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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 38)

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der Lernbegierdc über Erwartung gross gewesen wäre, - trotz mannig- 
facher, gerade in diesem Momente störend wirkender äusserer Verhält- 
nisse war beides immerhin genug -, aber die anfangs kältere Theilnahme 
erwärmte sich im Laufe der Ausstellung immer mehr, und die nächste 
derartige Unternehmung kann schon gleich beim Beginne auf weitaus 
mehr Verstandniss und Interesse beim grossen Publicum rechnen, als der 
ersten anfangs entgegenkam. Das Bedürfniss nach Kunst ist wie jedes 
Luxusbedürfniss ein solches, dessen mangelnde Befriedigung a priori nie 
empfunden wird, nur wer sie kennt, verlangt nach ihr! 
Zu dem eigentlichen Gegenstande unserer Besprechung kommend, 
wollen wir, dem Gange des Kataloges folgend, die modernen Leistungen 
der Kunstindustrie Böhmens, die sich auf der Ausstellung befanden, in 
kurzer Uebersicht an uns vorüber gehen lassen. 
Von Werken der textilen Kunst sind eine Anzahl Messgewänder, 
bestimmt für eine aus dem Verfall restaurirte Capelle romanischen Styles, 
vorhanden. Sie sind nach Zeichnungen des in der mittelalterlichen Orna- 
mentik wohlerfahrenen Malers Friedrich Wachsmann von Damenhand 
ausgeführt. Die Zeichnung ist mit guter Rücksichtnahme auf die zu er- 
wartende Ausführung, die natürlich nicht die eines faehmässig gebildeten 
Stickers ist, einfach, stylrichtig, geschmackvoll und dabei streng kirchlich 
gehalten; ein Verdienst, das auch den andern Wachsmaumschen Ent- 
würfen, deren wir noch weiterhin zu erwähnen Gelegenheit haben werden, 
zukömmt. 
Von ganz besonderer Bedeutung für einen in Böhmen wichtigen 
und stark cultivirten Industriezweig ist die Ausstellung der Musterwerk- 
statten für Spitzenmanufactur, die gegenwärtig in verschiedenen Orten 
des böhmischen Erzgebirges errichtet und unter die Leitung eines in 
diesem Fache wohlerfahrenen Mannes, des Herrn Joh. Jac. Wechsel- 
mann in Berlin, gestellt sind. Es existiren zwölf derartige Musterwerk- 
stätten in den verschiedenen Ortschaften des Gebirges und für die ver- 
schiedenen Arten der Spitzenindustrie, für Point ä Paiguille, Point Duchesse, 
Valencienne etc. Ihr Zweck ist nicht nur Schülerinnen weiter- und aus- 
zubilden, sondern auch anderen Spitzenverfertigerinnen Zeichnungen un- 
entgeltlich, und die Materialien zur Spitzenerzeuguug zum Selbstkosten- 
preise zu liefern. 
Die Sache selbst, trotzdem sie eine verhältnissmässig neue ist, die 
wenigsten Musterwerkstätten bestehen über ein Jahr, ein Theil derselben 
noch nicht 10 Monate, verspricht bedeutende Resultate für die Zukunft, 
denn jetzt schon sind die aus diesen Werkstätten hervorgegangenen 
Leistimgen der Qualität nach sehr befriedigend, theilweise können sie 
sogar schon belgischen und französischen Fabricaten an die Seite gestellt 
werden. Nur für die Ausdehnung des Unterrichtes bleibt viel zu 
wünschen übrig. Die Muster-Werkstätten sind für die Zeitdauer von fünf
	        

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