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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 31)

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der Bänder die Wirkung, der Contrast, die Uebergänge von Licht und 
Schatten. Versilberung und Verzinnung des Eisens, Unterlegung mit 
rothem Leder fügten schliesslich nnch farbigen Eifect hinzu. 
Die Gegenstände von dieser Art, welche das Museum bis jetzt er- 
werben konnte, sind nicht von grosser Bedeutung, sie zeigen wohl das 
Princip in seiner lehrreichen Art, aber es sind keine Glanzstücke dar- 
unter. Gypsabgüsse von solchen Gegenständen, deren allerdings eine 
Anzahl vorhanden ist, namentlich auch von reicheren Arbeiten der ro- 
manischen Periode, können die Originale in ihrem Werthe und ihrer 
Bedeutung für praktische Zwecke nicht ersetzen, wenn sie auch Zeich- 
nung und Relief wiedergeben. 
Die eigentliche Bedeutung der im liluseum vorhandenen Original- 
arbeiten in Eisen beginnt mit denen aus dem 16. Jahrhundert. Dieser 
Kunstindustrieziveig hatte mit der Renaissance eine wesentlich andere 
Gestaltung angenommen. Es war das Zeitalter neuer Erfindungen und 
einer ausserordentlich verbesserten und erweiterten Mechanik, und daher 
kam es, dass bei den Schlosserarbeiten viel mehr Gewicht auf die Künst- 
lichkeit als auf die Kunst gelegt wurde. Die Künstlichkeit der inneren 
Einrichtung der Schlösser in Verbindung mit der ausserordentlichen 
Genauigkeit der Arbeit ist wahrhaft bewundernswürdig und es gibt nicht 
selten Beispiele dieser Art, die bis heute 300 Jahre lang in beständigem 
Gebrauch gewesen sind und heute noch, fast ohne Spuren des Gebrauchs 
zu zeigen, ihren Dienst mit der gleichen Schnellkraft und Genauigkeit 
verrichten. Bei diesen Arbeiten wird die Ornamentation nicht selten be- 
deutungslos und namentlich auch flach, wobei dann auch Aetzung oder 
Gravirung an Stelle der getriebenen Arbeit tritt. Das Museum besitzt 
eine Reihe derartiger Schlösser und Eisenarbeiten, bei denen die Künst- 
lichkeit der inneren Üomposition die Kunst des Aeusseren übertrifft, je- 
doch sind auch zwei kolossnle Vorlegeschlösser dabei, deren Inneres ein- 
fach ist, deren Aeusseres aber mit geätztem Laubwerk überdeckt worden, 
welches an Feinheit und Schönheit sich den schönsten ornsmentalen 
Compesitienen der Kleinmeister des Kupfcrstichs in Charakter und Kunst- 
werth ebenbürtig zur Seite stellt. Wahrscheinlich sind sie als Meister- 
stücke des Handwerks entstanden. 
Diese Art Schlösser setzten sich im 17, und 13, Jahrhundert i'm-q; 
und wir können ihre Entwicklung im Museum an einer ziemlichen Reihe 
höchst ausgezeichneter Beispiele verfolgen. Die Sülllosskasten sind dabei 
meistens mit durchbrochenen Arabesken bedeckt, die sich oft vom gelben 
Messinggrund abheben. Diese Arabesken sind nicht gcbuckelt oder ge- 
bogen, sondern aus einer iiachen, ebenen Platte geschnitten und noch mit 
Gravirungen versehen. Ihnen gehen Schlossgehäuse zur Seite mit ge- 
wundenen sehr künstlichen Zügen, denen gleich künstliche Schlüssel ent- 
sprechen. Der Iluuptreiz liegt auch hier weniger in der Kunst als in
	        

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