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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 49)

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l ein der Industriezweig der Holzwaaren - Erzeugung und H o l z- 
schnitzerei wieder neu ins Leben rufen und zur erspriesslichen Ent- 
wickelung bringen. Die Vorbedinglmgen sind hier dieselben wie dort und 
ausreichend vorhanden. Als Material für Schnitzarbeiten könnte in Hallein 
nicht nur Holz, sondern auch Salzstein und Marmor, selbst Ala- 
baster, Gyps und andere taugliche Steinarten, welche in der Gegend von 
Hallein in reicher Auswahl vorkommen, verwendet werden. An Locali- 
täten für Schule und Magazine mangelt es ebensowenig. Für den Ver- 
trieb und Handel bietet die wohlfeile Wasserstrasse der Salzach (und 
vielleicht auch bald die Eisenbahn) das entsprechende Verkehrsmittel. 
Arbeitskrä sind zur Genüge vorhanden. Durch das Aufblühen dieses 
Indnstriezweiges könnte nebstbei dem sprüchwörtlich gewordenen Bettel 
und Pauperismus in Hallein abgeholfen werden. 
Die Kammer erlaubt sich daher die ehrfurchtsvolle Bitte zu stellen: 
Das hohe k. k. Ministerium wolle geneigtest in Hallein eine Industrie- 
schule für Holzarbeiten und Holzschnitzerei nach dem Vor- 
gange der Berchtesgadener Schule ins Leben zu rufen geruhen." 
Allerdings ist Hallein nicht in einer so günstigen Lage, wie St. Ulrich 
und das Grödener Thal, denn esiist viel schwieriger eine fast [ausgestorbene 
Hausindusüie zu beleben und eine dem Pauperismus nahe stehende Be- 
völkerung zu kräftigen, als eine Industrie zu heben, die, wie es im Grödener 
Thale der Fall ist, lebenskräftig ist, aber nur auf den ersten Stufen ihrer 
Entwickelung steht. Aber Hallein kommen in dem gegenwärtigen Augen- 
blicke manche Umstände zu statten. 
Die Commune von Hallein ist nicht passiv und gleichgiltig, im 
Gegentheile; als ich in Begleitung des eben so liebenswürdigen als kennt- 
nissreichen Secretärs der Handelskammer von Salzburg, H. Mielich- 
hof er, jüngst Hallein besuchte, um die dortigen Industriezustände kennen 
zu lernen, erklärte sich der Bürgermeister von Hallein bereit, für die 
Loealitäten der Schule und für entsprechende Wohnung des Lehrers 
Sorge tragen zu wollen, wenn eine solche Holzsehnitzschule in Hallein 
errichtet wird. Dazu kommt, dass die Salzhurger Handelskammer diese 
Angelegenheit mit Energie betreibt und ungleich thätiger ist als ihre Col- 
legin in Tirol. Auch verdient das Benehmen des Hrn. Anton Baldi 
ganz besonders hervorgehoben zu werden. Dem industriellen Fortschritt 
in Oesterreich ist in vielen Fällen nichts so hinderlich, als die offene 
oder versteckte Opposition, welche Verleger und Grossindustlielle an man- 
chen Orten gegen jene Schulen machen, welche die fachmännische Ans- 
bildung der Arbeiter zum Zwecke haben. Jene fürchten immer, dass ihnen 
aus diesen Schulen Coneurrenten erwachsen werden, und sehen lieber 
Industriezweige verkommen, als dass sie selbst Schritte zur fachgemässen 
Ausbildung der Arbeiter thun würden. Abgesehen aber davon, dass dies 
Benehmen aus sittlichen Gründen unbedingt verweriiich und unpatriotiseh
	        

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