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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 34)

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kein Mittel zur dauernden Befestigung, da die gelöthete Stelle bei jedem Stosse wieder 
bricht. Das Zusammenziehen gerissener Theile mittelst eiserner Blinder und Schrauben 
von Innen, kann nur an wenigen zugänglichen Stellen vorgenommen werden, und verschalft 
ebenso wenig dsuerhaße Abhilfe, da die Schrauben im Blei sich wieder lockern und dann 
der alte Schaden wieder zu Tage tritt. 
Die Ausbesserung der an den unteren Figuren vielfach und störend verhackten 
Oberfläche wäre auch bei der gröseten Sorgfalt nicht ohne Gefahr für die Feinheit der 
ursprünglichen Form vorzunehmen. Jede solche Ausbesserung nimmt einen Theil der 
Originalität und der jedem Kunstwerke eigentbiimlichen Empfindung weg; auch das Besser- 
mscheu wäre eine Entwertbung der Figuren, und in Ansehung des hohen künstlerischen 
und kunstgeschichtlichen Werthes derselben ist von einer Restauration derselben ente 
schieden abzurathen. 
Die Figuren können durch einen noch so sorgfältigen Schutz gegen weitere Be- 
schädigungen von Aussen in ihren jetzigen Zuständen nicht erhalten werden, da der Grund 
zu ihrem weiteren Verfalls in dem unzweckmlissigen Materiala und den jetzt an ihnen vor- 
handenen immer weiter greifenden unheilbaren Beschädigungen liegt. 
Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass das über den Winter nothwendige Ein- 
decken des Brunnens kein Schutz für die Figuren ist, dass im Gegentheile eine nicht 
geringe Anzahl von Verletzungen an selben von unsanßen Berührungen mit Balken und 
Beilen herrühren dürfte, wie dies von einigen solchen notorisch ist. 
Wäre nunmehr festgestellt, dass die vorhandenen Schäden gründlich nicht heilbar 
sind, dass dieselben vielmehr weiter greifen und den Verfall der Figuren nach sich ziehen 
werden, zu einer zeitweilig Abhilfe bringenden Restauration abgerathen werden muss, so 
erübrigt, wenn der von allen Seiten ausgesprochene Wunsch, diese Figuren erhalten zu 
sehen, im Auge behalten wird, nichts anderes, als dieselben durch Abgüsse in dauerhafterem 
Metall, in Bronze, zu ersetzen. 
Die Einwendung. welche gegen den Guss in Bronze gemacht werden könnte, als 
ob diese Figuren nur für Blei berechnet wären und Bronze der Wirkung derselben abtrücbtig 
sein könne, erscheint dem Cornitä im höchsten Grade unstichhiiltig. 
Wenn bei der Ausführung plastischer Figuren von einer Berechnung für ein ge- 
wisses Material die Rede ist, so kann dies entweder in Bezug auf die technische Möglich- 
keit und Zweckmäßigkeit, oder mit Rücksicht auf den malerischen Eifect des Materials 
gemeint sein. 
Nach der ersten Richtung hin glaubt das Comite vor Allem hervorheben zu müssen, 
dass die vielen weitausgestreckten Extremitäten an den Figuren auf nichts weniger als 
eine Berechnung in Blei hinweisen, als gerade diese in Blei zuerst Beschädigungen aus- 
gesetzt sind, eher in Blei gegossen werden können. Es ist zudem bekannt, dass schon 
bei Errichtung des Brunnens der Guss der Figuren in Bronze als wünechenswerth be- 
zeichnet wurde und wahrscheinlich nur wegen durchaus nicht künstlerischen Gründen 
unterblieb. 
Die Behandlungsweise, die an den Donnefschen Figuren als für Blei berechnet 
gemacht wurde, finden wir in gleichzeitigen Arbeiten ebensogut bei Bronzefiguren, wie in 
solchen von Marmor, Sandstein, Holz, Elfenbein n. e. w. Die weichen, durch wenige 
Schwirzen getrennten Haare und Falten sind ein Kennzeichen der Schule und Kunstperiode, 
keineswegs aber einer Berechnung fir Blei. 
Der Glanz neuer Bronze, bezüglich dessen die Befürchtung geäussert wurde, dass 
er die Wirkung beeinträchtigen könnte, ist zuerst schon ganz leicht vermeidlich und dauert 
auch, wo er vorhanden, nur kurze Zeit. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, dass neue 
Bronze eben so sehr dem kaltblau glänzenden frischen Blei vorzuziehen ist, wie onydirte 
Bronze dem grau gewordenen Blei. 
Bezüglich der Ausführung in Bronzegiissen erlaubt sich das Comitä zu bemerken, 
dass das k. k. österr. Museum bereits über einige von den Figuren Gypsformen anfertigen 
liess. Wenn über die übrigen Figuren noch solche Figuren gemacht würden, so könnten 
die Beschädigungen an der Oberßicbe der Gypsformen in denselben leicht und sicher reparirt 
und die fehlenden Tbeile an den Ansgüssen ergänzt werden, welche sodann als Modell für 
den Bronzeguss zu dienen hätten. 
Es liegt auf der Hand, dass auf diesem WVege alle nur wünschenswerthe Genauigkeit 
der Reproduction erzielt werden könnte und dass dieser Vorgang noch den Vortheil hätte, 
dass die Bleiügnren erst dann entfernt werden müssen, wenn die Bronzefiguren zu deren 
Ersatz vollendet wären. 
in Erwägung, dass es eine falsch verstandene Pietät wäre, die Originalüguren des- 
halb an dem Brunnen zu belassen und dadurch ihr Verderben zu beschleunigen, weil an
	        

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