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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 38)

Jahren errichtet (drei Jahre mit und zwei Jahre ohne Subvention); bisher 
nehmen etwa 6-800 Schülerinnen am Unterrichts theil, da aber die 
Zahl der Spitzenverfertigerinnen im Erzgebirge 8-10.000 beträgt, so 
bleibt für die noch übrigen vier Jahre des Bestandes der Musterwerk- 
statten sehr viel zu thun übrig, wenn eine gründliche Reform der 
gesammten Spitzenmanufactur durchgeführt werden soll. 
Dieses schöne Unternehmen verdankt dem „Centralcomite zur Be- 
forderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und Riesengebirgs- 
bcwohner" sein Entstehen. Se. Majestät bewilligte hierfür den halben 
Ertrag von zwei Wchlthätigkeitslotterien. Der Leiter selbst, Herr Wech- 
selmann, lässt für das Gelingen des Unternehmens das Beste hoffen, und 
dass diese Aussicht eine gegründete ist, beweisen die auf der Prager 
Ausstellung befindlichen Proben zur Genüge. Von Seite der technischen 
Vollendung bleibt wohl wenig, was nicht wenigstens in der Zukunft er- 
reichbar schiene, zu wünschen übrig, und nur von dem Standpunkte dieser 
Blätter aus müssen wir betonen, dass wir in erster Reihe eine ganz be- 
sondere Rücksichtnahme auf reine, geschmack- und stylvolle Zeichnung 
für unerlässlich nothwendig halten. Es ist allerdings sehr schwer, ge- 
rade in jenen Dingen, die Bestandtheile der Toilette sind und der bru- 
talen Herrschaft der „Mode" unterliegen, vernünftige künstlerlische Prin- 
cipien zur Geltung zu bringen, weil der Verfertiger dem leider meist 
schlechten, verschrobenen und eingebildeten Geschmacke des Abnehmers 
huldigen muss, wenn er von diesem nicht im Stiche gelassen werden will. 
So sehen wir auch hier menschliche, thierische und pflanzliche 
Formen statt der gerade bei Spitzen nöthigen strengen geometrischen 
und Flächendecoration ihr Unwesen treiben, auf einem Fächer Trophäen, 
Kanonen und Zündnadelgewehre, anderwärts wieder Genien oder vielmehr 
Caricaturen, die Genien vorstellen sollen, und was dergleichen mehr ist. 
Es wird daher die Heranziehung tüchtiger geschulter Musterzeichner der 
Spitzenindustrie entschieden noth thuen. 
Die Lackarbeiten und das Email, die durch Zusendungen heimischen 
Ursprunges nicht vertreten waren, übergehend, begegnen wir unter den 
Glaslnalereien einigen Werken des Prager Glasmalers Johann Quast, 
von dem auch die bisher ausgeführten gemalten Glasfenster im Prager 
Dome herrühren. Quast hat ein Mittelstück eines grösseren Fensters und 
zwei kleinere gemalte Scheiben ausgestellt. Ersteres ist nach einer Zeich- 
nung von Josef Führich gefertigt und stellt die h. Dreifaltigkeit dar. 
Das richtige Erfassen des Wesens, der Bedingungen und Forderungen 
der Glasmalerei ist keine so durchaus einfache Sache, als sie sich viel- 
leicht manchem auf den ersten Blick darstellen dürtie. Auf wie verschie- 
denen Wegen verschiedene Künstler die Aufgabe heutzutage zu lösen 
trachten, hat im Kleinen selbst schon das, was auf der Prager Ausstellung 
zu sehen war, gezeigt. Wir brauchen hier blos an die durch längere 
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