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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 38)

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Handelsschule ist an nnd für sich ganz vortreflich, die Realsehnle jedoch nimmt von 
Jahr zu Jahr an Schülern ab statt zu. Die Lehrmittel des Zeichnennnterriehtes sind so 
gering, dass nur drei oder vier Büsten znm Zeichnen vorhanden waren. Die Schule ist 
so gering dotirt, dass man froh sein muss, dass vier Priixnenstrntenser dort als Professoren 
den Dienst leisten. Die Volksschule hat vortreffliche Lehrer, wie man mir allgemein sagte, 
aber ist so ungeheuer überfüllt, dass von grösseren Erfolgen keine Rede sein kann. So 
sieht es in Reichenberg, einer der grössten Indnstriestiidte der Monarchie, mit dem öEent- 
liehen Unterriehte aus. Kommen daher dann Krisen von anseen, so stehen die Industriellen 
denselben rathlos gegenüber, wie es jetzt auf dem Gebiete der Glasinrlustrie der Fall ist. 
Das sind Verhältnisse, die wir zu den Hauptmängeln rechnen müssen, welche dem Fort- 
schritte der Indnstrie im Wege stehen. 
Förderung des Gewerbewesens in Nieder-Oestsrreich. 
(Aus den Verhandlungen der n a. Bandels- und Gewerbekllnmer, lnitgethellt in der Wlensr Zeitung.) 
I. 
Schon lange hat sich die Aufmerksamkeit der Industriellen aller Länder und der 
Freunde des gewerblichen Fortsehrittes auf die bezüglichen Anstalten Wiirttembergs ge- 
lenkt, in welchem Lande mit einer bis in die untersten Schichten reichenden Fürsorge 
Alles gethan wird, was die Industrie zu fördern vermag. Insbesondere sind die gewerb- 
lichen Fortbildungsnnstalten jenes Landes und das in Stuttgart bestehende Musterlager 
Institutionen, welche allerorts als Muster für solche Anstalten dienen können. 
An der Spitze aller Thlitigkeit zur Hebung des (iewerhewesens sehen wir in Stutt- 
gart ein eigenes Organ, die königliche (Zentralstelle für Gewerbe und Handel, welche 
unter der ausgezeichneten Leitung des Regicrungsrathes Dr. F. v. Steinbeis aus admi- 
nistrativen und technischen Beamten, Lehrern an gewerblichen Unterrichtsanstalten und 
Beiriithen aus dem Handels- und Gewerbestande zusammengesetzt ist und den Zweck hat, 
nach allen Seiten hin befrnchtend anzuregen und die selbstthätigcn Bestrebungen der In- 
dustriellen und Corporationen, welche von der (Zentralstelle die Richtung auf ein grosses 
gemeinsames Ziel erhalten, durch die Zusammenfassung und nachdrückliche Unterstützung 
um so erfolgreicher zu gestalten. 
Ein Beamter des k. k. österreichischen Handelsministeriums, welcher beauftragt 
war, Erhebungen in Bezug auf die gewerblichen Institutionen Wiirttemhergs zu machen, 
hat seine diesfiilligen Wahrnehmungen in einer Brochure niedergelegt; das Handelsmini- 
sterium nahm hievon in dankenswerther Weise Anlass, in einem Schreiben an sämmtliche 
Lünderchefs eine Enquete darüber anzuordnen, was in den einzelnen Ländern der west- 
lichen Reichshlilfte für den gewerblichen Fortschritt bisher geschehen ist, um auf Grund 
dieser Erhebungen zu weiteren Beschlüssen zu gelangen. Indem die k. k. n. ö. Statt- 
halterei der Handels- und Gewerbekammer eine Reihe von Fragen. die Förderung des Ge- 
werbedeisses in Nieder-Oesterreich betreffend. zur Beantwortung mittheilte, hat die Section 
nunmehr die Ehre, in dem folgenden Berichte dieser Aufgabe nachzukommen, wobei sie 
bemerkt, dass man sich bei der grossen Menge des Materials nur ganz kurz und andeu- 
tungsweise fassen konnte, es aber selbstverständlich ist, dass die Kammer, beziehungs- 
weise die Section, wenn von Seite der Regierung hinsichtlich einzelner Punkte eine de- 
taillirte Ausführung gewünscht würde, eine solche bereitwilligst geben wird. 
Die Section glaubt ihre Darstellung mit dem Unterricht, der Grundlage jeder 
intellectuellen Entwicklung, beginnen zu sollen. Leider muss gesagt werden, dass bis vor 
ungefähr 25 Jahren für den gewerblichen Unterricht, der im Auslands schon vielfach ver- 
vollkummnet war und reichliche Früchte trug, bei uns ausserhalh des k. k. polytechnischen 
Institutes kaum noch etwas geschehen war, insbesondere aber so viel wie nichts für die 
grosse Zahl der Gewerbslehrlinge und Gehilfen, deren geistige Ausbildung doch zum Auf- 
schwunge des Gewerbes unentbehrlich ist. Seit jener Zeit wurde nun wohl auch in Oester- 
reich dem gewerblichen Unterrichts etwas mehr Aufmerksamkeit zugewendet, aber wir 
befinden uns bezüglich dessen, was geschehen soll, noch immer bei den Anfängen und es 
ist dringend nothwendig, dass ernstlicher und mit Aufwendung grösserer Mittel als bisher 
vorgegangen werde. 
Der gewerbliche Unterricht soll eine derartige Ausdehnung haben, dass sich alle 
Gewerbebeiiisseuen sowohl eine entsprechende allgemeine Bildung, als auch genügende 
Kenntnisse in der Theorie und Praxis der ihr Gewerbe speciell berührenden Fächer des 
technischen Wissens zu verschafeu vermögen - Personen von besonderem Talent und 
Streben aber Gelegenheit haben, sich mit verbiiltnissmässig geringen Opfern an Geld und 
zu einer ihren Erwerb, ihre Berufsarheit nicht beeinträchtigenden Zeit hinlänglich auszu-
	        

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