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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 32)

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Frankreich beliebten mehr modernen Antifassung ist tadellos modellirt, der Florintiner Sün- 
gcr eine köstliche realistische Genreiigur, voll Leben. WVas bei diesen und allen besseren 
französischen Bronzen besonders anspricht, ist ausser der meisterhaften Ciselirung die 
schöne warme Färbung der Oberfläche. 
Sehr schön im Gusse ist die offenbar einem älteren Werke nnchgebildete grosse 
Vase in Messingguss von Lerole in Paris, von herrlicher Zeichnung in der üppigsten 
französischen Renaissance des 17. Jahrhunderts. Die galvanoplastischen Gegenstände von 
Christofle in Paris in sieben Rahmen zeigen eine Fülle von schönen ornamenlalen Mo- 
tiven von einer Eleganz der Colngosition, auf welche die Franzosen mit Recht stolz sein 
können. Von den älteren ausgeste lten Bronzen ist besonders ein byzantinisches Reliquien- 
kästchen interessant und die Sonnenuhr mit hübschen gravirten Ornamenten. 
In der Gruppe Goldschmiedeknnst ünden wir zwei Gegenstände zur Preisbewerhung, 
einen Kelch und ein Ostensorium vom Goldarheiter Hahn in Graz. Beide Gegenstände 
sind stylgerecht in der Zeichnung, beim Kelch die Anwendung von Ernail sehr wirksam. 
Wir geben überhaupt dem Kelche in Zeichnung und Ausführung den Vorzug, um so mehr, 
als das Ostensoriuni auch in der hlontirung und feinen Durchführung des Details hlanches 
zu wünschen übrig lässt Wir verkennen durchaus nicht, dass Vieles auf Rechnung des 
spröden hiateriales des Messings kommt, und dass, wenn Herr Hahn die Gegenstände in 
Silber hätte ausführen können, das kleine Detail um Vieles zarter geworden wäre. Sehr 
schön in den Verhältnissen und vorzüglich in der Arbeit ist der galvanoplastische Kelch 
von C. Hans in Wien. 
Von älteren Gegenständen nennen wir vor Allem einen prächtigen Nautilusbecher 
(Nr. 184) von malerischer Wirkung, dann die Pocale 185 und 186 und die Schmuck- 
schale 188. Sehr schön sind ferner die vier Evangelisten von Silber getrieben, und beson- 
ders graziös und zierlich der ovale Flacon von Türkis in vergoldeten: Silber montirt. 
In der Gruppe XXIV, Sculptur, findet sich ein ,.Raub der Sahinerinnen" in Gyps- 
guss, eine recht ansehnliche Gruppe von 3 Fuss Höhe von Gschiel. Das Ganze ist 
gewiss sehr schön componirt, aber - es sind keine antiken Gestalten. Die stützende 
Haltung des Römern, die sich stränbende Gestalt der Sabinerin sind recht ausdrucksvoll 
behandelt, aber der antike Fluss, das antike Ebenrnass der Glieder fehlt; die Muskulatur 
des männlichen Beines z. B. entspricht weit eher einem derben, an starke Arbeit gewöhn- 
ten deutschen Handwerker, als einem antiken Römer, der seine Extremitäten mit Oel salbte, 
um sie geschmeidig zu erhalten. Gschiel ist ein zu ausgesprochen echt deutscher, gut 
christli r Holzschnitzer, als dass er die antike Auffassung in seiner vollen Gewalt hätte, 
was wir übrigens bei der anerkannten Tüchtigkeit in seinem eigentlichen Elemente ihm 
gar nicht übel anzurechnen brauchen. Wie gesagt, diese Gruppe ist eine ganz hübsche 
Leistung, zeigt von anerlrennenswerthem Streben, aber mit dem schönen, durch und durch 
richtig empfundenen, geschnitzten Christus kann sie sich nicht messen. 
Die Marienstatus aus Tiroler Marmor vom Bildhauer Rosenberger hat, wie alle 
Arbeiten dieses tüchtigen Künstlers, eine sehr schöne Gewandung. Die nackten Theile 
würden noch eine feinere Ueberarbeituug vertragen. 
Zinn Schlusse haben wir noch das Tableau gepresster Alpenblurnen von Ferdinand 
Graf zu nennen. Wir können sagen, dass die Conservirung der Blumen in ihren natür- 
lichen Farben sowohl, als auch die Zusammenstellung derselben zu recht anmuthigen Bou- 
quetten viel Geschick und Sinn für gefällige Gnippimng beurkunden. 
 
Kunstindustrieschulo zu Offenbach. 
Mit dem Beginn des I. J. hat das neubegriindete "Deutsche Kunst- und Gewerbe- 
Museum in Berlin" seine praktische Wirksamkeit damit eröänet, dass es für die mit ihm 
in Verbindung gesetzte Kuustgewerbeschnle das Programm der Lehrcurse und Vor- 
lesungen im ersten Quartale 18158 (das wir in dieser Nr. weiter unten mitlheilen) veröffent- 
linhh! und an die sofortige Ausführung dieses Programms schritt; der erste dreimonatliche 
Cursus an der ßunstgevverbeschule in Berlin ist im gegenwärtigen Momente bereits zu- 
rückgeleg. 
Seither haben wir schon wieder das Inslebentreten einer neuen deutschen Speciul- 
schule für die Kunstgewerbe zu verzeichnen: der „Kunstindustriesehnls in Offene 
back," deren Eröffnung laut einer an die Direcüou gelangten Verständigung de: Vor- 
standes im März l. J. erfolgte. 
Wir heben im Nachfolgenden die für weitere Kreise wichtigsten Bestimmungen aus 
dem Statute über die Organisation des Vorstandes hervor:
	        

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