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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 33)

sie nicht zu lösen im Stande wäre. Ich spreche hier, wie auch die 
Uebersclirift anzeigt, selbstverständlich immer von der Copirung von 
Kunstwerken, bei der einige innere Eigenschaften des auf elektrischem 
Wege (hergestellten metallischen Kupfers, wie dessen Sprödigkeit, gerin- 
gere Dehnbarkeit etc. nicht in Betracht kommen. 
Aus der Natur der Sache ergibt sich, dass es vor Allem Metall- 
gegenstände sein werden, deren äussere Erscheinung zu imitiren der 
Galvaneplastik am besten gelingen wird, denn obgleich beispielsweise 
Stein- oder Holzsculpturen sich der Form nach ebenso treu als alles 
Andere wiedergeben lassen, hätte doch eine galvanoplastisehe Copie der- 
artiger Dinge, die ursprünglich fiir ein anderes Material gedacht sind, 
keinen höhern, vielleicht noch einen geringem Werth als ein Gypsabguss. 
Bronzen, goldene und silberne Gcräthe und Waden werden immer das 
eigentliche Feld für sie bleiben, wobei es auf das Metall des originales 
wenig ankommt, da durch die Proceduren des Vergoldens, Versilberns 
und auch Verstählens dem Kupferniederschlag ein beliebiges Aussehen 
ertheilt werden kann. Wir haben also an der galvanoplestischen Copie 
eine YViedergabe des Originals, die uns dieses für viele Zwecke ersetzt, 
- für kunsthistorische Belehrung, für den Unterricht an Kunst- und Ge- 
werhesehulcn und den Einzelnen, der die schöne oder interessante Form vor 
Augen haben will; _- die Frage aber, ob durch die Galvanoplastik das 
Studium an Originalen vielleicht gar entbehrlich wird, scheint eine zu 
nahe liegende, um sie hier nicht wenigstens im Vorbeigehen zu berühren. 
Man liebt oft es als Marotte der Kunstsammler hinzustellen, dass 
sie auch die beste Nachahmung oder Copie unter ihren Originalen nicht 
leiden mögen, selbst wenn letztere für sie nur in weit geringerer Qua- 
lität zu haben sind als erstere. Sammler haben sich oft - bei weitem 
nicht Alle - eine feine Empfindung erworben durch die lange Beschäf- 
tigung und das Eingehen in die Wesenheit der Objecte ihrer Liebhaberei, 
und so ganz grundlos, scheint mir, wird daher ihre Ansicht nicht sein. 
"Wenn man auch gänzlich absieht von dem allerdings nur eingebildeten 
Interesse, das ein Werk aus dem Grunde bietet, weil man weise, dass 
auf ihm die Hand seines Meisters geruht hat, so kann man doch nicht 
leugnen, dass die Möglichkeit, überhaupt ein Kunstwerk zu copiren, im 
umgekehrten Verhältniss steht zur Kunsthöhe des Originals, dass also 
die Differenz zwischen Copie und Original wachsen muss nach derlRich- 
tung der Vollkommenheit des letztem. - Durch die Abformung und 
nachträgliche Vergoldung gehen manche Schärfen und letzten Feinheiten 
verloren, die Verhältnisse der glänzenden und matten Flächen erleiden 
vielleicht hie und da eine kleine Einbusse u. dgl. m. Bei Gegenständen 
grösserer Dimension werden solche Unterschiede weniger bemerklich, mit- 
unter selbst verschwindend klein werden, mehr hervortreten werden sie 
bei zarten Arbeiten geringer Dimension. Immerhin aber muss zugegeben
	        

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