufklärenden Katalogs 
schmerzlich vermissen, die Namen der Besitzer, die auf zierlich geschrie- 
benen Zetteln den Objecten beigelegt waren, konnten dafir nicht ent- 
schädigen. So mochte es leicht geschehen, vielleicht das Wichtigste 
zu übersehen und nur hie und da erschien ein aus irgend einer Publi- 
cation bekanntes Stück wie ein guter Freund, den man beim Wieder- 
erkennen mit Freuden begrüsst. 
In der Zeit bis etwa auf Carl den Grossen waren Metallgegenstände, 
wie Waden, Schmuck und Münzen vorwiegend, bald aber erscheinen 
schon Elfenbeinschnitzereien, mitunter herrliche Arbeiten, wie jenes pur- 
purgefarbte Kästchen aus dem Schatze von Troyes mit höchst lebendig 
bewegten und schön gezeichneten Reliefs, der Tracht der Figuren nach 
aus dem 8. und ein Fächer, dem Style der gemalten Darstellungen und 
den Schnitzereien am verzierten Gride nach kaum später als aus dem 
9. Jahrhundert, ein eminent seltenes Vorkommniss eines derartigen Gegen- 
standes aus so früher Zeit. Vor Allem anziehend aber war die kleine 
broncene Reiterstatue Karl des Grossen, die einst in der Kathedrale von ' 
Metz alljährlich an seinem Todestage zur Schau gestellt wurde. 
Diese wenigen Beispiele führe ich nur an, um zu zeigen, wie Be- 
deutendes hier zu sehen war, denn beinahe alle in diesem dritten Saale 
aufgestellten Gegenstände waren ersten Ranges und dankbar für das Vor- 
gefuhrte mochte man nicht die Frage stellen, ob Alles das wirklich auf 
französischem Boden Entstandenes ist? eine Frage, die die Arrangeure 
der Histoire du travail wohl nur in den wenigsten Fällen mit Gewissheit 
hejahend hätten beantworten können. 
Hier begann auch die Reihe von Manuscripten, die in ununterbro- 
chener chronologischer Folge eine vollständige Geschichte der in Frank- 
reich das ganze Mittelalter hindurch mit Vorliebe gepßegten Miniatur- 
malerei illustrirten. Mit wenigen Ausnahmen gehören sämmtliche oft ausser- 
ordentlich kostbare Handschriften einer Sammlung, die als Besitz eines 
Privatmaunr-s wohl heutzutage einzig in ihrer Art dasteht, der Bibliothek 
des berühmten Pariser Verlegers Firmin Dido t. 
Der vierte Saal war dem Mittelalter, vom Beginne des 12. Jahr. 
hunderts bis zum Tode Ludwig XI. (1483) gewidmet. Mit dem Heran- 
rücken an uns näher liegende Zeiten wächst neben der immer grösser 
werdenden Mannichfaltigkeit des Erhaltenen auch dessen immer häufigeren 
Vorkommen, so dass die einzelnen Gegenstände oft in grosser Zahl von
	        

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