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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

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im Jahre {S08 dem Lyoner Weber J. M. Jscqusrd die erste Idee Inr Constrnction der 
„Jscqusrdnnschins" gegeben, die eine wahre Umwälzung im Gebiete der Knnstweberei. 
bewirken sollte und im Wesentlichen bis heute unverändert geblieben ist. Die neueren 
Webe- und Wirkevorrichtnngen, der Rnndstnhl, Bonellfs elektromagnetischer Webstuhl, 
der Powerloom, kurz alle epochemsehenden Erfindungen und Verbesserungen auf dem- 
Gebiete der Weberei sind hier vertreten. Die Färberei und der Zeugdruck sind durch 
nlle Vorrichtungen, die mnn zum Drucken anwendet - hölzerne Druckfornien, Stippel- 
formen. clichirte Druckformen, die Perrotine, die Walzendrnckmnschine mit grnvirten und. 
Hsntreliefwnllen, die Plonzbine von Ebinger in St. [knie - und durch Apparate und: 
Utensiien nur Zubereitung der Farben und Fnrhedntten repräsentirt. Die Technik der 
Glssfahricstion und der keramischen Pmdncte sind dargestellt durch eine vollständige 
Suite der Rohmaterialien, durch Modelle und Exemplare der Vorbereitnngsmnsohinen, 
Werkzeuge und Brennöien und durch eine genetische Cullectixiu der Zwischenstufen bis 
zum fertigen Pabricat. Auch in kunstgswerblicher Hinsicht bietet die Sammlung der 
Thonobjects viel lntersssamies der. Es folgen Slile angefüllt mit physünlisclien. Instru- 
menten, mit Werkzeugen, die Sammlungen iiir chemische Technologie und: die} lnndkwirth- 
schaftlichen Gewerbe und endlich die ngricolen Sammlungen, die- Inneres Erachtens besser 
m einer Imndwirthschaäscbnle aufgehoben wären. als m einem Institute, dlessem Bestinn- 
mnng in erster Linie Förderung der veredelndran Gewerbe im technologischen Sinnen und 
nicht auf die Lsndwirthschnß lmd die übrigen Gewerbe der Urprodnctibn gerichtet ist. 
Sind. nun die technologischen Sammlungen des Comervntorinsm in ihrer trefflichem 
Anordnung und Aufstellung und ihrer uniihertrolämn Reichimltigkeit i'm. hohen Grade 
geeignet, jeden Gewerhtreibsnden anzuregen und encyklnpüdische Kenntnisse aller Zweige- 
des weitschichtigen Gebietes der Technologie jedem lrimeichend vorgebildbten Stanmbürger 
zu gewähren, der des Bedürfniss dnnach hat; ist das Censervetorimn inn eigentlichsten 
Sinne des Wortes als ein Museum der Geschichte der Arbeit, als die erste gevlerhlicllw 
Fortbildungsschule der Welt m bsleichnsn, so gipfelt doch der Bnnptnmzen des „ßon- 
servstoire des arts st metiers" in folgenden Punkten: 
l. in den oben geschidertcn Vorlesungen des Insfüntes; 
2. in der reichhaltigen technologischen Bibliothek, deren Benmnnng alten Gewerb- 
treihendßn freisteht; sie belindet sich i: dem alten Refectorisrrn der Abtei; 
3.. in der Galerie du Portefeuille, in welcher Ingenieure, Architekten, Industrielle 
nller Art nnsgelegte Pläne und Zeichnungen aller neu nußanrzhenden hhschihn. Uni Ap- 
parats einsehen, studiren und copircn können; 
4. in der grossen Mnsohinenhslle, der früheren Kirche der Abtei, in welcher zwei 
nul wöchentlich die neuesten Maschinen - Motoren nnd- Arbeitsmnschimen - in Gang 
gesetrt werden. Hier ist die beste Gelegenheit geboten, sich ein Urtheil II! bilden über 
die zahllosen Modiiicntionen der Wssserhebmaschinen, Gsskraßmßschisien, Heisslnßnzn- 
schinen, elektromotorischen Apparate, der Turbinen, der Gebläse ettx, welche dh rastlos 
arbeitende Maschinentschnik nnsblksig zu Tage fördert. Wie verlautet, sollen viele und 
namentlich die lehrreicheren, neue Principien verrnthende Maschinen und Modelle der 
vmjiihrigen Industrieausstellung fiir die Maschinenhnlle des Censervaterinrns srquirirt 
worden sein. 
Nachbildungen des Pariser Oonservnterinrns befinden sich unter dem Namen- "Ecoles 
impörislss des nrts et rnetiers" an Chslons snr Marne, Angers und Aix, die in ihren Ein- 
richtungen einer deutschen höheren Gewerbeschnle, etwa der in Chemnitz, entsprechen, 
jedoch mit vorwiegend prnktbcher Riehtlrngü. Steetssnshalf-en, die mit unseren Real- 
gymnasien verglichen werden könnten, fehlen in Frankreich gänzlich. Man müsste dann 
die im Jahre 1852 eingeiiihrte Bifumation in der oberen Abtheilung der Lyceen hierfiir 
gelten lassen wollen. Die Division superienre zerfällt nämlich in zwei Sectionen, einmnl 
in die Bsction des lettres, deren Schwerpunkt und Centrum in den sprachlich-historischen 
Studien liegt; sie bereitet auf den Unterricht in den Fscultäten fdr Theolßgie, Philolog-ie, 
Medicin, Jure und Verwnltung vor. Die andere Ablheilung, die Section des sciences, be- 
schäftigt sich vorzugsweise mit msthernstisch-nnturwissenschsftlichen Studien und zählt 
als Sehmer kiinhige Phsrmucenten, Industrielle und Kaufleute, ferner die Csndidnten der 
polylechnischsn Schule, der Msrine- und Militlirschnlr, der Forstschnle und ähnlicher 
höheren technischen Unterrichtssnstalten des Staates. Es möchte hier nicht unerwähnt 
zu lassen sein, dass nach dem von dem Unterrichtsminister Formal eingeführten Systeme 
der Bihrrcation, die künftigen Mediciner in die realistische Section verwiesen waren. Auf 
Ansuchen der medicinischen Fuculßten hat sein Nachfolger Roulmd 1858 die Mediciner 
') Die Exigelll lluer jtdll dleur drei Gewurblohuhü lll Chdlml, H! und Angirs, die luumllull 
kum 900 Bohilel lüicß. boliufl Ihh lnf 250.009 Innen.
	        

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