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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

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Bei der ausgeprägten Vorliebe der Belgier für das Praktische ist es gewiss ein 
eigenthiimlicber Umstand, dass das Königreich Belgien, welches unter den industriellen 
Ländern des Continentes in erster Linie steht, für die specielle Bildung der Industriellen 
fast gar keine Fürsorge getroden hat. Weder ist de' Prvmärunterricht obligatorisch, noch 
gibt es lzlandwerksrschnlen, Gewerbschulsn und polytechnische Schulen wie in Deutsch- 
land und Frankreich. Die Ursache davon, wenigstens was den höheren gewerblichen 
Unterricht betrift, mag darin liegen, dass die äöhne hegütertar Belgier zum grossen 
Theile in dem benachbarten Frankreich, in Deutschland und in der Schweiz ihren ren- 
listischen und gewerblichen Studien obliegen. Die Vorbereitungsschnlen fir den höheren 
gewerblichen Unterricht sind wie in Frankreich zweierlei Art. Wie dort sind auch in 
Belgien die oberen Abtheilungen der Lyceen, die man hier Athenäen nennt, nach dem 
Principe des zweiästigen Unterriehtssystems oder der Bifurcstion in Sectionen üir den 
humanistischen und solche für den realistischen Unterricht gespalten. Die realistische Ab- 
theilung zerfallt in eine höhere und eine niedere; die höhere spaltet sich wieder in drei 
Sectionen: die kaufmännische, die gewerbliche und die wissenschaftliche. Bemerkenswarth 
ist, welch" grosse Bedeutung in allen diesen Abtheilungen dem Unterricht in der Volks- 
wirthsehaßslehre beigelegt ist. 
Eine andere Art von Vorbereitnngsschulen für den höheren gewerblichen Untericht 
sind die Industrieschulen (Eooles industrielles), wie sie in den meisten Industrie- 
städten Belgiens, so in Lüttich, Gcnt, Vcrviers, Huy, Tournay, Ondenaarde, Brüssel, 
Namür, Mons, Antwerpen etc. bestehen. lhr Zweck ist ein doppelter, einmal sollen sie 
für den höheren Unterricht in Gent und Lüttich vorbereiten. das andere Mnl sollen sie 
Contremaitres bilden. Die Unterhaltung dieser Industrisschulen liegt theils der Commune, 
theils der Provinz, theils dem Gonvernement ob. In den grösseren und vollslindigeren 
dieser Schulen, die meist mit guten Maschinenmodellsammlnngen und physikelischen Ap- 
paraten versehen sind, wird der über alle Branchen des technischen und volkswirthschaft- 
liehen Wissens sich erstreckende Unterricht an den Werktagen von 7-8 Uhr Abends, 
Sonntags in den Vormittagsstunden ertheilt und zwar je nach der vorherrschenden Sprache 
des Ortes entweder französisch oder ilimisch, oder wie in Gent in beiden Sprachen. 
Die Schüler sind fast durchgängig der Arbeiterclssse angehörig. Das Unterrichtsprogrsmm 
ist der Art festgestellt, dass die Zöglinge in einem vierjährigen Cnrsns m: praktische 
Mechanik. liir auf chemischen Grundsätzen beruhende Gewerbe, fdr Weberei oder für ge- 
werbliches Zeichnen vorbereitet werden können. 
Fiir den höheren technischen Unterricht gibt es in Belgien zwei Lehranstalten, 
eine zu Gent, die andere zu Lüttich. An die realistische Faenltit (eine Combinstion der 
auf einigen deutschen Universitäten bestehenden staatswirthschnftlichen und naturwissen- 
schaftlichen Facultlt) der Hochschule zu Gent sind drei Schulen angehängt, nämlich eine 
Schule für künftige Lehrer der Naturwissenschaften und der Mathematik, eine für Fabrik- 
ingenicure und endlich eine vorbereitende und Bpecialschule für Civilingenienre. Die 
Schule zu Lüttich, die "Ücole des ans et manntactures et des mines de Liege", die einen 
integrirsnden Bestandthcil der Universität ausmacht, besteht aus drei Fachsdxulen für 
Maschinenbau, Fsbrikindustrie und Bergwesen, denen ein vorbereitender Cnrsus voraus- 
geht. Die Einrichtung erinnert sehr an die der „Ecule centrala" in Paris. Die Gassmmt- 
zahl der Studirenden aller drei Sectionen beläuft sich auf mehr als 400. Einer hesondern 
Erwähnung werth ist die mechanische Werkstätte, welche in einem besondern Flügel der 
Universität untergebracht ist. Sie ist auf das vullständigste mit Werkzeugen, Arbeits- 
maschinen und Dampfmotoren ausgerüstet und gehört sicher zu den besteingerichteten 
Attributen dieser Gattung. 
Die Knnltindustrie Oslterreichs "). 
J. F. Wir haben jetzt die Linder der modernen Civilisntion dnrchwnndert und 
kommen zum Schlnsse zu nns selber znriink. Nach der Rundschau gelungen wir zur 
Selbstschnu und wollen diese Selbstschutz halten aßen und ehrlich, einzig die Suche im 
Auge, deren Bestes wir durch Selbsterkenntnis: und Selbetgestllnrlnisa fiirdsrn können. 
Wir müssten die Ehrlichkeit schon verletzen, wenn wir nicht engen wollten, den 
11er Gesmzmteindmck üer österreichischen Abtheilnng - von unserem, dem knnstindn- 
') Du vernnnehensle Anlsn: des Ernten Gutes n. ältm. llulnm. J. Fnlkn, welcher man! in 
der Wlelwr Zeitung und 11A! noch vor Iiehlusx der Plriltr Allnllellnn; erschienen lst. wegen Uoberfüllnng An 
Bwl indes: bisher nicht in die "lllllhellungen" lllfgelmnunen werden Innlllß. lchrlnl uns flr die Interessen 
lliener Anltl]! lo unhellegend und lntzreellm zu leln. dlll wir ihn selbst jetzt , wo die Raumvrrlliltllllle un- 
seres Blutes u erst geslxtleu, in die llorntlßhrill Aufnehmen lu sollen glluben. Die Keil.
	        

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