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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 46)

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Das hervorragendste Ereigniss im verdossenen Jahre auf dem 
Gebiete der M al e r ei ist das Hervortreten des Malers Mar k a r t. 
Dieser ist ein Salzburger von Geburt, hat sich in der Schule des Pro- 
fessors Piloty in München ausgebildet und sehr schnell einen glänzenden 
Namen erworben. Sein Talent ist ein coloristisches, seine Vortragsweise 
eine decorative; die Gegenstände, die er malt, und die Richtung, in der 
er geht, lassen trotz des entschiedenen Talentes, welches der Künstler 
zeigt, sehr schwer die Zukunft desselben prognosticireu. So viel ist 
unterdessen gewiss, dass bei dem Mangel an frischen und neuen Ta- 
lenten auf dem Gebiete der Malerei das Erscheinen Markarfs jedenfalls 
ein erfreuliches Ereigniss ist, das im verflossenen Jahre eine hervorra- 
gende Rolle spielte. 
Auf dem Gebiete der B il d h a. u e r e i sind wenig hervorragende 
Thatsachen zu verzeichnen. Das Wichtigste und Erfreulichste, was im 
verHossenen Jahre auf diesem Gebiete geschehen, ist die deünitive Zu- 
weisung des Schubert-Monumentes an den Bildhauer Kundtmann. Die 
Befürchtung, welche in dem letzten Jahresberichte ausgedrückt wurde, 
dass die Ausschmückung der Schwarzenbergbrücke durch monumentale 
Figuren fraglich geworden sei, hat sich leider bestätigt. Die Art und 
YVeise, wie der Wiener Gemeinderath diese Angelegenheit betrieb, ge- 
reicht ihm zu nichts weniger als zum Lobe. 
Auf dem Gebiete der zeichnen den Kü nste bewegte sich im ver- 
flossenen Jahre Alles in den gewohnten Geleisen. 
In der Kupferstecherschule des Professors Jacoby hat sich 
eine tüchtige Kraft entwickelt: Fr. Klaus, der zu schönen Hoffnungen 
berechtigt. Die Xylographen fühlen, dass es nöthig ist, durch Grun- 
dung einer Lehrkanzel für Xylographie in die Uebungen der xylogra- 
phischen Technik Methode und Routine zu bringen. Das Bedeutendstc, 
was von Fa rbendruck publicirt wurde, haben die Herren Grefe und 
Hartinger im vorigen Jahre geliefert. 
Der Buchhandel und der Kunsthandel thun in Oesterreich ausset- 
ordentlich wenig zur Beförderung der zeichuenden Künste; was aus 
der Initiative der Kunsthandler hervorgeht, ist mittlere Waare gewöhn- 
licher Art. 
Auf dem Gebiete der Kun stindu stri e sind allerdings einzelne 
wenige Zweige zu nennen, in denen im letzten Jahre ein entschiedener 
Fortschritt zu merken ist. 
Dieselben beziehen sich vorzugsweise auf Email-Teehnik. Der 
Chemiker K0 sch macht ununterbrochen Versuche der Uebertragung von 
Papier-Email auf Porzellan, Glas und Thon. Diese Art von Decoration 
hat sich auf dem Gebiete der Porzellan- und Glasindustrie im Verkehrs- 
leben ziemlich eingebürgert. Gegenwärtig wird ein Experiment gemacht, 
dieselbe Technik auch als Flachornnment auf Ziegeln zu verwenden, und
	        

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