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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 45)

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dies der Fall. So würden wir es bei der Schwierigkeit der Trennung 
für gerechtfertigt halten, wenn man bei einerAusstellung wie die beabsich- 
tigte über das Princip völlig hinwegsähe und die Plastik ganz hereinzöge. 
Mit diesen Bemerkungen, welche die Grenzen der Kunstindustrie 
sowohl einerseits gegen die lndustrie, als andererseits gegen die Kunst ah- 
zustecken trachteten, wäre das Gebiet umschrieben, welches einer Kunst- 
iudnstrieausstellung principiell angehört. Das Programm der in Red- 
stehenden Ausstellung hat auch (in Uebereinstimmung mit den Samme 
lungen des österreichischen Museums) diese Grundsätze adoptirt, denn es 
heisst in einem Zusatz des g. 2 wörtlich also: 
W „Um ferneren Missverständnissen in Bezug auf Ausstellungsfahigkeit 
zu begegnen, wird ausdrücklich bemerkt, dass einerseits sowohl Gegen- 
stände der reinen Kunst, wie Historiengemalde, Genrebilder, Landschaf- 
ten u. s. f., desgleichen rein constructive architektonische Entwürfe, als 
auch andererseits Maschinen, Rohproducte aller Art und rein gewerbliche 
Erzeugrisse, bei denen die Kunst weder in Bezug auf Form, noch in 
Bezug auf Verzierung Anwendung gefunden hat, von dieser Ausstellung 
ausgeßßlllßtsen sind." 
Das Pngramm aber beschränkt sich nicht blos auf diese Festsetzung 
des Gebieteßdessen, was principiell hineingehört und nicht hineingehört, 
es stellt in iemselben Paragraph noch zwei Bedingungen auf, die das 
Gebiet weßenlich einengen: 1. „müssen die aus zu stelle nd en G e- 
genstande uoderne Erzeugnisse der inländischen Kunst- 
industrie Sein", und 2. „indem sie höheren Anforderungen in Bezug 
auf Form und Qrnamentation gerecht werden, einen Fortschritt in 
der Elllwißkllng des Kunstgewerbes und des Geschmackes 
b ek un d an." 
Die erste Bßlingung ist an sich klar genug; sie macht die Ausstel- 
lung zu eine!" lllüdünen und vor allem zu einer specifisch österreichischen. 
Das MOÜV (ließe? lelteren Beschränkung ist ein patriotisches und schliesst 
Gillß ellfelwone Alleiennnng der heimischen Kunstindustrie in sich ein. 
Man erwarte! Voll de Leistungsfähigkeit der heimischen Kunstindustrie 
sowie V01! deren glltßx Willen und besonderen Anstrengungen gelungene 
und gute Arbeiten, di in künstlerischer Composition und Ausführung 
vollkommen auf der Hhe der Zeit stehen , und hoiTt durch die Vorfüh- 
rung dßrößlbßll den ZWifeln an den eigenen Kräften und dem ewigen 
Hinweis auf Pßriß und kriser Geschmack endlich einmal ein Ende zu 
machen. - 
Die Zweite Bedillgllll. ist aus den Gesichtspunkten hervorgegangen, 
welche für die Gründung es österreichischen Museums massgebend ge- 
wesen sind- Sie füllten illder Annahme, dass der bisher herrschende 
Geschmack ein veralteter nd verderbter sei, und dass die heimische 
Kunstindustrie den Weg delReform betreten müsse, auf dem England
	        

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