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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 49)

In dem genannten Ministerialerlasse erklärt sich der Ilandelsminister 
Excell. v. Plener bereit, von der a. h. Gnade Sr. Majestät die Wid- 
mung eines Betrages von 2500 H. aus der dem Handelsministerium zur 
Verfügung stehenden Dotation unter der Bedingung zu erwirken, dass 
der Landesausschuss und die Gemeinde diejenigen übrigen Leistungen 
übernehmen, welche nöthig sind, um nach dem Muster der Berchtes- 
gadener Anstalt eine Schule für Holzsehnitzerei in Hallein sofort 
einzurichten und deren Bestand mindestens au.f fünf Jahre zu sichern. 
Die Berchtesgadener H o lz w a ar en und Holzschnitz- 
arbeiten -- so lautet der Bericht der Salzhurger Handelskammer - 
„sind ein uralter Industriezweig der Bevölkerung des Berchtesgadener 
Thales und ein grosser Theil der ländlichen und Marktbevölkerung von 
Berchtesgaden findet dadurch seinen Erwerb. Im Laufe der letzten Zeit 
hatte aber theils die Kunstfertigkeit dieser autodidacten Holzschnitz- 
arbeiter abgenommen, theils tauchten neue Holzschnitzarbeiter in anderen 
Gegenden, wie in Tirol, Allgäu, im bayrischen Oherlande, in St. Gallen etc. 
auf, welche geschmackvdlere und mehr künstlerisch durchgeführte Ar- 
beiten lieferten und bald den Markt zu beherrschen anfingen, so dass 
die Berchtesgadener die Concurrenz mit denselben nicht mehr halten 
konnten und sogar bei den häufigen Nachfragen den Touristen importirte 
Waaren für eigene zu verkaufen veranlasst waren. 
Dieses zurückgehen einer ursprünglich einheimischen Industrie und 
die Verkümmerung eines altherkömmlicheu Erwerbszweiges bewogen die 
königl. bayrische Regierung, thatkräftig dahin zu wirken, dass der In- 
dustriezweig der Holzschnitzerei wieder gehoben und der alte Ruf der 
Berchtesgadener Holzwaaren wieder hergestellt werde, um dadurch die 
Berchtesgadener Holzschnitzer wieder enncurrenzfahig zu machen und 
diesem Gebirgsthale seinen alten Erwerbszweig zu erhalten. 
Zu diesem Behufe errichtete die königl. bayrische Regierung vor 
einem Decennium eine In dustrieschule in Berchtesgaden, in welcher 
ausschliesslich die künstlerische Anfertigung von Holzwaaren gelehrt wird. 
Mit der Einrichtung dieser Schule betraute die Regierung einen 
Künstler, Herrn Hohm, welcher als einziger Lehrer dieser Anstalt an- 
gestellt wurde, in der Jedermann, Alt und Jung, unentgeltlich im Zeich- l 
nen, Modelliren und Holzschnitzen unterrichtet wird. Nehstiaei bemerkt, 
war Herr Hohm früher Meerschsumpfeifenschneider, und da die Regie- 
rung auf sein vorzügliches Talent aufmerksam gemacht wurde, schickte 
sie ihn auf die Kunstakademie in München und liess ihn dort auf ihre 
Kosten künstlerisch ausbilden, mit der speciellen Richtung für Holz- 
sclznitzzirbeiten. Dann sendete sie Herrn Hohm als Lehrer der neu zu 
errichtenden Industrieschule nach Berchtesgaden, wo sie ihm ein entspre- 
chendes Schullocale und freie Wohnung zur Verfügung stellte und einen 
Jahresgehalt von 600 H. gab.
	        

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