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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 33)

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Werke führten sie sie immer in etwas veränderter Weise aus, so dass 
man leicht im Stande ist, die lateinischen von den griechischen Werken 
zu unterscheiden. 
„In unserem im griechisch-dorischen Style ausgeführten Karniess er- 
kennen wir leichtlich den Einfluss etruskischer Kunst. Es zeigt eine 
Reihe von Triglyphen und Metopen in regelmässiger griechischer Weise 
mit den Tropfen etc. und über dem Triglyphenfries eine grosse Hohlkehle, 
geziert mit Palmetten und Köpfen. Die ganze Composition ähnelt sehr 
dem Karniess auf dem berühmten Sarkophage des Scipio Barbatus im va- 
ticanischen Museum, dessen Verfertigungszeit in das Ende des dritten 
Jahrhunderts vor der christlichen Aera fallt. Ich halte unser in Rede 
stehendes Karniess derselben Epoche angehörig. Was seine Bestimmung 
anbetrifft, so ist klar, dass es nicht ein constructives Glied eines Ge- 
bäudes war, sondern nur ein decorativer Theil, und aus dem Fehlen 
einer Bekrönung, sowie daraus, dass die Köpfe für die Unteransicht ge- 
macht sind, erkennt man, dass es zur Verzierung der Wände eines ge- 
schlossenen Innenraumes gedient hat. Die Triglypheu daran bezeugen, 
dass das Karniess nicht für ein Privnthaus gemacht sein konnte, sondern 
für ein hieratisches Monument, und die Rosen in den Metopen beweisen, 
dass es zu einem Grabmal gehörte Ü. Wir müssen daher schliessen, dass 
dessen Bestimmung die Decorirung des Innern einer Grabkammer war. 
„Die kleinen Zahnschnitte über der Hohlkehle, wie ich sie nie an 
grossen römischen Steinmonumenten gesehen habe, scheinen mir ein Cha- 
rakteristiken antiker etruskischer Architektur. Man Endet diese Formen 
z. B. an den Vorderseiten der Grabmäler von Norchia, an einem Grabe 
in Tarquinii, ferner aus späterer Zeit öfter an kleinen Grabmälern aus 
Ziegelbau und endlich auch an einigen Aachen-Urnen. Die Palmetten 
und die Köpfe sind ein sehr gewöhnlicher Schmuck der Gesimse; erstere 
sind in griechischer Weise gemacht, aber in der Formengebung glaubt 
Herr Helhig lediglich italischen Einfluss zu erkennen. Ich glaube, dass 
ehedem das ganze Gesirnse im Einklange mit den Wänden polychromirt 
war und dass der Rundstah zwischen der Hohlkehle und den Triglyphen 
auch ein aufgemaltes Ornament besessen hat. 
„Das Relief der Ornamente ist nicht sehr vorspringend und so ge- 
macht, dass es mit Leichtigkeit aus der Form berausgeht. Die Grösse 
eines jeden Stückes des Karniesses - die Länge beträgt 27, die Breite 
30 Centimeter _ überschreitet nicht die Grösse gewöhnlicher Backsteine, 
und dies zu dem Zwecke, um dessen Trocknen und Brennen nicht allzu- 
sehr zu erschweren. 
') Böttiehsr: Baurncultus der Hcllenen, pag. 458. Rosen findet man häufig an 
Grahmälern. Ausser an griechischen Stelen haben wir sie am Snrkophsgre des Scipio, am 
Grabmale des Bibulus in Rom, an einem Grab-Cippus in Vulei etc.
	        

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